1. Bundesliga 16/17
| 10.56 Uhr

Pleite gegen Neapel
Wolfsburg will aus Niederlage lernen

Fotos: VfL Wolfsburg - SSC Neapel
Fotos: VfL Wolfsburg - SSC Neapel FOTO: dpa, pst nic
Wolfsburg. Der VfL hat nach dem 1:4 gegen Neapel kaum noch Chancen auf ein Weiterkommen in der Europa League. Dennoch könnte das Ergebnis zur weiteren Entwicklung der Mannschaft beitragen, sagt Sportchef Klaus Allofs. Von Carsten Lappe

Machtkampf beim Mutterkonzern VW, laufende Uefa-Untersuchung des Geschäftsmodells, 1:4-Demütigung durch den SSC Neapel: Auf dem angestrebten Weg an die europäische Fußballspitze werden die Herausforderungen für den VfL Wolfsburg immer größer. Nach dem laut VfL-Sportchef Klaus Allofs "schwarzen Tag" in der Europa League am Donnerstag gab es zumindest wieder eine positive Nachricht für den VW-Klub: Konzernchef und Fußball-Narr Martin Winterkorn hat den Machtkampf an der Führungsspitze des Autobauers vorerst gewonnen.

"Das, was man sagen kann, ist, dass das Engagement von VW beim VfL personenabhängig ist", hatte Allofs noch in der Nacht nach dem 1:4-Debakel gegen Napoli angesichts des da noch unklaren Ausgangs der Führungskrise beim Mutterkonzern geunkt. Nun besteht auch offiziell Klarheit: Über die weiterhin großzügigen jährlichen finanziellen Zuwendungen im hohen zweistelligen Millionen-Bereich muss sich der Bundesligazweite kurzfristig erstmal keine Gedanken mehr machen.

Über die tatsächliche Leistungsstärke im internationalen Spitzenvergleich schon mehr. "Neapel zerfleischt Wolfsburg", titelte die "Gazzetta dello Sport" am Freitag. "Wir können es sehr viel besser. Von daher würde ich sagen, dass es ein schwarzer Tag war oder ein schlechter Tag", sagte Allofs nach dem fast besiegelten Ausscheiden durch die Niederlage im Viertelfinal-Hinspiel: "Die Möglichkeiten im Rückspiel sind jetzt natürlich beschränkt."

Der designierte Champions-League-Teilnehmer der kommenden Saison wollte eigentlich ins Finale am 27. Mai in Warschau. Dass die Niedersachsen nun aber wie schon bei der bislang letzten Europapokalteilnahme 2010 bereits im Viertelfinale scheitern, soll jetzt gar helfen. "Ich sehe es als wichtigen Bestand unserer Saison und unserer Entwicklung", meinte Allofs.

Zumindest die Qualifikation zur Champions League hat der Volkswagen-Club bereits sicher. Am Sonntag gegen Schalke 04 (17.30 Uhr) soll ein weiterer Schritt in Richtung Champions League-Qualifikation gelingen. Die ist dem VfL angesichts von neun Punkten Vorsprung auf Rang vier wohl kaum mehr zu nehmen. Selbst wenn die Demontage vom Donnerstag Spuren hinterlassen sollte.

Gegen Napoli bekam der VfL einen Vorgeschmack auf das, was ihn in der Königsklasse erwartet. "Das ist ein Spiel, das uns weiterbringen kann", sagte Hecking. Allofs sah das ähnlich: "Das gehört auch dazu, dass man aus solchen Situationen lernt und die richtigen Schlüsse sieht. Das geht meistens besser nach Niederlagen." In der Tat erhielt Wolfsburg Nachhilfe in den Fächern Cleverness, Effizienz und Härte.

Dazu hat der VfL keinen Gonzalo Higuaín in seinen Reihen. Der Argentinier verkörperte bei seinem irregulären Handtor (15. Minute) die Abgezocktheit und vor dem 2:0 durch Marek Hamsik (23.) bei seinem Traumpass die Genialität eines Weltklasse-Spielers, den der VfL eben nicht hat. Kevin De Bruyne ging mit dem gesamten Team unter und wirkte anschließend beleidigt wie ein kleiner Bube, dem das Spielzeug genommen wurde.

Die rund 40 Millionen Euro, die Neapel 2013 für Higuaín an Real Madrid überwiesen hatte, nahmen Allofs und VW für einen einzigen Spieler bislang nicht in die Hand. Noch nicht. Doch der 58-Jährige kann ja weiterhin mit den VW-Millionen planen. Zumindest solange nicht doch noch die Uefa eingreift. Am Freitag tagten wieder die Finanzkontrolleure der Europäischen Fußball-Union. Das Geschäftsmodell in Wolfsburg steht auf dem Prüfstand. Es geht um die Frage, ob VW für die hohen Zuwendungen einen adäquaten Gegenwert erhält.

Noch gibt es darüber keine Entscheidung. Sollten die Finanzhüter nicht im Sinne des VfL entscheiden, könnte es übrigens auch für Winterkorn wieder ungemütlich werden. Die VW-Aktionäre könnten dann klagen. Und auch wenn die VW-Spitze die Führungskrise am Freitag offiziell beendete: Ob Winterkorns Vertrag tatsächlich wie angekündigt noch einmal verlängert werden soll, entscheidet sich erst im kommenden Jahr.

(dpa)
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