Kandidat Zwanziger mit "voller Unterstützung": Wird "MV" beim DFB-Bundestag gestürzt?
zuletzt aktualisiert: 02.07.2004 - 11:16München/Lissabon (rpo). Der Stuhl von Gerhard Mayer-Vorfelder wackelt. Wie jetzt bekannt wurde, plant die Basis beim Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes am 23. Oktober in Osnabrück den Sturz des DFB-Präsidenten. Die Landesverbände haben sich scheinbar auch schon auf einen Wunschkandidaten geeinigt.
Die Front gegen "MV" wird immer breiter, seine Wiederwahl immer fraglicher. Nach DFB-Vizepräsident Engelbert Nelle hat nun auch Heinrich Schmidhuber, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV), "MV" die Gefolgschaft verweigert und in DFB-Schatzmeister Theo Zwanziger den Wunschkandidaten der Landesverbände für die Nachfolge genannt.
"Mayer-Vorfelder gerät immer mehr in Bedrängnis, die Lage spitzt sich zu. Ich gehe davon aus, dass Theo Zwanziger kandidieren wird, wenn er die Unterstützung der Basis hat. Und so wie mein aktueller Kenntnisstand nach vielen Gesprächen mit meinen Kollegen ist, hat er die volle Unterstützung der Landesverbände", sagte Schmidhuber, Präsident des mit rund 1,35 Millionen Mitgliedern größten Landesverbandes.
Das Präsidium des DFB trifft sich am Montag, dem 5. Juli, ab 17.30 Uhr zu einer außerordentlichen Sitzung in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main. Anschließend findet voraussichtlich eine Pressekonferenz statt.
Schon bei der DFB-Präsidiumssitzung am Montag in Frankfurt erwartet Schmidhuber, "dass es zwar um die Absage von Ottmar Hitzfeld geht, aber dass vor allem auch die Frage Mayer-Vorfelder aufgrund der Ereignisse zur Sprache kommen wird". Schmidhuber, als Leiter der Revisorenstelle auch oberster Kassenprüfer beim DFB, hält vor allem den Stil der Amtsführung von "MV", der seit 28. April 2001 die Geschicke des DFB lenkt, für "nicht tragbar". Die Vorwürfe des BFV-Präsidenten: "Er nabelt sich ab, unternimmt Alleingänge und ist selbstherrlich." Zwanziger dagegen habe er als ausgezeichneten Mann schätzen gelernt, "der auch für die Basis da ist".
Am Tag zuvor hatte bereits Engelbert Nelle, erster Stellvertreter von Mayer-Vorfelder, den Präsidenten angezählt und ebenfalls den 59 Jahre alten Zwanziger als Gegenkandidaten ins Spiel gebracht. Auch DFB-"Vize" Nelle, im Verband das Sprachrohr der mächtigen fünf Regional- und 21 Landesverbände, sieht derzeit für "MV" keinen Rückhalt mehr im Verband: "Im Augenblick ist seine Position sehr erschüttert." Zwanziger selbst hielt sich in den letzten Tagen bedeckt.
Mayer-Vorfelder will trotz des Widerstands von allen Seiten - auch Liga-Präsident Werner Hackmann zählt zu den "MV"-Gegnern - am 23. Oktober für eine zweite Amtszeit kandidieren: "Ich weiß nicht, warum ich das nicht tun sollte. Ich habe mir nichts vorzuwerfen." Schmidhuber hofft allerdings darauf, dass Mayer-Vorfelder vielleicht doch noch einlenkt, "wenn er sieht, dass es einen ernsthaften Gegenkandidaten gibt und der die Unterstützung der Basis hat".
Zum DFB-Bundestag werden 255 Delegierte entsandt: Zwei Drittel davon sind Vertreter der Landesverbände.
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