1. Bundesliga 16/17
| 15.45 Uhr

Champions League
Wolfsburg ist stolz und denkt an die VW-Arbeiter

Manchester United - Wolfsburg
Manchester United - Wolfsburg FOTO: dpa, pst sab
Manchester . Der VfL Wolfsburg war stolz auf seine Leistung auf der großen Bühne Old Trafford. Die Gedanken galten anschließend auch dem kleinen Mann am VW-Fließband.

Bastian Schweinsteiger schmiegte sich neckisch an Dantes Schulter, während einer Umarmung flüsterte er seinem alten Freund einige nette Worte ins Ohr. Dann verschwand der Weltmeister von der großen Bühne Old Trafford wortlos in der klaren Nacht von Manchester, und der Brasilianer war in Gedanken beim kleinen Mann am VW-Fließband in Wolfsburg – wie einige seiner Mitstreiter an diesem Abend.

"Ich hoffe, dass alle Leute ihre Arbeit behalten", sagte der Innenverteidiger nach dem 1:2 (1:1) des VfL Wolfsburg bei Manchester United nachdenklich: "Ich hoffe, es wird eine Lösung gefunden." Geschäftsführer Klaus Allofs sprach ebenfalls über die Unruhe und die gedrückte Stimmung in der Stadt: "Das geht an uns nicht spurlos vorbei."

Das VW-Desaster scheint Spieler und Verantwortliche des VfL tiefer zu berühren, als sie bislang zugegeben haben. Allerdings sind dies Probleme, auf die ein Fußballer keinen Einfluss hat – die kurzfristigen Sorgen der Wölfe sind sportlicher Natur. Sie haben sich für eine sehr gute Leistung im legendären "Theater der Träume" nicht belohnt.

"Wir wurden bitterböse bestraft", moserte Trainer Dieter Hecking dementsprechend angefressen. Er ärgerte sich vor allem mächtig über das 2:1 von Chris Smalling (53.), das er im TV-Interview verächtlich "Gurkentor" und dann, während der Pressekonferenz, sogar "Scheißtor" nannte. Die englischen Journalisten hatten an der Übersetzung "shit goal" ihre helle Freude.

Dennoch: Der VfL Wolfsburg kann den Auftritt in Old Trafford als Schritt nach vorne verbuchen. Engagiert, couragiert, druckvoll, aber glücklos hatte der Pokalsieger alles getan, um United herauszufordern. Positiv war auch, dass Andre Schürrle nach seiner Einwechslung aufsteigende Form nachwies.

Die gut 800 mitgereisten Fans feierten ihre Mannschaft daher noch 15 Minuten nach dem Abpfiff – das einzige Problem: Von der Anzeigetafel strahlte das 2:1 für Manchester ins fast leere Stadion hinein. "Es bleibt ein schlechtes Gefühl", sagte Christian Träsch. Und so hob der VfL-Charterflug um Mitternacht vom Manchester International Airport mit "sehr enttäuschten" (Dante) Profis an Bord ab. Nächster Stopp: das knifflige Ligaspiel bei Borussia Mönchengladbach am Samstag (15.30 Uhr/Live-Ticker).

So richtig zufrieden konnte übrigens auch Bastian Schweinsteiger nicht sein. Der "General, Anführer, neue Roy Keane", wie die Manchester Evening News noch am Mittwoch in einer Eloge schrieben, wurde für jeden Zweikampf gefeiert, bei seiner Auswechslung erhoben sich mehr als 70.000 Zuschauer von ihren Plätzen.

Aber von seinem Lieblingstrainer Louis van Gaal fing Schweinsteiger sich einen öffentlichen Rüffel ein. "Er hat nicht gut gespielt, er hat Bälle verloren. Deshalb habe ich ihn ausgewechselt", sagte der Niederländer. Die Zeitungen waren gnädiger: Für den Guardian war Schweinsteiger "der Geist, der Kopf" des United-Spiels: "Er ist nicht weit vom Höhepunkt seines Schaffens entfernt. Er inspiriert die Mannschaft und ist ihr größter Krieger." Schweinsteiger hatte bei beiden Toren die vorletzte Ballberührung gehabt.

Auch Dante schwärmte zum Abschluss des Champions-League-Abends von seinem früheren Mitspieler: "Wir schreiben uns. Wir werden immer Freunde bleiben. Es ist toll, zu hören, dass er bei United sehr, sehr glücklich ist."

(sid)
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