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Dreierpack sichert WM-Teilnahme
"Messi allmächtig"

Drei Tore zum Glück: Lionel Messi schießt Argentinien zur WM 2018
Quito/Düsseldorf. Argentinien feiert den dreifachen Torschützen, der das Land zur WM nach Russland schießt. Eine derartige Heldenverehrung hat Messi in seinem Land lange nicht mehr erlebt Von Robert Peters

Die Wegbegleiter des südamerikanischen Fußballs sind nicht gerade für ihre Zurückhaltung bekannt. Weder im Lob noch im Tadel. Aber als das große Argentinien durch ein 3:1 in Ecuadors Hauptstadt Quito doch noch den Sprung zur Weltmeisterschaft in Russland geschafft hatte, übertrafen sich Medien und Funktionäre in einem Feuerwerk sprachlicher Höchstleistungen.

Im Zentrum der Lobeshymnen stand Lionel Messi (30), der mit drei Toren und einem unwiderstehlichen Spiel die Begegnung entschied. "Er ist der beste Spieler der Geschichte", stellte Trainer Jorge Sampaoli fest. Die Zeitung "Clarin" pries den "übergroßen Messi". Das Sportblatt "Olé" schrieb: "Messi war allmächtig" und fand, dass sich in dieser Nacht etwas "auf der Höhe Gottes" ereignet habe. Ob damit nur das knapp 3000 Meter hoch gelegene Quito gemeint war oder der Auftritt des argentinischen Kapitäns, ließ "Olé" offen.

Eine derartige Heldenverehrung hat Messi in seinem Land lange nicht mehr erlebt, vielleicht noch nie. Denn seine Laufbahn in der Nationalmannschaft wird traditionell eher kritisch begleitet. Das liegt auch daran, dass Messi im Trikot der Argentinier oft nur wie der ein kleines bisschen weniger begabte Zwillingsbruder vom Messi im Trikot des FC Barcelona wirkt.

Als sein Stern im Klub am Ende des vergangenen Jahrzehnts so richtig zu strahlen begann, übersahen die Fußballfreunde in der Heimat gern mal, dass neben Messi bei Barcelona Strategen wie Xavi, Andres Iniesta und Busquets auf dem Rasen standen. Das Spiel der Mannschaft gelangte ein paar Jahre lang haarscharf an den Rand der Perfektion, das Team bewegte sich mit der Präzision einer Ballett-Truppe, die jeden Schritt einstudiert hat. Der Ball gehorchte jedem, und das Ziel des großen gemeinsamen Tanzes war immer wieder Messi. Die Kollegen brachten ihm das Spiel. Er wusste, wie die Aktionen weitergehen konnten, und er veredelte die Arbeit des Kollektivs mit Einzelaktionen, wie sie die Welt seit seinem Landsmann Diego Maradona nicht mehr gesehen hatte.

Genau das erwarteten die Fans in Argentinien vom Nationalspieler Messi. Aber dem fehlten in der wesentlich wuchtiger agierenden Auswahl seines Landes nicht nur die genialen Mitspieler, sondern auch das bis in die Tiefe der einzelnen Bewegungen eingeübte System. Messi konnte für Argentinien gar nicht so gut spielen wie für den FC Barcelona.

Weil er aber seinen Stil natürlich nicht umstellte, sondern weiter an den Außenlinien darauf wartete, dass ihm das Spiel herangetragen wird, sah er gelegentlich unbeteiligt aus. Das legten ihm seine Landsleute als Desinteresse aus - erst recht, wenn er nach der Rückkehr von Länderspielen in Barcelona wieder so richtig aufdrehte. Messi und Argentinien - das war lange ein Missverständnis auf außerordentlich hohem Niveau.

Darunter litt der in seiner Öffentlichkeitsarbeit stets sehr zurückhaltende Spieler mindestens ebenso wie die Fans. Und als es im vergangenen Jahr wieder mal eine Finalniederlage gab - nach Elfmeterschießen in der Südamerikameisterschaft gegen Chile - erklärte Messi frustriert seinen Rücktritt. Das fanden dann nicht einmal seine Kritiker gut. Sie stellten immerhin fest, dass Argentinien ohne Messi deutlich schwächer sei als Argentinien mit Messi. Als viele ihn regelrecht anflehten, kehrte der große Star zurück ins Nationalteam. Er sprach sogar darüber, ebenfalls nicht völlig ohne Pathos. "Ich komme zurück, weil ich mein Land und dieses Trikot so liebe", sagte er, "es gibt schon genug Probleme im argentinischen Fußball, ich will nicht für noch mehr sorgen."

Das allergrößte Problem des argentinischen Fußballs hat Messi gerade sozusagen im Alleingang beseitigt. Ein WM-Turnier hat Argentinien zuletzt 1970 verpasst, ein erneutes Scheitern wäre eine nationale Schande gewesen. Und ganz bestimmt hätte sich der Zorn von Medien und Fans vor allem gegen Messi gerichtet. Der 30-Jährige hat den Druck ausgehalten. Er unterstrich mit der Vorstellung in der Höhe von Quito die alte Weisheit, dass die großen Spieler die wichtigen Spiele entscheiden.

Die großen Spieler haben aber auch immer große Ziele. Da macht Messi keine Ausnahme. "Wir wollen versuchen, den Titel zu holen", erklärte er. So viel Mut muss sein.

Quelle: RP
 
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