1. Bundesliga 16/17
| 10.19 Uhr

Nationalspieler will Wechsel provozieren
Julian Draxler wird schlecht beraten

Fotos: Julian Draxler – Jung-Star, Schalker, Weltmeister
Fotos: Julian Draxler – Jung-Star, Schalker, Weltmeister FOTO: dpa, pst nic
Meinung | Düsseldorf. Julian Draxler behauptet, der VfL Wolfsburg habe ihm zugesichert, bei einem entsprechenden Angebot den Verein verlassen zu dürfen. Der VfL Wolfsburg behauptet, es gebe diese Vereinbarung nicht. Eine der beiden Parteien sagt also zumindest nicht die volle Wahrheit. Wer das ist, vermag niemand außerhalb des Werksvereins von Volkswagen zu sagen. Von Robert Peters

Fest steht: Julian Draxler hat in Wolfsburg einen Vertrag unterschrieben – bis 2020 übrigens. Er hatte im vergangenen Sommer auch noch einen Vertrag bei Schalke 04. Wenn Kontrakte etwas zählen, müsste er noch zwei Jahre in Gelsenkirchen spielen. Eine innere Bindung zum jeweiligen Arbeitgeber hat er folglich weder auf Schalke noch in Wolfsburg aufgebaut. Es ist wohl ein Zeichen der Zeit, dass Profis schriftlich fixierte Vereinbarungen als Sicherheit für den Augenblick betrachten und die nächste Möglichkeit zur sportlichen und finanziellen Verbesserung aber ohne Rücksicht auf Vertragspartner wahrnehmen.

Das ist auf jeden Fall mal nicht die feine Art. Das allerdings schert die Millionäre und Ich-AGs im Profifußball schon lange nicht mehr. Draxler geht als ein besonders ausgeprägtes Exemplar dieses skrupellosen Geschäftssinns in die Geschichte ein. Das hat er sich selbst oder seinen Beratern zuzuschreiben.

Wenn die oder er so klug wären, wie sie erscheinen möchten, hätten sie sich eine Vereinbarung zum vorzeitigen Wechsel schriftlich geben lassen. Dass sie Öffentlichkeitsarbeit über das Boulevardblatt "Bild" betreiben, mag ihnen clever vorkommen. Der Schuss geht jedoch schwer nach hinten los. Draxler steht nun am Pranger. Selbst wenn er den Wechsel erzwingt, hat er an Ansehen verloren. Endgültig.

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