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Essam El-Hadary endlich am Ziel
Ägyptens Tor-Opa erfüllt sich seinen WM-Traum

Ägyptens Tor-Opa Essam El-Hadary erfüllt sich seinen WM-Traum
Essam El-Hadary stieg nach der geschafften Quali auf die Torlatte. FOTO: ap, NM
Kairo/Köln. Essam El-Hadary hatte seine Karriere im Nationalteam eigentlich beendet. Jetzt fährt der Torhüter mit Ägypten zur WM nach Russland - mit dann 45 Jahren.

Essam El-Hadary kletterte auf einen Lautsprecher vor der Fankurve und ließ sich von 85.000 tobenden Zuschauern feiern. In den Augen des Torwart-Methusalems standen Tränen, so wie damals, nach dem Drama gegen Algerien im November 2009. Diesmal aber weinte der Torhüter der ägyptischen Nationalmannschaft vor Freude: Im biblischen Fußball-Alter von 44 Jahren hat sich für den Schlussmann der WM-Traum doch noch erfüllt.

"Ich habe in meiner Karriere 37 Pokale gewonnen, hatte viele tolle Momente. Aber das hat mir noch gefehlt", sagte El-Hadary nach dem 2:1-Sieg gegen die Republik Kongo, der Ägyptens erste WM-Teilnahme seit 1990 sicherte. El-Hadary wird im Sommer 2018 stolze 45 Jahre alt sein. Sollte er zum Einsatz kommen, und davon ist auszugehen, löst er den Kolumbianer Faryd Mondragon als ältesten Spieler der WM-Geschichte ab. Der Ex-Kölner war bei der WM 2014 "nur" 43 Jahre und drei Tage alt.

Rücktritt 2013

Dabei hatte El-Hadary, Spitzname "hoher Damm", Anfang 2013 seine internationale Karriere für beendet erklärt. Seine Hoffnungen auf eine WM hatte er schon vier Jahre zuvor aufgegeben. Damals lag Ägypten nach der Qualifikation für die Endrunde in Südafrika punkt- und torgleich mit Algerien an der Tabellenspitze, laut Fifa-Regeln hätte das Los über das WM-Ticket entscheiden müssen. Stattdessen spielten beide Teams auf neutralem Platz gegeneinander. Algerien gewann, El-Hadary weinte.

Bilder: So feiert Ägypten die erfolgreiche WM-Qualifikation FOTO: rtr, GHA/DEG

Die Geschichte seines Comebacks ist ähnlich ungewöhnlich. Anfang 2017 fuhr er als dritter Torhüter mit Ägypten zum Afrika-Cup. Dann verletzten sich die Schlussmänner Nummer eins und zwei, und mit Rückkehrer El-Hadary zwischen den Pfosten zogen die Ägypter ins Finale ein. Seither ist El-Hadary, der einst beim FC Sion in der Schweiz spielte und derzeit bei Al-Taawoun in Saudi-Arabien kickt, die Nummer eins. Gegen Kongo absolvierte er sein 156. Länderspiel.

Fans feiern die ganze Nacht

In der Nacht nach dem Sieg war Ägypten im Ausnahmezustand. Hunderttausende Menschen liefen mit Trommeln und Glocken in einem Meer von rot-weiß-schwarzen Fahnen über die Straßen von Kairo und feierten stundenlang ihre Stars. Gerade im Fußball hatte das Land zuletzt wenig zu feiern, nach den Stadion-Katastrophen in Port Said 2012 und Kairo 2015 mit insgesamt 93 Toten finden zahlreiche Ligaspiele noch immer ohne Zuschauer statt.

Die Fans feierten bis zum Morgen. "Ich bin 28 Jahre alt. Drei Monate, bevor sich Ägypten für die WM 1990 qualifiziert hatte, wurde ich geboren. Ich habe mir gewünscht, dass ich Ägypten bei einer WM spielen sehen kann, bevor ich sterbe", sagte der Fan Ahmed Abdel Wahed auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Der 55-jährige Hesham Hefny fügte hinzu: "Ich war 1990 bei der WM dabei, aber meine Freude ist jetzt so groß wie nie zuvor."

Essam El-Hadary ging es nicht anders.

(sid)
 
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