Fußball-Wettskandal um Pate Ante Sapina: Weitere Anklagen gegen Spieler geplant
zuletzt aktualisiert: 10.02.2012 - 11:55Bochum (RPO). Der erste Prozess ist nach knapp anderthalb Jahren endlich eingestellt, die Drahtzieher um den Wettpaten Ante Sapina haben Revision beantragt, und die nächsten Angeklagten sollen im März vor Gericht: Der Fußball-Wettskandal ist auch neun Monate nach den ersten Urteilen noch längst nicht zu den Akten gelegt. "Gegen die Haupttäter sind die Verhandlungen gelaufen. Jetzt geht es darum, auch die Randbereiche aufzuarbeiten", sagte der Bochumer Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek dem SID.
Acht von zehn Angeklagten, die 2008 und 2009 Spiele in ganz Europa manipuliert haben sollen, waren in den ersten beiden Prozessen vor dem Bochumer Landgericht verurteilt worden. Ante Sapina und sein Kompagnon Marijo C., die Köpfe der Wettmafia, erhielten mit fünfeinhalb Jahren Haft die höchsten Strafen. Zwei Mittäter kamen mit Bewährungsstrafen davon. Gegen die übrigen beiden wurden die Verfahren eingestellt, zuletzt gegen den ehemaligen Amateurfußballer Kristian S., der 13 Monate in Untersuchungshaft gesessen hatte, wegen "geringer Schuld".
Sieben der Verurteilten haben Revision eingelegt, darunter auch Ante Sapina und Marijo C., die unter anderem die Bestechung von Fifa-Schiedsrichtern zugegeben hatten. Die Bochumer Staatsanwaltschaft will in drei Fällen vor dem Bundesgerichtshof eine höhere Strafe erwirken. Gegen fünf weitere Mittäter, sogenannte "Läufer", wurde inzwischen Anklage erhoben, der Prozess soll im März beginnen.
Ein Ende der juristischen Aufarbeitung des größten Fußball-Manipulationsskandals in Europa ist damit aber noch nicht in Sicht. "Es laufen noch Verfahren gegen rund 200 Personen", sagte Bienioßek, darunter auch gegen bestochene Spieler. Bislang ist lediglich der ehemalige Osnabrücker Zweitliga-Profi Marcel Schuon per Strafbefehl zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.
"Es sind weitere Anklagen gegen Spieler geplant", bestätigte Bienioßek. Der prominenteste Beschuldigte ist der frühere Bundesliga-Spieler Thomas Cichon, der im Prozess von den Wettpaten schwer belastet worden war. Der 35-Jährige, der 132 Bundesliga-Spiele für den 1. FC Köln absolvierte und zuletzt in Südafrika spielte, ist auch vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) noch nicht bestraft worden. Das DFB-Sportgericht hat inzwischen 13 Spieler verurteilt, die längsten Sperren wurden gegen Schuon und den ehemaligen Verler Patrick Neumann mit jeweils zwei Jahren und neun Monaten verhängt.
An die bestochenen Fifa-Schiedsrichter und den ehemaligen UEFA-Funktionär Jozef Marko, der laut Sapina an den Manipulationsabsprachen beteiligt war, kommt die deutsche Justiz zunächst nicht heran. "Das hängt davon ab, wie es im Ausland verfolgt wird", sagte Bienioßek.
Ähnliches gilt für den Londoner Buchmacher, über den Ante Sapina und Marijo C. die meisten ihrer Wetten auf manipulierte Spiele in Asien platzierten. Er soll nach deren Darstellung von den Manipulationen gewusst haben. "Da haben wir noch keine Entscheidung getroffen", sagte Bienioßek. Die britischen Behörden müssten Rechtshilfe leisten.
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