1. Bundesliga 15/16 Bundesliga
| 12.07 Uhr

Malanda vor einem Jahr verunglückt
"Junior ist unser zwölfter Mann"

Fotos: Fans veranstalten Trauermarsch
Fotos: Fans veranstalten Trauermarsch FOTO: dpa, pst jai
Wolfsburg. Der Tod von Junior Malanda lässt den VfL Wolfsburg auch ein Jahr danach nicht los. Doch der Klub hat auch Energie aus dem schrecklichen Unfall gezogen.

Trainer Dieter Hecking brach vor versammelter Presseschar in Tränen aus, die Spieler erhielten psychologische Betreuung, die Fans organisierten einen Trauermarsch: Der Unfalltod von Junior Malanda vor einem Jahr hat dem VfL Wolfsburg einen großen Schock versetzt. Doch der Klub zog aus der Krise auch Kraft.

"Die Tragödie um Junior war ein schrecklicher Einstieg ins neue Jahr, er hat uns stets begleitet und uns zu dem einen oder anderen Erfolg getrieben", sagte Hecking rückblickend der "Sport-Bild". Gerade in diesen Tagen habe er "den ganzen Ablauf der Tragödie wieder vor Augen", verriet der 51-Jährige.

Porträt: Junior Malanda - das viel zu kurze Leben des belgischen Hoffnungsträgers FOTO: dpa, pst jhe nic

An Nachmittag des 10. Januar 2015 war der Touareg des belgischen U21-Nationalspielers auf der A2 bei Porta Westfalica von der Straße abgekommen und hatte rechts die Leitplanke durchbrochen. Malanda, der unangeschnallt auf der Rückbank saß, wurde aus dem Auto geschleudert und war sofort tot.

Der hochbegabte Mittelfeldspieler befand sich auf dem Weg zum Flughafen Braunschweig. Von dort wollte der Klub ins Trainingslager nach Südafrika fliegen. Nach dem Unfall habe sich die Mannschaft aber "in einem fürchterlichen Zustand" befunden, wie Manager Klaus Allofs berichtete. Das Trainingslager stand auf der Kippe, schließlich flog der Klub mit einem Tag Verspätung ab. "Heute wissen wir, dass es das Beste war, ins Trainingslager zu fahren. So hatten wir Abstand", sagte Hecking.

Im Trainingslager von Kapstadt wurden die Spieler um Super-Star und Malanda-Freund Kevin De Bruyne vom Psychologen Andreas Marlovits betreut. Daheim indes versammelten sich Tausende Fans zu einem Trauermarsch. Vor der VfL-Arena breitete sich ein Meer aus Blumen, Kerzen und Bildern des Spielers aus.

A2: Bilder von der Unfallstelle FOTO: dpa, nic

Mit viel Fingerspitzengefühl gelang es der sportlichen Leitung, aus dem tragischen Vorfall positive Energie zu ziehen. Vor dem ersten Rückrunden-Spiel gegen die Bayern gab es keine Schweigeminute, stattdessen klatschten die Spieler eine Minute in die Hände. Die "Wölfe" spielten sich anschließend in einen Rausch und brachten den Bayern mit 4:1 die bislang höchste Liga-Niederlage unter Trainer Pep Guardiola bei. "Es hat sich alles entladen, auch die ganze Stimmung im Stadion, was sich in drei Wochen aufgestaut hat", sagte Hecking.

Wolfsburg spielte die beste Rückrunde seit der Meistersaison 2009, gewann den DFB-Pokal, den Supercup und qualifizierte sich für die Champions League. Immer gegenwärtig: Junior Malanda. "Im Pokalfinale gegen Dortmund habe ich in der Halbzeit zum Beispiel gesagt: Wenn die Kraft nicht reicht, dann ist noch Junior da. Er ist unser zwölfter Mann", berichtete Hecking.

Juristisch ist der Fall noch nicht beendet, die Ermittlungen dauern an. Dem Fahrer droht ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung. Am Steuer saß ein Freund Malandas, ebenfalls Jung-Profi, der mittlerweile in Portugal spielt. Wie ein Sprecher des Amtsgerichts Minden dem SID bestätigte, stehe die Überarbeitung eines Gutachtens noch aus. Aber in nächster Zeit werde mit einer Entscheidung gerechnet, ob das Hauptverfahren gegen den Freund eröffnet werden kann.

Fotos: Bewegender Abschied von Junior Malanda FOTO: Screenshot ARD
(sid)
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