1. Bundesliga 16/17
| 20.18 Uhr

Wolfsburger Matchwinner in der Kritik
Hecking verpasst Dost schallende verbale Ohrfeige

Joker Dost macht Doppelpack – und erntet Kritik
Joker Dost macht Doppelpack – und erntet Kritik FOTO: afp, oa/dg
Wolfsburg. In aller Öffentlichkeit und hart wie selten hat Wolfsburg-Trainer Dieter Hecking seinen Topstürmer Bas Dost kritisiert. Dass der Niederländer den VfL mit zwei Toren zum 2:0 (0:0) gegen Hertha BSC geschossen hatte, besänftigte Hecking kein bisschen.

Die Fans lagen Bas Dost nach dem Doppelpack zu Füßen, doch von Dieter Hecking bekam der Matchwinner eine verbale Ohrfeige. "Wie er die letzten drei Tage rumgelaufen ist, das geht nicht. Das ist Egoismus pur. Als ob man ihm das Spielzeug weggenommen hat", sagte der Trainer des VfL Wolfsburg nach dem 2:0 (0:0)-Heimsieg gegen Hertha BSC. Und der sichtlich geladene Hecking schickte noch eine überdeutliche Warnung an seinen Topstürmer hinterher: "Wenn er meint, er muss seinen Ärger öffentlich zur Schau stellen, dann ist er hier in Wolfsburg falsch."

Rumms! Heckings Aussagen dürften Dosts ziemlich großes Ego empfindlich treffen. Statt die Joker-Qualitäten des zweifachen Torschützen (76. und 88./Foulelfmeter) zu loben, prangerte Hecking dessen offenbar mangelhafte Einstellung an. In aller Öffentlichkeit und mit selten gezeigter Härte. Vor dem Spitzenspiel am Dienstag (20 Uhr/Live-Ticker) beim Rekordmeister Bayern München sicherlich kein idealer Zeitpunkt, doch Hecking will Dost weiter schmoren lassen: "Ich lasse ihn jetzt drei Tage in Ruhe, so wie er das mit der Mannschaft auch getan hat."

Wolfsburg - Hertha FOTO: dpa, pst

Hecking ist sauer, weil Dost zunächst im Champions-League-Auftaktspiel gegen ZSKA Moskau (1:0) wenig Einsatzfreude gezeigt und im Training danach übellaunig und mit lascher Körpersprache für schlechte Stimmung im Team gesorgt hatte. "Das ist sehr bedenklich", sagte Hecking: "Da sollte er schleunigst seine Einstellung ändern."

Vom Bankdrücker zum Ballermann zum Buhmann - Dost erlebte gegen Hertha innerhalb von nur zwei Stunden ein Wechselbad der Gefühle. Ohne den extrem motivierten Angreifer, der fünf Minuten nach seiner Einwechslung eine Vorlage von Daniel Caligiuri verwertete und wenig später einen Foulelfmeter nervenstark verwandelte, hätte der Pokalsieger vor dem Duell bei den Bayern wohl einen schmerzhaften Rückschlag erlitten. Doch davon ließ sich Hecking nicht besänftigen: "Es freut mich für die Mannschaft, dass er zwei Tore gemacht hat."

Hecking geht der Teamgedanke über alles, vielleicht wollte er mit der Kritik seinen besten Stürmer (vier Saisontore) aber auch anstacheln. Doch der ist ohnehin heiß auf die Bayern. "Wir fahren nicht nach München, um da unentschieden zu spielen", betonte Dost. Ob er von Beginn an auflaufen darf oder Hecking ihn aus disziplinarischen Gründen wieder auf die Bank setzt, darüber dürfte vor allem Dosts Reaktion auf die harte Kritik entscheiden. Sein Vertreter Nicklas Bendtner strahlt jedoch derzeit kaum Torgefahr aus.

5. Spieltag: Fakten

Auch das Zusammenspiel des 35-Millionen-Mannes Julian Draxler und seinen Nebenleuten lief gegen kompakt verteidigende Berliner alles andere als rund. Erst mit der Rückkehr zum 4-2-3-1-System übten die Wolfsburger mehr Druck aus. Der Stadionsprecher hatte vor dem Anpfiff schon geahnt, dass es nach dem überzeugenden Champions-League-Spiel gegen Moskau kein Fußball-Leckerbissen geben wird: "Am Dienstag gab es russischen Borschtsch, heute ist deutsche Hausmannskost angesagt." Dafür war die VfL-Arena aber mit 30.000 Zuschauern ausverkauft. Zum Auftakt in der Königsklasse waren fast ein Drittel weniger Besucher gekommen.

Hertha brachte knapp 2500 Anhänger zum "ICE-Derby" mit, fuhr allerdings ohne den durchaus möglichen Punkt wieder nach Berlin. Trainer Pal Dardai machte dafür die "Naivität in der zweiten Halbzeit" verantwortlich. Die Verletzungen von Abwehrchef Sebastian Langkamp und Torhüter Thomas Kraft schmerzten zusätzlich. Beide werden womöglich auch im Heimspiel am Dienstag gegen den 1. FC Köln fehlen.

(sid)
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