1. Bundesliga 16/17
| 12.31 Uhr

Erste Folge der VW-Krise
VfL Wolfsburg legt offenbar Prestigeprojekt auf Eis

VfL Wolfsburg: VW-Krise hat erste Konsequenzen für Bundesligist
Der Bau des Nachwuchszentrums soll vorerst gestoppt werden. FOTO: dpa, nic fdt
Wolfsburg. Die Krise bei Mutterkonzern VW hat für den VfL Wolfsburg eine erste bittere Konsequenz. Der Fußball-Bundesligist hat die Planungen für den 30 bis 40 Millionen Euro teuren Neubau des Nachwuchsleistungszentrums vorerst gestoppt. Das vorläufige Aus des Prestigeprojekts verdeutlicht, dass auch der DFB-Pokalsieger von den VW-Sparmaßnahmen betroffen ist und dass sich die "Kein-Grund-zur-Sorge"-Haltung von VfL-Manager Klaus Allofs überholt hat.

"Ich denke, es ist in der aktuellen Situation nachvollziehbar, dass Projekte dieser Größenordnung erst einmal zurückgestellt werden", sagte Allofs in einer Stellungnahme des Vereins. Die gemeinsam von der Geschäftsführung und dem Aufsichtsrat getroffene Entscheidung passt ins Bild, denn am Dienstag wurde bekannt, dass der durch die Abgas-Affäre in die Krise geratene Konzern seine Investitionen für die Marke Volkswagen pro Jahr um eine Milliarde Euro kürzen will.

"Was nicht zwingend nötig ist, wird gestrichen oder geschoben", hatte der neue VW-Chef Matthias Müller kürzlich bereits betont und dabei auch den Fußball nicht ausgenommen: "Wir drehen jeden Stein um und werden uns auch das ansehen."

Mit dem Bau des Nachwuchsleistungszentrum sollte ursprünglich spätestens 2017 begonnen werden. Ziel war es, alle Nachwuchsteams des Vereins auf einem von der Stadt zur Verfügung gestellten 32 Hektar großen Areal an der Dieselstraße zusammenzuziehen.

Wie weit der DFB-Pokalsieger als hundertprozentige Tochter des VW-Konzerns insgesamt von den Sparmaßnahmen betroffen sein wird, ist aber weiterhin schwer abzuschätzen. Als sicher gilt, dass ein Teil des Transferüberschusses von rund 60 Millionen Euro durch die Verkäufe von Kevin de Bruyne (80 Millionen/Manchester City) und Ivan Perisic (20 Millionen/Inter Mailand) an VW zurückfließen wird.

Die Suche nach neuen Geldquellen wird also für den VfL bedeutender, und da scheint der Klub fündig geworden zu sein. Wie das Fachmagazin kicker berichtete, ist der 80-Millionen-Euro-Deal mit Nike perfekt. Der Sportartikel-Gigant aus den USA soll als offizieller Ausrüster ab Sommer zehn Jahre lang rund acht Millionen Euro pro Saison zahlen.

Auf die generelle Unterstützung des Mutterkonzerns muss der Vizemeister aber auch in Zukunft nicht verzichten. "Wir steuern auf finanziell schwierige Zeiten hin und stellen uns die Frage, von welchem Engagement Volkswagen welchen Nutzen hat. Der VfL Wolfsburg ist dabei aber gar kein Thema", sagte Konzernsprecher Hans-Gerd Bode der Sport Bild (Mittwoch-Ausgabe).

Zuvor hatte auch schon Francisco Javier Garcia Sanz, VW-Vorstand und Aufsichtsrats-Chef beim VfL, die "Leuchtturm-Funktion" des Werksklubs für den Konzern herausgestellt und eine "angemessene Unterstützung" zugesichert.

Der Begriff "angemessen" lässt jedoch viel Spielraum für Interpretation. Nicht nur der VfL Wolfsburg bangt angesichts der Krise des Autobauers. VW und seine Tochter-Unternehmen unterstützen insgesamt 17 Erst- und Zweitligavereine mit geschätzten 200 Millionen Euro pro Jahr.

"Wir müssen genau beleuchten, welche Möglichkeiten sich auftun, unsere aktuellen Probleme zu lösen. Dabei geht es um vielfältigste Themen - auch im Fußball werden wir uns das natürlich anschauen müssen", sagte Konzernsprecher Bode.

(sid)
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