1. Bundesliga 16/17
| 08.30 Uhr

Gala-Auftritt gegen Gent
Draxler tritt aus De Bruynes Schatten

Draxler trifft in Gent nach No-Look-Pass von Vierinha
Draxler trifft in Gent nach No-Look-Pass von Vierinha FOTO: dpa, hpl
Gent/Düsseldorf. Julian Draxler war der überragende Spieler beim 3:2-Sieg des VfL Wolfsburg bei KAA Gent in der Champions League. So dominant war der 22-Jährige - nicht nur wegen seinen zwei Treffern - im Trikot der Niedersachsen noch nie. Von Michael Rossmann

Mit einem angebissenen Stück Pizza in der Hand stand der Matchwinner abgekämpft im Keller der Genter Ghelamco Arena. Wie ein strahlender Held sah Julian Draxler nicht gerade aus. Dabei hatte der 22-Jährige kurz zuvor zwei Traumtore geschossen und war von Wolfsburg-Manager Klaus Allofs mit dem Prädikat "Weltklasse" versehen worden. Er sei "wegen der Doping-Kontrolle im Stress", sagte der Weltmeister, der den VfL Wolfsburg zum Erfolg in der Champions League geschossen hatte.

Nur die zwei späten Gegentreffer von KAA Gent zum 3:2 störten ein wenig bei Draxlers Gala, mit der der frühere Schalker erstmals aus dem langen Schatten von Kevin De Bruyne getreten war. So stark und dominant hatte der Nationalspieler noch nie zuvor im Trikot der Niedersachsen aufgetrumpft. Seine als beiden Tore nach 44 und 54 Minuten waren natürlich das Beste an seinem beeindruckenden Auftritt.

Draxler macht Doppelpack in Gent mit Lupfer perfekt FOTO: afp, ms

Bei aller Begeisterung schwang jedoch die Besorgnis mit, dass Draxler nach dem Galaauftritt wieder in alte Muster verfällt. Auch wenn Trainer Dieter Hecking den jungen Spieler ausgiebig lobte: "Er hat ein richtig gutes Spiel gemacht, nicht nur wegen seiner beiden Tore." Es war Hecking selbst, der bei allem Genuss und bei aller Glückseligkeit warnende Worte hinterher schob: "Auch für ihn gilt, dass am Samstag ein neues Spiel ist, da muss er sich neu beweisen."

"Das macht man in der Champions League nicht alle Tage", betonte Draxler nach seiner Gala. Deshalb schnappte der 22-Jährige sich nach dem Abpfiff auch den Spielball und nahm ihn als Souvenir mit nach Wolfsburg. Der oftmals wegen seines mitunter lethargisch wirkenden Spiels kritisierte Draxler war "glücklich" über sein Spiel und über das Spiel der Mannschaft.

Für den Offensivmann war es wie für alle Wolfsburger nur "ärgerlich, dass wir noch zwei Tore gekriegt haben und eine perfekte Ausgangsposition verspielt haben". Nach dem dritten Tor durch Max Kruse (60.) ließen die VfL-Profis nach und kassierten die unnötigen Treffer von Sven Kums (80.) und Kalifa Coulibaly (89.). Im Rückspiel am 8. März müssen die Wolfsburger noch einmal hellwach sein.

Pressestimmen: "Tor-Riese DraXXLer" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Dennoch überwog bei Draxler und den Verantwortlichen des VfL die Freude. "Trotz der Gegentore ist das mehr als in Ordnung. Wir müssen nicht Trübsal blasen", betonte Allofs. Das über 80 Minuten beeindruckende Spiel "sollte man auch erstmal genießen".

Der VfL-Manage nutzte den Moment des Erfolgs auch, um eine Lanze für Draxler zu brechen. "Er gehört zu dem Besten, was wir im deutschen Fußball haben", schwärmte Allofs vom für rund 35 Millionen Euro vom FC Schalke abgeworbenen Toptalent und mahnte: "Mit der Geduld ist das nicht so ausgeprägt, aber wir müssen sie mit den jungen Spielern haben." Bei André Schürrle hingegen scheint auch Allofs immer ungeduldiger. Über den trotz Personalnot lange auf der Bank schmorenden Nationalspieler sagte er: "Bei ihm ist es immer noch schwierig, da müssen wir nicht drumherumreden." Viel lieber als Schürrle zu kritisieren, lobte Allofs Draxlers Fortschritte: "Ihm wird manchmal vorgeworfen, dass dass er sein Können nur zeitweise aufblitzen lässt. Heute hat er das über die gesamte Spielzeit gemacht. So reicht mir das schon." Und dann schob er schnell hinterher: "Zumindest für den Moment."

Quelle: RP
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