Bahrains unverhüllter Traum vom Frauenfußball: Vorreiter am arabischen Golf (Situationsbericht)
zuletzt aktualisiert: 18.01.2002 - 13:04Manama (rpo). Die beiden Schwestern Maria und Mariana treten wie selbstverständlich beim Wochenend-Ausflug in Bahrains Hauptstadt Manama zusammen mit den Jungen gegen den Lederball. "Das Leben ist anders geworden und irgendwann wird es richtige Fußballteams für Mädchen geben. Inschallah, so Gott will", sagt die acht Jahre alte Mariana. Frauenfußball ist auch in den muslimisch geprägten Ländern in den Golf-Anrainerstaaten auf dem Vormarsch. Bahrain könnte bei der Emanzipierung und Liberalisierung verkrusteter Traditionen eine Vorreiterrolle spielen.
Denn Marianas Traum vom organisierten Frauenfußball soll in dem westlich ausgerichteten Land, in dem der Deutsche Wolfgang Sidka die Nationalmannschaft der Männer trainiert, schon bald Realität werden. "Wir haben bereits mit großer Resonanz ein Testturnier an Schulen veranstaltet. Von den Mädchen waren über die Hälfte Bahraini und nicht Engländerinnen oder Amerikanerinnen. Das stimmt zuversichtlich", erklärt Fawaz Mohamed Al Khalifa, Präsident des Ministeriums für Jugend und Sport (GOYS).
Für Fawaz ist Frauenfußball im eigenen Land ein "brandaktuelles Thema". Konkrete Pläne hat der GOYS-Chef bereits ausgearbeitet. "Wir haben angefangen, den Lehrerinnen das Fußballspielen beizubringen, damit sie es unterrichten können. Wir werden ganz klein an der Basis beginnen. Aber noch in diesem Jahr wird es das erste offizielle Schul-Fußballturnier für Mädchen geben", sagt Fawaz. Acht Schulen haben sich bereits zur Teilnahme gemeldet.
Auf den öffentlichen Plätzen und in den Parkanlagen von Manama ist der Fußball längst zum Volkssport geworden - auch für Mädchen. Wenn abends die Autos die Parkplätze an der Prachtstraße El Fatih Corniche räumen, tollen die Mädchen in Jeans und T-Shirt gekleidet auf den spontan umfunktionierten Fußballfeldern. Die Lichter des Highways reichen zur Beleuchtung. Gleich dahinter, nur getrennt von einem Rundkurs, auf dem ein Kamel Touristen im Kreis spazieren trägt, befindet sich die größte Moschee des Landes. Es scheint, als würde der Ball nur zu den Gebetszeiten ruhen.
Den größten Fürsprecher für eine staatliche Förderung des Frauenfußballs finden die Mädchen möglicherweise beim Emir, Scheich Hamad bin Isa Al Khalifa, höchstpersönlich. Zuletzt engagierte der Staatspräsident sogar den deutschen Trainer Uli Maslo für ein Privattraining seiner Tochter: "Der Emir hatte mich gebeten, seiner Tochter und ihren Freundinnen privaten Unterricht zu geben", erzählt Maslo, der im November zum dritten Mal das Traineramt beim Klub Al Riffa angenommen hatte. "Da kam dann tatsächlich eine helle Mädchenschar jubelnd in Limousinen vorgefahren, und ich habe ihnen eine Trainingsstunde erteilt. Ich habe selten so glückliche Menschen gesehen."
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