500.000 zusätzliche Euro werden anfallen: Vierter Schiedsrichter kommt zur Bundesliga-Rückrunde
zuletzt aktualisiert: 20.11.2002 - 17:48Gelsenkirchen (rpo). Zur Bundesliga-Rückrunde stehen nicht mehr drei sondern vier Schiedsrichter auf dem grünen Rasen der Stadien. Eine entsprechende Entscheidung beschloss der Deutsche Fußball-Bund (DFB) als Konsequenz aus der laufenden Schiedsrichter-Diskussion.
"Der vierte Schiri wird als Pilotprojekt für die Rückrunde eingesetzt, er soll seine Kollegen unterstützen", erklärte Gerhard Mayer-Vorfelder, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach einem Krisengipfel in Gelsenkirchen mit führenden Vertretern der Bundesliga-Referees, des DFB und der Deutschen Fußball Liga (DFL) sowie einigen Trainern und Managern des Oberhauses.
Der international schon längst übliche vierte Mann wird nach den Regeln des Welt- und des Europaverbandes (Fifa und Uefa) erstmals zum Rückrundenstart am 25. Januar 2003 nur in den Spielen der ersten Bundesliga eingesetzt. Das Pilotprojekt ist vorerst auf die Rückrunde der Saison 2002/2003 beschränkt.
Ferner sollen die Assistenten in Zukunft besser geschult werden, und auch auf die einheitliche Auslegung des Regelwerkes soll verstärkt geachtet werden. Weitere Änderungen in der Spielleitung wie der Einsatz elektronischer Hilfsmittel oder die Einführung des Profi-Schiedsrichters wurden zunächst verworfen.
"Wir glauben, dass der vierte Schiedsrichter vor allem dem ersten Assistenten, der durch das Theater an der Bank von seiner eingentlichen Aufgaben abgelenkt worden ist, eine große Hilfe sein wird", sagte Fifa-Referee Herbert Fandel (Kyllburg).
Beide Seiten lobten am "runden Tisch", an dem trotz Protesten von Profiseite keine Vertreter der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) saßen, indes Besserung im gegenseitigen Umgang. "Wir werden alles tun, damit der wechselseitige Respekt bei Einhaltung der Regeln und die Akzeptanz bei Schiedsrichter-Entscheidungen wieder hergestellt wird", sagte Mayer-Vorfelder. "Wenn wir wieder ein Klima der gegenseitigen Achtung schaffen, dann sind wir auf einem guten Weg", ergänzte Fandel.
Die beschlossene Neuerung, die noch durch das DFB-Präsidium und den DFL-Vorstand genehmigt werden muss, wird voraussichtlich die DFL, die für den Spielbetrieb in den beiden deutschen Profiligen zuständig ist, künftig rund 500.000 Euro plus Reisekosten mehr kosten. Ob die Kosten, pro Spiel 1534 Euro plus Reisespesen, auf die Klubs umgewälzt oder teilweise vom DFB übernommen werden, soll noch geklärt werden.
Fifa-Präsident Joseph Blatter hatte bereits am Dienstag DFB und DFL die Einführung des vierten Referees ans Herz gelegt und zudem vorgeschlagen, auch auf technische Hilfsmittel zurückzugreifen: "Der Test in Frankreich mit Funkverbindungen zwischen den drei Schiedsrichtern könnte ein Weg sein."
Mayer-Vorfelder hatte noch am Montag nach einem Gespräch mit Schiri-Obmann Volker Roth (Salzgitter) den Zustand im deutschen Fußball als "unerträglich" bezeichnet und "ein Ende der Hetzjagd" auf die Referees, vor allem auch im Fernsehen, gefordert.
Im Vorfeld es Gipfeltreffens hatten sich bereits prominente Bundesliga-Vertreter, allen voran Franz Beckenbauer und DFB-Teamchef Rudi Völler sowie die Manager Uli Hoeneß (Bayern München) und Reiner Calmund (Bayer Leverkusen) für die Einführung des vierten Schiedsrichters ausgesprochen. "Er ist für den Mann an der Linie, der sich schon genug auf seine eigentlichen Aufgaben konzentrieren muss und es ohnehin schon schwer genug hat, eine große Hilfe", sagte Völler.
Am "runden Tisch" in der Gelsenkirchener Galerie für Architektur und Arbeit am Mittwoch saßen neben den Vereinsmanagern Rudi Assauer (Schalke 04), Michael Meier (Borussia Dortmund), Dieter Hoeneß (Hertha BSC Berlin), Reiner Calmund (Bayer Leverkusen) und Dieter Hoeneß (Hertha BSC Berlin), Trainer Hans Meyer (Borussia Mönchengladbach) sowie die Fifa-Schiedsrichter Dr. Merk (Kaiserslautern) und Herbert Fandel (Kyllburg).
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