1. Bundesliga 16/17
| 13.05 Uhr

Stimmung am Tiefpunkt
Wolfsburger Fans gehen auf die Barrikaden

Wolfsburg - Leverkusen: Bilder des Spiels
Wolfsburg - Leverkusen: Bilder des Spiels FOTO: dpa, pst jai
Wolfsburg . Als die aufgebrachten Fans draußen vor dem Stadion noch immer "Scheiß Millionäre" brüllten, kratzte sich Mario Gomez drinnen bedröppelt am Kopf. Der Angreifer verstand nach der nächsten Pleite seines VfL Wolfsburg die Welt nicht mehr.

"Brutal" und "unerklärlich" sei der Zusammenbruch der Wölfe in der zweiten Hälfte gewesen, sagte Gomez nach dem ernüchternden 1:2 (1:0) gegen Bayer Leverkusen: "Keine Ahnung, woran es lag. Vielleicht war es die Angst vorm Gewinnen." Auf jeden Fall aber hat die eigentlich so talentierte Star-Truppe um Gomez und Julian Draxler das Siegen verlernt. Der selbsternannte Europapokal-Aspirant ist als Drittletzter endgültig im Abstiegskampf angekommen.

"Natürlich, wir stehen unten drin", sagte Geschäftsführer Klaus Allofs nach dem achten Bundesliga-Spiel in Serie ohne Sieg: "Wir sind mit den Gedanken nicht bei der Europa League oder womöglich Champions League. Wir sind dabei, Punkte sammeln zu müssen." Und zwar so schnell wie möglich.

Wie verunsichert die Mannschaft ist, zeigte ihr Auseinanderfallen im Werksduell. Maximilian Arnold (37.) hatte die Gastgeber ja in Führung gebracht, doch dann stellte Wolfsburg plötzlich das Spielen, das Verteidigen, ja sogar das Kämpfen ein. So konnten Admir Mehmedi (79.) und Tin Jedvaj (83.) die Partie noch drehen - und die Wolfsburger Fans ließen ihrer Wut auf die hochbezahlten Kicker des VW-Konzerns freien Lauf. Sie pfiffen, sie brüllten, sie blockierten die Stadionausfahrt für die schwächelnden Stars. Der Protest löste sich erst auf, nachdem sich die Mannschaft den aufgebrachten Anhängern stellte. Rund zehn Minuten dauerte die Aussprache. "Die Fans sind genau so enttäuscht wie wir", sagte Gomez.

"Unsere Spieler sind keine 'Scheiß Millionäre', um das mal ganz klar zu sagen", meinte Allofs. Der Klub-Chef kann den Frust der Fans nur allzu gut verstehen, doch der Manager wollte seine sensiblen Spieler auch nicht zum Fraß vorwerfen. "Sie machen viele Dinge falsch, aber ich lasse es nicht zu, dass sie so betitelt werden", sagte Allofs.

Gleichzeitig wächst auch der Druck auf ihn selber. Allofs ist gefordert, den Klub wieder in die Spur zu bringen. Die Mannschaft hat zwar mit Verletzungssorgen zu kämpfen, doch sie scheint auch nicht clever zusammengestellt worden zu sein. Winter-Transfers schließt der 59-Jährige nicht aus, und er fahndet auch immer noch nach einem Nachfolger für den vor zwei Wochen geschassten Trainer Dieter Hecking. Nächste Woche in Freiburg wird aber erneut wohl Interimscoach Valerien Ismael auf der Bank sitzen.

"Ich denke, dass die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist", sagte Allofs, der aber auch die Verpflichtung anderer Bewerber prüft: "Wir wollen uns nicht unter Druck setzten lassen, schauen welche Alternativen es gibt. Und wenn es erfolgversprechende Alternativen gibt, wäre es fahrlässig, wenn wir es nicht machen." Als mögliche Kandidaten in Wolfsburg gelten weiter der Italiener Roberto Mancini (zuletzt Inter Mailand) sowie der frühere Chelsea- und Tottenham-Teammanager André Villas-Boas. Es ist derzeit aber sich kein Job, um den man sich reißt.

(sid)
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