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Von lauten Fans bis zu Wikinger-Bärten
7 Gründe, wieso Island die WM besser macht

Island feiert die erste WM-Teilnahme
Island feiert die erste WM-Teilnahme FOTO: ap
Düsseldorf. Zum ersten Mal in der Geschichte fährt Island im Sommer zu einer WM. Schon die Europameisterschaft 2016 hat gezeigt: Da kommt was auf die Fußball-Welt zu.

Am Montagabend um kurz nach halb elf war es klar: Das isländische Fußballmärchen geht weiter. Die Isländer hatten soeben den Kosovo im letzten Spiel der WM-Qualifikation mit 2:0 geschlagen und sich damit zum ersten mal überhaupt für eine Weltmeisterschafts-Endrunde qualifiziert. Nach dem erfrischenden Auftritt der Isländer bei der EM im vergangenen Jahr - sowohl der Mannschaft als auch ihrer Fans - darf sich die Fußballwelt also erneut auf die Gäste von der Atlantikinsel freuen. Und es gibt gute Gründe, wieso die Isländer die WM in Russland bereichern werden.

1. Ihr Huh-Ritual ist weltberühmt

Wenn etwas vom Auftritt der Isländer bei der EM in Frankreich in Erinnerung geblieben ist, dann ist das vor allem das laute "Huh" der Anhänger, das während der Spiele ihrer Nationalelf durch die Stadien hallte. Nach dem Schlusspfiff kam es regelmäßig zur Steigerung der Selbstunterhaltung der isländischen Fans: Die Spieler versammelten sich vor der Fankurve, hoben ihre Arme und klatschten mit den Fans zu ihrem bekannten Schlachtruf. Die Aktion wurde im Laufe des Turniers so beliebt, dass die Franzosen sie nach dem Ausscheiden der Isländer kopierten und sich den Unmut vieler Fans zuzogen. Nach der erfolgreichen Qualifikation feierten die Isländer wieder mit ihren Fans - und natürlich mit dem bekannten Ritual.

2. Ihr Kult-Kommentator sorgt für Gänsehaut

Fast genauso legendär sind die Jubelschreie des isländischen Fernsehkommentators Gudmundur Benediktsson. Tore und Siege der Isländer bejubelte der Ex-Profi derart emotional, dass er auch außerhalb der Insel Berühmtheit erlangte. Was genau er schrie, verstanden zwar nur die wenigsten, seine Ausbrüche gingen dennoch um die Welt und sorgten für Gänsehaut-Momente. Hauptberuflich ist Benediktsson übrigens Trainer (und verlor während der EM seinen Co-Trainer-Job beim isländischen Erstligisten KR Reykjavík). Nicht nur Islands Anhänger aber dürften hoffen, dass er im Sommer wieder als Kommentator auftritt.

3. Die Isländer sind ein Favoritenschreck

England - Island: die Bilder FOTO: afp

Die Portugiesen können ein Lied davon singen, die Österreicher auch und die Engländer sowieso. Bei der EM erwiesen sich die Isländer als Favoriten-Schreck - und warfen im Achtelfinale sogar die "Three Lions" aus dem Turnier. In der WM-Qualifikation bestätigte die isländische Nationalelf, dass ihre Gegner sie nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten: Gruppensieger vor Kroatien, der Ukraine und der Türkei zu werden, ist mindestens als kleines Ausrufezeichen zu werten. Nach aktuellem Stand würde Island im Übrigen auch nicht im letzten WM-Auslosungstopf landen. Die Prognose: In Russland wird es einfachere Gegner geben als die Isländer.

4. Ihre Fans sind leidenschaftlich bis zum Baby-Boom

Reykjavik feiert Islands Helden beim Public Viewing FOTO: ap

Während der Auftritte der isländischen Nationalelf scheint es auf der Insel kein anderes Thema zu geben. Wer nicht im Stadion ist, guckt das Spiel offenbar zumindest im Fernsehen: Beim EM-Achtelfinal-Sieg gegen England lag der Marktanteil des übertragenden Fernsehsenders bei unglaublichen 99,3 Prozent. Ob zu Hause oder in Frankreich, der beschwingte Auftritt der Fußballer brachte die Fans in jedem Fall in Wallung - neun Monate nach der EM erlebte Island einen Baby-Boom.

5. Island beherrscht sein Fußballhandwerk

Zehn Fakten über den Fußball in Island

Zugegeben: Im internationalen Vergleich ist der isländische Fußball eine kleine Nummer. Beim sensationellen 3:0-Erfolg in der WM-Quali in der Türkei schlugen die Isländer die Gastgeber mit einfachen Mitteln -  Konterfußball und Standardsituationen -, doch diese setzten sie perfekt ein. Nicht erst bei der EM zeigte sich jedoch auch, dass auf der Insel nicht nur kampfbetont und bodenständig gespielt wird. Um vor allem den Nachwuchs technisch und taktisch weiterzuentwickeln, wurden auf der Atlantikinsel vor Jahren schon riesige Hallen errichtet, um bei den widrigen Bedingungen Training zu ermöglichen. Augenscheinlich mit Erfolg.

6. Die Isländer sind echte Wikinger

Islands Kapitän Aron Gunnarsson erinnert mit seinem Bart an einen Wikinger. FOTO: dpa, hm

Wer sich nicht am Fußballspiel der Isländer erfreuen kann, für den sind zumindest die Spieler etwas fürs Auge. Das Paradebeispiel: Aron Gunnarsson. Der Kapitän der Nationalmannschaft erinnert äußerlich stark an einen Wikinger - und hat sogar einen von ihnen auf die Brust tätowiert.

7. Fußballmuffel haben die Insel für sich - zumindest fast

So schön ist Island FOTO: Isländisches Fremdenverkehrsamt / www.visiticeland.com

Während der Europameisterschaft 2016 waren zwischenzeitlich über 30.000 Anhänger nach Frankreich gereist - rund zehn Prozent der Gesamtbevölkerung des kleinen Lands. Jetzt haben sich die Isländer erstmals für eine WM qualifiziert, was wohl für noch größere Fanscharen vor Ort sorgen wird. Je mehr Fans nach Russland reisen, desto ungestörter können Fußballmuffel im Sommer die Insel erkunden. So haben alle etwas davon.

(tsp)
 
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