Fifa-Präsident Blatter will nur Profis zulassen: WM 2014 ohne deutsche Schiris?
zuletzt aktualisiert: 06.12.2011 - 12:28Frankfurt/Main (RPO). Machtwort von Joseph S. Blatter: Der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa fordert nach den jüngsten Affären vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Einführung von Profi-Schiedsrichtern. Sollte der DFB dieser Maßgabe nicht schnellstens nachkommen, wird Deutschland laut Blatter bei der WM 2014 in Brasilien keinen Referee stellen.
"Wir werden von der FIFA aus für die WM 2014 nur noch Schiedsrichter nehmen, die Profis sind. Es kann nicht sein, dass Schiedsrichter einen Tag nach dem Spiel wieder an ihren Schreibtisch müssen. Sie brauchen Sicherheit, feste Profi-Verträge. Außerdem werden sie so von den Fans und Spielern auch mehr respektiert", sagte der 75-Jährige im Bild-Interview.
Fälle wie der Selbstmordversuch von Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati könnten laut Blatter überhaupt erst entstehen, weil die Referees in Deutschland weiterhin Amateure sind. "Ja, die Schiedsrichter haben einen viel zu hohen Druck. Warum? Weil es noch Verbände gibt, wie auch in Deutschland, wo die Schiedsrichter keine Profis sind. Wenn du zwei, drei Fehler machst, wirst du nicht mehr aufgestellt. Du wirst pro Spiel bezahlt. Da geht es auch um Existenzängste. Das ist ein Problem, das man in Deutschland anpacken muss. Die Italiener, Franzosen, Engländer - sie alle machen es richtig", sagte Blatter.
Überraschend sprach sich der Schweizer auch für die Einführung technischer Hilfsmittel aus. "Mindestens eines dieser Hilfsmittel muss man jetzt zulassen - und das ist die Torkamera. Es gibt inzwischen Systeme, die Genauigkeit, Schnelligkeit und das Unkomplizierte vereinen. Wir sind so weit, um diese Technik zu nutzen. Das IFAB (International Football Association Board, d. Red.) wird im März 2012 in London über das Hilfsmittel abstimmen. Wenn die finale Entscheidung getroffen wird, kann es ab der Saison 2012/13 eingesetzt werden", sagte Blatter.
Lob von Rummenigge
Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hat verwundert, aber grundsätzlich positiv auf die von Blatter vorgeschlagenen Änderungen im Weltfußball reagiert. "Ich wundere mich, dass Sepp Blatter in seinem Alter noch Revolutionen anzettelt. Vielleicht muss man alt werden, um weise zu sein und Dinge zu tun, die dem Fußball helfen", sagte Rummenigge.
"Die Torkamera ist längst überfällig, damit können man viele Diskussionen beenden. Ich bezweifle allerdings, dass die Schiedsrichter besser werden, wenn man sie höher bezahlt", sagt Rummenigge. "Es gibt ein Alterslimit von 45 Jahren. Sie müssen ja nach ihrer Karriere auch noch etwas anderes machen können."
Kritik von Fandel
Schiedsrichter-Obmann Herbert Fandel hat Blatter indes für dessen Forderung nach der Einführung von Profi-Referees in Deutschland kritisiert. "Der Profi-Schiedsrichter ist nicht das Allheilmittel. Es geht viel mehr darum, optimale Rahmenbedingungen für die Schiedsrichter zu schaffen. Und dabei ist es wichtig, dass die Schiedsrichter ihr zweites Standbein aufrechterhalten", sagte Fandel am Dienstag dem Sport-Informations-Dienst (SID).
Nach Fandels Meinung sei der Druck für die Referees "viel größer", wenn sie keinen Beruf hätten. "Schließlich wäre ihre Existenz bedroht, wenn sie sich verletzen oder sportlich aus dem Bereich der Profi-Referees ausscheiden müssen. Zudem hat man auch beispielsweise im Finale der WM 2010 in Südafrika gesehen, dass ein Profi-Schiedsrichter nicht gleichbedeutend mit einer perfekten Spielleitung ist", sagte Fandel. Der Engländer Howard Webb war nach dem WM-Finale zwischen Spanien und den Niederlanden (1:0 n.V.) harsch kritisiert worden.
Fandel meinte, man müsse zunächst überlegen, wie man die Qualität der Schiedsrichter-Leistungen steigern könne. "Ich denke, das ganze Thema muss sehr genau durchdacht sein", sagte Fandel.
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