Ersatzspieler in wichtigen Rollen / Hargreaves und Rosicky wollen mehr: Von der Nebenrolle zum Hauptdarsteller
zuletzt aktualisiert: 18.06.2004 - 10:09Lissabon (rpo). In ihren Bundesliga-Vereinen spielen meist nicht mehr als eine Nebenrolle - doch in den Nationalmannschaften ihres Landes sind sie nicht selten Hauptdarsteller. An Akteuren wie Tomas Rosicky, Owen Hargreaves, Hakan Yakin, Angelos Charisteas und Teddy Lucic wird deutlich, dass mit zweierlei Maß gemessen wird.
Vor allem der Schweizer Coach Jakob "Köbi" Kuhn vertraut auf die deutsche Wertarbeit. Der Coach hat in Torwart Jörg Stiel (noch Borussia Mönchengladbach), Bruno Berner (SC Freiburg), Luduvic Magnin (Werder Bremen), Raphael Wicky (Hamburger SV) und Yakin (VfB Stuttgart) gleich fünf Spieler in seinem Kader, die in ihren Klubs als Wackelkandidaten gelten. Spielmacher Yakin, der zu Beginn des Jahres für eine Ablösesumme von 2,5 Millionen Euro vom Schweizer Meister FC Basel zu den Schwaben wechselte, ist sogar der unumstrittene Star der Eidgenossen.
"Derzeit ist er bei uns nicht gleichwertig und mit der gleichen Effizienz zu ersetzen", sagte Kuhn und ist voll des Lobes über den 27-Jährigen: "Ein solch offensiver, kreativer und torgefährlicher Mittelfeld-Regisseur hat uns lange gefehlt." Sein ehemaliger Vereinstrainer Felix Magath sah dies allerdings anders und wechselte den Schweizer, der in der Champions League 2002/03 maßgeblich an den sensationellen Erfolgen Basels beteiligt war, zumeist ein oder aus.
Hargreaves will nach England
Von derartigen Wechselspielen war auch Hargreaves betroffen, der bei Rekordmeister Bayern München unter Ex-Coach Ottmar Hitzfeld zuletzt nicht mehr über die Rolle des Ergänzungsspielers hinauskam und deshalb die Bayern in Richtung England verlassen will. "Meine Zukunft liegt fraglos in der Premier League. Ich habe zwar einen Vertrag bis 2006 in München, aber im Fußball kann sich vieles schnell ändern. Ich bin kein Deutscher und will deshalb auch nicht für den Rest meiner Karriere in Deutschland spielen", erklärte der 23-Jährige.
Als Grund für seine Weschselabsichten gibt Hargreaves an, dass er sich in England besser für Einsätze in der Nationalmannschaft empfehlen könne. "Man hat einfach eine bessere Chance, wenn man sich jede Woche in der Premier League zeigen kann", sagte der Mittelfeldspieler, den es zu einem englischen Topklub zieht: "Ich habe mit den Bayern einige Titel gewonnen, und ich will diese erfolgreiche Zeit fortsetzen."
Rosicky ist unzufrieden
Wie Hargreaves steht auch der Tscheche Tomas Rosicky, der bei Borussia Dortmund unter Ex-Trainer Matthias Sammer gegen Ende der vergangenen Saison einen schweren Stand hatte und im entscheidenden Spiel um den Einzug in den Uefa-Cup beim 1. FC Kaiserslautern bis kurz vor Schluss auf der Ersatzbank saß, vor dem Absprung. "Der BVB muss verstehen, dass ich momentan nicht zufrieden sein kann. Ich brauche neue Impulse für meine Entwicklung, denn dass war die schlechteste Klubsaison meiner Karriere", sagte Rosicky, der als einer von insgesamt 50 Bundesliga-Profis nach Portugal gereist ist und sich bei der EM für andere Klubs empfehlen will.
Wie wichtig die Bundesliga-"Bankdrücker" für ihre Nationalteams sein können, zeigt auch das Beispiel des Bremers Angelos Charisteas, der unter Coach Thomas Schaaf nicht über die Joker-Rolle hinaus kam, im System von Trainer Otto Rehhagel aber eine entscheidende Rolle spielt. Gegen Spanien schoss er das wichtige 1:1. Dass es allerdings auch umgekehrt laufen kann, muss der derzeit ausgerechnet der Spieler erkennen, der Charisteas in Bremen den Rang abgelaufen hat.
Klasnic: "Könnte in Urlaub fahren"
Der Kroate Ivan Klasnic, für den in der abgelaufenen Saison 13 Treffer und 11 Vorlagen zu Buche stehen, saß beim torlosen Remis seines Teams zum EM-Auftakt gegen die Schweiz und auch gegen Titelverteidiger Frankreich 90 Minuten auf der Bank und kritisierte nach dem 2:2 gegen die "Equipe tricolore" Coach Otto Baric. "Ich könnte eigentlich in Urlaub fahren. Ich weiß nicht, was los ist, aber der Trainer spricht nicht mit mehr."
Einen höheren Stellenwert als Klasnic genießt Niko Kovac bei Baric. Obwohl der 32-Jährige in der vergangenen Spielzeit bei Hertha BSC Berlin ausgemustert wurde und in der Rückrunde nur noch 32 Minuten im Dress des Hauptstadtklubs auf dem Platz stand, vertraut der mit 71 Jahren älteste Coach des Turniers auf seinen Routinier.
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