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Klatschmohn-Symbol auf dem Trikot
England und Schottland widersetzen sich "Poppy"-Verbot der Fifa

England und Schottland widersetzen sich "Poppy"-Verbot der Fifa
In den Tagen um den "Remembrance Day" am 11. November erinnert der Klatschmohn an den Tag des Waffenstillstandes im Ersten Weltkrieg. FOTO: dpa, pp hm dok5
London. Engländer und Schotten sind sauer auf die Fifa. Der Fußball-Weltverband will Fußballspielern beider Länder das Tragen einer Armbinde mit Blumensymbol verbieten. Sogar Premierministerin May hat sich eingeschaltet.

Wenn es um den Klatschmohn geht, verstehen die Briten keinen Spaß. "Poppy" nennen die Engländer die kleine rote Blüte, die sie - ans Revers von Jacken und Pullovern geheftet - gerade stolz durch die Straßen Großbritanniens tragen. In den Tagen um den "Remembrance Day" am 11. November erinnert der Klatschmohn an den Tag des Waffenstillstandes im Ersten Weltkrieg. Er ist ein Symbol der Solidarität mit Soldaten im Kriegseinsatz und mit Gefallenen.

Die Bedeutung dieser Tradition für die Menschen in Großbritannien zeigt sich gerade sehr deutlich auf dem Fußballfeld. Seit der Fußball-Weltverband Fifa den Nationalmannschaften Englands und Schottlands verboten hat, am 11. November beim Qualifikationsspiel für die Weltmeisterschaft das Klatschmohn-Symbol auf ihren Armbinden zu tragen, geht eine Protestwelle durch die Nation.

Die Klatschmohn-Debatte schaffte es auf Anhieb ins Parlament. Als "absolut empörend" bezeichnete die britische Premierministerin Theresa May bei einer Sitzung am Mittwoch das Verbot der "Poppies" und erntete Applaus. "Unsere Fußballspieler wollen diejenigen würdigen, die ihre Leben für unsere Sicherheit opferten", sagte sie. Bevor die Fifa sage, was sie tun sollen, sollte sie "ihr eigenes Haus in Ordnung bringen", schoss May gegen den Verband.

Der Weltfußballverband hatte die "Poppies" verboten, weil er politische und religiöse Statements auf dem Feld grundsätzlich nicht erlaubt. Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura sagte der BBC, bei einem Verstoß könne "jegliche Form von Sanktionen" folgen, zum Beispiel ein Punktabzug in der WM-Qualifikation.

Dieses Risiko würde Martin Glenn, Chef des englischen Fußballverbandes FA, eingehen. Für ihn sei es "eine Sache des Prinzips", dass die Spieler beider Mannschaften Armbänder mit den Klatschmohnblüten trugen. Es sei kein politisches Symbol, die Fifa missinterpretiere das, sagte Glenn und äußerte sich zuversichtlich, "dass es zu keiner drakonischen Strafe kommt". Auch der Chef des schottischen Fußballverbandes Stuart Regan sieht das Tragen der roten Blüte als "passende Form der Anerkennung", wie er der BBC mitteilte.

Ungeachtet des Fifa-Verbots wollen sowohl die englische als auch die schottische Fußballmannschaft am 11. November mit der Klatschmohnblüte in das Spiel gehen. Die britische Kulturministerin Karen Bradley sagte, das Parlament "stehe voll dahinter". Und das gilt offenbar auch für die Bevölkerung. Der ehemalige Luftwaffenpilot und Kriegsgefangene John Nichol hat eine Onlinepetition gestartet. Mehr als 230.000 Menschen haben bereits unterschrieben.

(dpa)
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