1. Bundesliga 16/17
| 10.19 Uhr

Wolfsburg entlässt den Trainer
Erfolgsduo Allofs und Hecking ist am Mittelmaß zerbröselt

Alle Trainerwechsel der Saison
Alle Trainerwechsel der Saison FOTO: dpa, mb hak
Wolfsburg/Düsseldorf. Der VfL Wolfsburg schickte sich an, unter Klaus Allofs und Dieter Hecking die Nummer zwei im deutschen Fußball zu werden. Doch die Erfolgsgeschichte entpuppte sich als Strohfeuer. Jetzt ist Hecking Geschichte. Von Robert Peters

Die Sonne schien selten in diesem Winter 2012/13. Meterologen haben ermittelt, dass es der trübste Winter seit 60 Jahren war. Dieter Hecking fand das alles nicht so schlimm, denn er war dabei, seiner Trainer-Karriere richtig Schwung zu geben. Ende 2012 pochte er auf eine Option in seinem Vertrag und wechselte vom 1. FC Nürnberg zum VfL Wolfsburg. Dort war Klaus Allofs als Manager gerade dabei, die Scherben aus der Amtszeit des Großherrschers Felix Magath zusammenzukehren.

Eine richtige Erfolgsgeschichte begann. Allerdings nur bis zum Sommer 2015. Wolfsburg wurde Bundesliga-Zweiter und Pokalsieger, stürzte aber danach ins Mittelmaß. Einen Tag nach der 0:1-Niederlage gegen RB Leipzig zog der Klub die branchenübliche Konsequenz. Er entließ Trainer Hecking.

Es war keine große Überraschung mehr. Schon nach dem Spiel gegen Leipzig war Allofs hörbar von Hecking abgerückt. "Wir müssen uns darüber unterhalten, was wir machen müssen, damit wir besser spielen. Ob das mit dem Trainer oder auch ohne den Trainer sein wird, muss man sehen", sagte der Geschäftsführer. Auf die Nachfrage, ob es jenseits des Gesprächs mit oder ohne Hecking denn mit dem Coach in Wolfsburg weitergehe, antwortete Allofs knapp: "Hecking ist unser Trainer." Das sprach schon nicht gerade für eine spontane Vertragsverlängerung in den nächsten Tagen. 

Dieter Hecking – Wolfsburgs Pokalsieger-Macher FOTO: dpa, pst

Bis Montagmittag blieb Hecking im Amt. Er leitete sogar noch das erste Training der Profimannschaft. Zuvor hatte es das vom Geschäftsführer angekündigte Gespräch gegeben – mit dem Trainer und mit dem Team. Die Herren hatten sich offenbar einiges zu sagen, denn die Übungseinheit begann erst mit 20 Minuten Verspätung. Danach bemühte sich Allofs zunächst, weder Treuebekenntnisse abzulegen, noch Trennungsabsichten zu äußern. "Es macht keinen Sinn, eine Erklärung in die eine oder andere Richtung abzugeben", stellte er fest. Zur Trennung sagte Allofs am Montagabend: "Menschlich tut mir dieser Schritt sehr leid. Es war eine große Freude, mit Dieter Hecking und (Co-Trainer, Anm. der Redaktion) Dirk Bremser zusammenzuarbeiten. Wir haben in den intensiven fast vier Jahren eng und erfolgreich zusammengearbeitet."

Vom Bayern-Verfolger zum Mitläufer

Der Geschäftsführer wird seine eigene Bestmarke nicht annähernd erreichen. Bei Werder Bremen arbeitete er 13 Jahre lang mit Trainer Thomas Schaaf zusammen. Und zwischenzeitlich hatte es ganz so ausgesehen, als sollte sich das Duo Allofs/Hecking in Wolfsburg zur Langzeitlösung werden. Die beiden führten den VfL aus dem Tabellenkeller in die Europa League, dann in die Champions League und zum DFB-Pokalsieg. Und sie träumten nicht einmal leise davon, zumindest die Nummer zwei im deutschen Fußball hinter den ewigen Bayern zu werden.

Davon kann keine Rede mehr sein. Der VW-Werksklub ist vom selbsternannten Verfolger der Münchner zum Mitläufer in der Bundesliga geworden. Und Allofs hat keine Antwort auf den fußballerischen Einbruch einer der teuersten Mannschaften Deutschlands. Es wäre zu billig, alles am Abschied von Kevin De Bruyne im Sommer 2015 festzumachen. Trotzdem war das der Anfang einer langen Krise.

Der VfL hatte gerade das Supercup-Spiel mit Glück und einem Treffer von De Bruyne im Elfmeterschießen gegen die Bayern gewonnen. Er fühlte sich schon ein in die Rolle des Herausforderers. De Bruyne aber wollte unbedingt zu Manchester City, und bei einer Ablösesumme von 75 Millionen Euro mochte sich nicht mal der schwerreiche VW-Klub querstellen. Die Rechnung war einfach. Sie lautete: Auch andere Klubs haben gute Spieler. Doch der Versuch mit André Schürrle (Chelsea) scheiterte krachend, der mit Julian Draxler (Schalke) steckt bestenfalls in Ansätzen. Draxler hat sein herausragendes Talent viel zu selten einsetzen können. Und dass er keine innere Bindung zum Klub aufbauen wird, war spätestens im Sommer klar, als er mit öffentlichem Getöse um einen Wechsel nachsuchte. Wolfsburg zeigte ihm seinen Vertrag, der erst 2020 endet. Besser wurden Draxlers Vorstellungen auf dem Rasen dadurch nicht.

Auch Mario Gomez, der Mann mit der über Jahre eingebauten Torgarantie, scheint vom Wolfsburg-Fluch befallen. Allofs wählte die einfachste Lösung. Valerien Ismael, der Coach des U-23-Teams, soll das Training übernehmen. Vorerst.

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