1. Bundesliga 16/17
| 16.41 Uhr

Weltmeister hat 2016 viel vor
Privates Glück soll Schürrle beflügeln

Weltmeister Andre Schürrle: "Ich bin extrem glücklich"
Andre Schürrle und seine Verlobte Montana Yorke auf dem Rasen des Maracana, wo Deutschland 2014 den WM-Titel gewann. FOTO: dpa, nic mr pkw_A nic
Wolfsburg. Wenn es mal so einfach wäre. Nach einem recht verkorksten Jahr setzt Weltmeister Andre Schürrle beim VfL Wolfsburg ganz auf das "Dopingmittel" Liebe. Seit dem Weihnachtsurlaub, in dem ihm seine kanadische Freundin Montana Yorke das Ja-Wort gab, schwebt der Nationalspieler auf Wolke sieben. "Ich hoffe, dass mich das beflügelt. Ich bin extrem glücklich", sagte der 25-Jährige zum Start ins neue Jahr.

Der Mann, der vor knapp 75.000 Zuschauern und mehreren hundert Millionen Fernsehzuschauern weltweit im WM-Finale 2014 die Vorarbeit zum Siegtor durch Mario Götze gegeben hatte, bekam bei seinem Antrag auf einmal weiche Knie: "Ich war sehr aufgeregt. Ich weiß gar nicht, ob ich jemals schon so aufgeregt war." Spötter mögen sagen: Das ist seinem unglücklichen und bisweilen phlegmatischen Fußballspiel in Wolfsburg bislang durchaus anzumerken.

Den Extra-Kick auf dem Spielfeld könnte Schürrle im EM-Jahr 2016 in der Tat besonders gut gebrauchen. Der Mann, der im Januar 2015 für rund 32 Millionen Euro von der Ersatzbank des FC Chelsea kam, hat ein enttäuschendes Jahr in Wolfsburg hinter sich. "Es war kein einfaches Jahr für mich", gestand Schürrle kürzlich im "Kicker": "Ich weiß, dass ich hier beim VfL noch längst nicht alles gezeigt habe."

Abgesehen von zwei ganz wichtigen Toren als Einwechselspieler in der Champions League beim 2:0 Ende November in Moskau erfüllte Schürrle die hohen Erwartungen fast nie. Das brachte ihm in der Hinserie auch öffentlich Kritik von Trainer Dieter Hecking und Manager Klaus Allofs ein, die ihn lange verteidigt hatten. "Wir haben eine Erwartungshaltung an ihn, die besser sein muss, als das, was er bisher gezeigt hat", hatte Hecking etwa gesagt.

Auf Kritik allgemein reagierte Schürrle in den vergangenen Monaten eher verständnislos. Die öffentliche Breitseite war dann zu viel. "Ehrlich gesagt hat mich das schon überrascht, deswegen habe ich auch die Gespräche mit ihnen gesucht", meinte der Offensivspieler.

Inzwischen hat Schürrle verstanden, wie wichtig die Rückserie für ihn wird: "Es ist klar, dass wir bei der EM topfitte Spieler brauchen, die im Rhythmus sind." Und dafür muss Schürrle spielen – regelmäßig.

Allofs glaubt an Schürrle

"Andre wird seinen Weg gehen, davon bin ich überzeugt", sagte Allofs zuletzt wieder. Lange hatten sie in Wolfsburg Kevin De Bruyne als Referenz für Anlaufschwierigkeiten angeführt. Dies geht freilich schon lange nicht mehr. Denn in der Tat funktionierte auch Deutschlands Fußballer des Jahres 2015 nicht auf Anhieb nach seinem Wechsel im Januar 2014. Doch die Anpassung ging deutlich schneller als nun bei Schürrle.

Schon in der Rückserie 2013/2014 setzte De Bruyne Glanzlichter und startete 2014/2015 komplett durch. Davon ist Schürrle soweit entfernt wie der Tabellensiebte Wolfsburg in dieser Spielzeit vom Spitzenreiter FC Bayern. Deswegen muss nun ein anderer Profi als Vergleich herhalten. "Ich weiß, dass nach großen Erfolgen wie der Weltmeisterschaft große Erwartungen vorhanden sind", meinte Allofs: "Das ist bei Mario Götze nichts anderes." Der WM-Siegtorschütze aber ist zumindest in dieser Saison auch schon länger verletzt. Das war Schürrle nicht. Dessen Hoffnung ist nun das private Glück als Initialzündung.

(seeg/dpa)
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