1. Bundesliga 16/17
| 08.54 Uhr

Pokalsieger Wolfsburg
Mit Sachverstand und viel VW-Geld

Fotos: Wolfsburg feiert seine Pokalhelden
Fotos: Wolfsburg feiert seine Pokalhelden FOTO: afp, dg
Berlin. Nach dem Pokalsieg über Borussia Dortmund will sich der VfL Wolfsburg in der Spitze der Bundesliga etablieren. Von Robert Peters

Natürlich bekommt auch er die übliche Bierdusche verpasst. Mitten in der Pressekonferenz nach dem Berliner Pokalfinale ist Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking fällig. Er soll gerade etwas über die Rolle sagen, die Manager Klaus Allofs und er im Aufschwung des VfL-Fußballs gespielt haben, da schleichen sich feixend drei Spieler heran. Der Brasilianer Naldo, der außer seiner Sporthose nicht mehr allzu viel am athletischen Leib hat, gießt seinem Coach den Inhalt eines Dreiliter-Glases über den Kopf. Hecking lässt das stoisch über sich ergehen. Dann setzt er seinen Vortrag fort. "Es war die Krönung einer herausragenden Saison", sagt er über den Pokalsieg gegen Dortmund. Es klingt nicht triumphierend. Und als er schließlich einräumt, stolz zu sein darauf, "dass der Klaus und ich diesen Verein wieder in die Spitze gebracht zu haben", ist das viel weniger Eigenlob als eine selbstverständliche Feststellung.

Seit zweieinhalb Jahren arbeiten die beiden an ihrem Projekt Wolfsburg. Durch den Pokalsieg und den zweiten Platz in der Bundesliga "sind wir vielleicht ein bisschen vor unserer Zeit", erklärt Hecking. Aber den Erfolg nimmt er natürlich gern mit als eine Bestätigung. Als einen klaren Hinweis darauf, dass er auf dem richtigen Weg ist.

Fotos: Hecking bei Party in Wolfsburg mit Bier übergossen FOTO: afp, dg

In diesem Sieg von Berlin und dem Saisonverlauf der Bundesliga, die Wolfsburg hinter Branchenführer Bayern München als Zweiter abgeschlossen hat, liegen die nächsten Aufgaben. Denn der Erfolg muss nun bestätigt werden. "Wir werden daran gemessen", sagt der Wolfsburger Trainer, "das ist eine neue Herausforderung." Hecking, Allofs und die schier unerschöpfliche Finanzkraft des VW-Konzernklubs haben die Mannschaft an die Spitze gebracht. Jetzt soll sie dort etabliert werden. Wie schwierig das werden kann, zeigt der Blick in die jüngere Geschichte. Vor sechs Jahren stürmte Wolfsburg zu einer sehr überraschenden deutschen Meisterschaft, der ersten in der Klubchronik. Es folgte ein Rücksturz ins Grau, das die Werksmannschaft von Volkswagen über viele Jahre zuverlässig begleitet hatte. Da half auch das große Geld nicht.

Erst das Duo Hecking/Allofs fand die Balance zwischen sündhaft teuren Verpflichtungen, der notwendigen Entwicklung von Talenten und - wohl das Wichtigste - der klaren Vorgabe einer tauglichen Spielidee. So kommt es, dass vergleichsweise namenlose Athleten wie Daniel Caliguiri und Timm Klose ebenso das Spiel prägen wie der große Star Kevin De Bruyne. "Das ist der Mix", erklärt Hecking, "bei uns sind sich auch die Stars nicht zu schade, die Drecksarbeit zu machen." Diese Drecksarbeit führt zu sehr ansehnlichen Ergebnissen. Wolfsburg verfügt über eine harmonische Mannschaft, die fast perfekt abgestimmt ist und an guten Tagen wie eine gut geölte Maschine funktioniert.

(pet)
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