1. Bundesliga 16/17
| 12.50 Uhr

Wochen der Wahrheit
Wolfsburgs Baustellen: "Skandalsturm" und Endspiel um Europa

Fotos: Max Kruse trifft dreifach beim Sieg gegen Hoffenheim
Fotos: Max Kruse trifft dreifach beim Sieg gegen Hoffenheim FOTO: dpa, pst jai
Düsseldorf. Für den VfL Wolfsburg geht es bei Bayer Leverkusen um viel. Besonders im Fokus steht nach seinen Eskapaden Nationalspieler Max Kruse. Nicklas Bendtner wird nach seinem Rauswurf von der Presse verspottet.

Die Ansage von Dieter Hecking gab es bereits vor ein paar Tagen. Nach den jüngsten Eskapaden hatte sich Wolfsburgs Trainer seinen zuletzt wiederholt in die Schlagzeilen geratenen Stürmer Max Kruse zur Brust genommen. Und ihm einen unmissverständlichen Auftrag für das Spiel bei Bayer Leverkusen am Freitag (20.30 Uhr/Live-Ticker) mit auf den Weg gegeben.

"Max soll Leistung bringen, fertig. Am liebsten wäre es mir, er schießt zwei Tore. Dann macht er seine Kritiker mundtot. Das wäre am besten", sagte Hecking den "Wolfsburger Nachrichten".

Im Training hat Kruse den 51-Jährigen bereits überzeugt, "da gibt es nichts zu beanstanden", so Hecking, der Kruse allerdings auch kritisierte. "Als deutscher Nationalspieler musst du dir vor allem zwei Dingen bewusst sein: Du stehst total im Fokus der Öffentlichkeit, und du hast eine Vorbildfunktion. Und dieser ist Max nicht gerecht geworden", sagte Hecking und ergänzte: "Natürlich waren die Geschichten alle privat. Aber nachts nach einem Bundesligaspiel um 6.30 Uhr durch Berlin zu fahren – das kann es nicht sein." Eine Freistellung des Spielers sei aber nie ein Thema gewesen.

Das ist Max Kruse FOTO: dpa, crj jhe

Spott für Bendtner nach Rauswurf

Dafür flog der zweite Skandal-Stürmer – und auf den Spott musste Nicklas Bendtner nicht lange warten. "Good bye, ciao, farewell und Auf Wiedersehen", schrieb die dänische Boulevard-Zeitung Ekstra Bladet nach der Freistellung des Stürmers. Und fällte danach noch ein vernichtendes Urteil: "Bendtner hält wohl den dänischen Rekord für vergeudetes Talent." Passend dazu zeigte das Blatt ein Bendtner-Trikot unter dem Schild "stark reduziert" und betitelte ihn zusätzlich noch als "Karriereclown".

Das ist Nicklas Bendtner FOTO: dpa, jst jai

Hatte der Däne, 2014 ablösefrei vom FC Arsenal zu den Niedersachsen gewechselt, zuletzt ohnehin nur noch Einzel-Training absolviert, wurde er vor der Begegnung bei Bayer Leverkusen am Freitag ganz vom Trainingsbetrieb freigestellt. Die vorzeitige Auflösung des eigentlich noch bis 30. Juni 2017 laufendes Vertrages ist wohl nur noch eine Frage der Abfindung. Der erhoffte Neustart beim VfL endete für den extravaganten "Lord" am Tiefpunkt seiner Karriere.

Mit einer ganzen Reihe aufsehenerregender Eskapaden hatte der Paradiesvogel schon vor seiner Zeit beim VfL geglänzt, bei den Niedersachsen kamen noch einige hinzu. Mangelnder Einsatz und Fitness, Verspätungen, Fotos mit dem falschen Auto: Die Geduld der Wolfsburger Bosse und auch seiner Mannschaftskollegen strapazierte Bendtner gewaltig – bis er den Bogen überspannte. Zudem halten sich hartnäckig Gerüchte, dass es weitere Auffälligkeiten gegeben habe.

"Ein Wecker, der nicht funktionierte"

Dänische Medien listeten am Freitag noch einmal alle seine Verfehlungen in Wolfsburg auf – die Tageszeitung Politiken fasste dies so zusammen: "Schlechte Einstellung, falsches Auto und ein Wecker, der nicht funktionierte." Allerdings war aus den Kommentaren auch ein bisschen Traurigkeit und fast schon Mitleid darüber, wie leichtfertig Bendtner sein Talent verschwendet, herauszulesen.

Denn auf dem Platz machte der einstige Arsenal-Stürmer nur selten auf sich aufmerksam. Ganze drei Tore erzielte er in 31 Bundesligaspielen für den VfL. Die meisten Partien absolvierte er ohnehin nur als Einwechselspieler. Einzig beim Supercup gegen Bayern München ließ er aufhorchen – sein Doppelpack bescherte dem VfL den Titel.

Nun stellt sich für Bendtner die Frage nach seiner Zukunft. "Er ist ganz kurz davor, kein Fußballer mehr zu sein", schrieb die englische Boulevard-Zeitung The Sun über den "rebellischen Flop". Denn Vereine werden sich noch genauer überlegen, ob sie das Risiko einer Verpflichtung eingehen wollen.

Ekstra Bladet brachte zugleich den FC Kopenhagen, Bendtners Jugendklub, von dem er als 19-Jährige zum FC Arsenal gewechselt war, als "letzte Rettungsplanke" ins Spiel. Allerdings gab sich Trainer Stale Solbakken äußerst reserviert. Neben China soll es in der Vergangenheit zudem auch bereits Kontakte zur amerikanischen Major League Soccer gegeben haben.

(are/dpa/sid)
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