Mayer-Vorfelder hält erstmals Ansprache: Völler holt Rummenigge zurück
zuletzt aktualisiert: 05.11.2001 - 16:26München (rpo). Karl-Heinz Rummenigge rückt auf speziellen Wunsch von Teamchef Rudi Völler bei den beiden "WM-Endspielen" gegen die Ukraine noch einmal dichter an die Nationalmannschaft heran. Der Bayern-Vize übernimmt die Funktion des für die Zukunft geforderten hauptamtlichen sportlichen Auswahl-Managers.
Die entscheidenden Worte will allerdings Gerhard Mayer-Vorfelder sprechen. Erstmals in seiner Amtszeit als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird der 68-Jährige vor dem Hinspiel am Samstag (18.00 Uhr MEZ) in Kiew eine deutliche Ansprache an die Mannschaft richten.
"Man kann nicht pausenlos an eine Mannschaft hinreden. Das sollte man höchstens zwei Mal im Jahr machen. Seit ich Präsident bin, habe ich noch nie etwas zur Mannschaft gesagt. Diesmal werde ich es tun", kündigte Mayer-Vorfelder am Montag in Hamburg am Rande des 65. Geburtstags von DFB-Ehrenspielführer Uwe Seeler an. Ein Appell an die Ehre soll im Mittelpunkt der Rede stehen: "Die Spiele gegen die Ukraine werden mit dem Herzen entschieden", betonte "MV".
"Rudi hat mich gebeten, dabei zu sein. Ich habe mit Rudi ein erstklassiges, loyales Verhältnis. Es geht in den beiden Spielen um einen ganz wichtigen Schritt des deutschen Fußballs. Da ist jeder Prozentpunkt wichtig. Alle, angefangen bei den Spielern bis zu denen, die im professionellen Fußball zu tun haben, müssen ihr Scherflein dazu beitragen, dass die volle Unterstützung der Nationalmannschaft gegeben ist", sagte Rummenigge am Montag der dpa. Neben ihm wird auch Reiner Calmund als Mitglied des Bundesliga-Ausschusses Nationalmannschaft das Team zum Hinspiel in Kiew direkt begleiten.
Der Ruf nach einem sportlichen Nationalteam-Manager stößt bei Mayer-Vorfelder eher auf Ablehnung. "Meiner Meinung nach ist das nicht erforderlich", sagte der DFB-Präsident, dessen Einfluss dadurch beschnitten werden könnte. Allerdings will er die Thematik "in aller Offenheit" mit Teamchef Völler erörtern, kündigte der Verbandschef an: "Es ist für mich kein Tabuthema."
Auch Hieronymus für Bayern-Vorschlag
Rummenigge meint, dass ein Auswahltrainer in der heutigen Zeit neben dem im "organisatorischen und administrativen Bereich erstklassig arbeitenden" DFB-Direktor Bernd Pfaff im sportlichen Bereich Unterstützung brauche: "Ich sage nur Öffentlichkeitsarbeit sowie Verbindung zum DFB, zur Liga und zu den Vereinen. Uli Hoeneß, Reiner Calmund und ich sehen das so. Ich denke, dass dies auch Rudi Völler schätzen würde - aber entscheidend ist Mayer-Vorfelder", erläuterte Rummenigge.
Während Liga-Präsident Werner Hackmann "die Notwendigkeit für einen hauptamtlichen Manager" wie Mayer-Vorfelder nicht so sehr sieht, votiert HSV-Sportdirektor Holger Hieronymus ebenfalls für den Vorschlag aus München. Ein Manager könnte einen "Entlastungseffekt" bringen: "Im Moment ruht die ganze Öffentlichkeitsarbeit auf den Schultern von Rudi Völler."
Gemeinsam mit den von Völler nominierten 22 Nationalspielern wird Rummenigge, der nach dem Debakel bei der Europameisterschaft 2002 als Chef der inzwischen vom Ausschuss Nationalmannschaft abgelösten Task Force maßgeblich den Neubeginn unter Völler mitgestaltet hatte, am Dienstag ins Quartier nach Neu-Isenburg anreisen. Der ehemalige DFB- Kapitän will sich aber nicht in sportliche Belange einmischen. "Es gibt genug Gurus, die Rudi regelmäßig einflüstern wollen, wen er aufzustellen und wegzulassen hat. Das ist kontraproduktiv."
Lieber will Rummenigge aktiv zu einem Stimmungsumschwung beitragen und den nach dem 1:5 gegen England und dem 0:0 gegen Finnland hart kritisierten Spielen Selbstvertrauen einimpfen. "Ich bin überzeugt, dass wir am 14. November in Dortmund Deutschland bei der WM 2002 dabei haben. Ein Scheitern wird es nicht geben", so Rummenigge, der davor warnt, den Gegner zu stark zu reden: "Die Ukraine hat in Andrej Schewtschenko einen überragenden Spieler, die anderen zehn sind sehr, sehr durchschnittlich." Er glaubt an die deutschen Kicker: "Die elf Spieler, die in Kiew auf dem Platz stehen, werden sich zerreißen."
Nationalstürmer Carsten Jancker lebt diese Einstellung vor. Nach seiner Fußverletzung trainierte der 27-Jährige am Montag sogar bei den Amateuren des FC Bayern mit, da die Profis zwei Tage erhalten haben. Amateur-Trainer Hermann Gerland will den Rekonvaleszenten für Völler fit machen: "Am Dienstag werden wir noch Stürmer-spezifische Übungen wie Torschusstraining mit Carsten machen", so Gerland.
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