Feier, Abschied und etwas Wahlkampf: Weltmeister Brasilien empfängt Paraguay
zuletzt aktualisiert: 20.08.2002 - 11:30Rio de Janeiro (rpo). Knapp zwei Monate nach dem WM-Triumph kehrt für Weltmeister Brasilien wieder Normalität ein. Die "Selecao" trifft im ersten Länderspiel nach dem Titelgewinn am Mittwoch (21.00 MESZ) in Fortaleza auf Paraguay.
Dabei soll in erster Linie der Titel gefeiert werden. Zum Abschied des amtsmüden Trainers Luiz Felipe Scolari tritt die "Selecao" fast mit dem gesamten WM-Kader an. Der Leverkusener Lucio sowie Juninho Paulista und Roque Junior mussten wegen Verletzung absagen.
"Sportlich gesehen hat das Spiel überhaupt keinen Wert, deshalb will ich die Spieler schonen, damit die Vereine hinterher keinen Grund zur Klage haben", spielt Scolari die Bedeutung der Partie herunter. Anders sieht es Roberto Carlos. "Es wird vollen Einsatz geben wie damals in Yokohama. Wir wollen schön spielen und gewinnen. Wer die Fans in Brasilien kennt, weiß, dass wir uns keinen einzigen Fehlpass leisten dürfen", meint der Außenläufer von Real Madrid. Außerdem werde nun jedes Team den Weltmeister schlagen wollen.
Die Weltmeister, von denen die meisten in Europa spielen, wurden daheim wie Helden empfangen. Junge Mädchen wurden hysterisch, und die Männer schrieen um Autogramme. "Nach der WM werden wir nicht nur hier, sondern auch in Europa mehr bewundert", hat Innenverteidiger Edmilson von Olympique Lyon erkannt. Einzig WM-Torschützenkönig Ronaldo ist nicht froh. Er will weg von Inter Mailand, wo er sich mit dem argentinischen Coach Hector Cuper nicht versteht.
Paraguay ohne Santa Cruz
Paraguay will sich derweil nicht mit der Statistenrolle abfinden. Das Team tritt zwar ohne ihre vier bekanntesten Stars auf. Roque Santa Cruz vom FC Bayern München und der umstrittene Tormann José Luis Chilavert sind verletzt, Carlos Gamarra und Francisco Arce wollten einfach nicht. "Dennoch denken wir, dass wir gewinnen können", meint Abwehrmann Celso Ayala, der sich "noch heute über die knappe Niederlage gegen die Deutschen" im WM-Achtelfinale ärgert.
Das Spiel ist aber nicht nur Titel-Feier und Abschied. Es findet nach Medien-Mutmaßung deshalb im entlegenen Fortaleza statt, weil der CBF-Verband dem aus der Region stammenden Präsidentschaftskandidaten Ciro Gomes vor den Oktober-Wahlen den Rücken stärken will. CBF-Chef Ricardo Teixeira müsse im Falle eines Wahlsieges seines Freundes Gomes keine Untersuchung der von einem Parlamentsausschuss vor Monaten angezeigten Unregelmäßigkeiten im Verband fürchten, heißt es.
Den Spielern sind diese Spekulationen egal. "Wir wollen für Papa Scolari gewinnen", sagt Edmilson. Der Coach, der vor der WM von ganz Brasilien beschimpft worden war und heute noch vor Ronaldo Volksidol Nummer eins ist, nahm aus "familiären Gründen" seinen Hut. Sein Ziel ist nun Europa. "Aber vielleicht bin ich 2006 wieder da."
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