Ehemaliger Bayern-Trainer gibt dem Privatleben den Vorzug: Völler-Nachfolge: Hitzfeld sagt ab
zuletzt aktualisiert: 01.07.2004 - 19:21Düsseldorf (rpo). Der Wunschkandidat hat überraschend abgesagt: Ottmar Hitzfeld wird nicht Nachfolger des zurückgetretenen DFB-Teamchefs Rudi Völler. Hitzfeld erklärte seine Absage mit gesundheitlichen und privaten Gründen.
Der deutsche Fußball steht damit zwei Jahre vor der WM im eigenen Land vor einem Scherbenhaufen. Vor allem DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder könnte durch die Entscheidung bei einer außerordentlichen Präsidiumssitzung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am kommenden Montag noch stärker unter Druck geraten. Er habe für diesen Fall keinen Plan B, sagte er in einem Gespräch (siehe im "Mehr zum Thema-Kasten": "Hitzfeld-Verzicht: Mayer-Vorfelder im Gespräch"). "Ich bedauere die Entscheidung von Ottmar Hitzfeld, aber ich habe sie zu respektieren. Über die neue Situation und die Namen möglicher Kandidaten für das Bundestrainer-Amt wird im DFB-Präsidium am Montag zu beraten sein", sagte Mayer-Vorfelder zur Absage von Hitzfeld.
Hitzfeld hatte Mayer-Vorfelder bereits am Dienstagnachmittag von seinem Entschluss informiert, den ihm angebotenen Vertrag bis 2008 nicht anzunehmen. Danach, sagte der 55-Jährige der Stuttgarter Zeitung, habe der DFB-Präsident versucht ihn umzustimmen, "genauso wie das Bayern-Trio Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge". Trotz einer "Einigkeit in allen wesentlichen Punkten" (Hitzfeld), habe auch ein weiteres Gespräch mit "MV" ihn aber nicht mehr von der Absage abbringen können. "Es ist einfach so, dass der Zeitpunkt des Angebots falsch war. Hätte mich Mayer-Vorfelder in einem Jahr gefragt, wäre ich wohl bereit gewesen."
"Entscheidung für meine Familie"
Für seinen Entschluss führte Hitzfeld persönliche Gründe an. Es sei "in erster Linie eine Entscheidung für meine Familie" und eine "Entscheidung der Seele" gewesen. Er sei körperlich ausgelaugt und wolle nun "tatsächlich ein Jahr Pause machen". Zuvor hatte der ehemalige Erfolgstrainer von Bayern München und Borussia Dortmund mitgeteilt, das Amt des Bundestrainers sei "eine Auszeichnung", die WM im eigenen Land "ein Traum": "Aber ich bin derzeit nicht in der Verfassung, die nötig ist, der deutschen Nationalmannschaft bis zur WM 2006 weiterzuhelfen." Mit den Machtspielen im Verband habe sein Entschluss aber definitiv nichts zu tun, auch Geld habe "keine Rolle" gespielt, ließ er wissen.
Bei der Suche nach einer Alternative zu Hitzfeld will sich Mayer-Vorfelder nicht unter Druck setzen lassen, räumte aber auch ein: "Die Trainerfrage muss so schnell wie möglich geklärt werden." Franz Beckenbauer hatte schon erklärt, dass es "genug Alternativen" gebe. Der Präsident des WM-OK 2006 nannte dabei die Namen Lothar Matthäus, Otto Rehhagel, Guus Hiddink und auch Christoph Daum. Der Meister-Trainer von Fenerbahce Istanbul hatte aber erklärt, er stehe nicht bereit. Zudem wird er nach seiner Kokain-Affäre vor allem von der Liga abgelehnt. Auch Rehhagel verzichtet. Matthäus sagte, dass er in Ungarn eine reizvolle Aufgabe habe, und ergänzte: "Ich will mich nicht an Spekulationen beteiligen".
Die Alternative, erstmals einen ausländischen Fußball-Lehrer zu verpflichten, wollte Mayer-Vorfelder nicht ausschließen. "Ich werde die Grundfrage der Trainerprofile ansprechen und werde die Präsidiumsmitglieder in die Verantwortung nehmen. Sollten wir über einen ausländischen Trainer nachdenken, dann müsste er meiner Meinung nach deutsch sprechen." Diese Anforderung erfüllen etwa Hiddink (PSV Eindhoven), Arsene Wenger (FC Arsenal), Dick Advocaat (noch niederländischer Bondscoach) oder - mit Abstrichen - Giovanni Trapattoni (zuletzt italienischer Nationaltrainer).
Doppellösung nicht ausgeschlossen
Nicht ausgeschlossen erscheint auch eine vorübergehende Doppellösung: Erfolgreiche Trainer aus der Bundesliga wie Felix Magath, Thomas Schaaf oder Jupp Heynckes würden ihren Verein und die Nationalmannschaft dann in Personalunion trainieren. Magath, der auf die Absage Hitzfeld mit großem Bedauern reagierte ("Jetzt hat man ein Problem"), hält eine derartige Lösung allerdings für nicht praktikabel: "Das kann man nicht so nebenbei machen."
Bremens Sportdirektor Klaus Allofs mutmaßte deshalb bereits, "dass es schwierig wird, jemanden zu finden, der die Erwartungen erfüllen kann." Dortmunds Manager Michael Meier ging deshalb sogar soweit, dass der DFB daran arbeiten müsse, "die Ideallösung" Hitzfeld doch noch umzustimmen. "Denn der DFB, die Bundesliga, praktisch der gesamte deutsche Fußball ist für Hitzfeld als Völler-Nachfolger. Es macht jetzt keinen Sinn, in der Öffentlichkeit andere Namen zu diskutieren. Hitzfeld hat dem Fußball viel zu verdanken, und er steht in der Pflicht, dem deutschen Fußball etwas zurückzugeben", erklärte Meier.
Angeblich ist Hitzfeld ab 2005 bei Manchester United als Nachfolger von Alex Ferguson im Gespräch. Es gibt sogar Gerüchte, dass der Ex-Bayern-Coach schon einen Vorvertrag bei den Engländern unterschrieben hat. "Man kann davon ausgehen, dass ich in den nächsten Monaten keinen Verein übernehme", sagte er der StZ. "Ich brauche eine längere Pause."
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