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WM ohne die "Squadra Azzurra"
Diese Dinge werden uns ohne Italien fehlen

WM 2018: Was uns ohne Italien fehlen wird
Cool, cooler, Italiener: Andrea Pirlo steht sinnbildlich für den Style der italienischen Nationalmannschaft. FOTO: afp, ALBERTO PIZZOLI
Düsseldorf. Kurz war da diese Schadenfreude, doch schon wenige Stunden nach dem Aus der Italiener wird klar: Ohne die Kicker vom Stiefel geht der Weltmeisterschaft in Russland vieles verloren. Eine Hommage an grandiose Sänger, unschlagbare Gegner und perfekt sitzende Anzüge. Von Tim Specks

Zugegeben: Ganz ohne Häme ging der Montagabend in vielen deutschen Wohnzimmern wohl nicht vorüber. Italien verpasst die WM in Russland. Da dürfte bei einigen Fans Genugtuung aufgekommen sein - zu tief sitzt der Stachel nach dem Halbfinal-Aus bei der Heim-WM 2006. Bei aller (natürlich immer freundschaftlich gelebten) Rivalität aber sollte auch denen, die es mit den Schweden hielten, eines klar sein: Eine WM ohne Italien ist auch eine, bei der auch Fans anderer Teams vieles fehlen wird.

  • Ihre Sangeskünste

"Brüder Italiens, Italien hat sich erhoben" - Wenn die Spieler der "Squadra Azzurra" vor ihren Länderspielen Arm in Arm auf dem Platz stehen und ihre Nationalhymne "Il Canto degli Italiani" ("Das Lied der Italiener") intonieren, ist das immer wieder ein großes Schauspiel. Es gibt wohl keine andere Nationalmannschaft, deren Akteure ihre Hymne mit solcher Leidenschaft darbieten wie die Italiener - und ihre Fans. Im kommenden Sommer wird dem Turnier nicht nur fußballerisch etwas fehlen. Auch musikalisch geht mit dem vorzeitigen WM-Aus der Italiener vieles verloren.

  • Ihr Auftreten

So unschön der defensiv geprägte italienische Fußball auch sein mag - rein äußerlich sind die Auftritte der Italiener in jedem Fall immer etwas fürs weibliche (und männliche) Auge. Wenn die Italiener mit maßgeschneiderten Anzügen aus dem Flieger steigen, entschädigt das zumindest einige Fans für das nächste 0:0. Einige der Spieler gelten nicht nur zu Hause sogar als Sex-Symbole - und durften bereits die Unterwäsche des Modelabels "Dolce & Gabbana" präsentieren.

  • Ihre Qualität auf dem Platz

Beim Anblick dieser Szenen dürfte dem gemeinen deutschen Fan noch heute anders zumute werden. Fabio Grosso erzielt in der Verlängerung des WM-Halbfinals in Dortmund 2006 das 1:0 gegen Deutschland. Alessandro Del Piero legte später nach, das Sommermärchen ist ausgeträumt. Es ist eine Szene mit Symbolcharakter: Noch nie konnte Deutschland bei einer WM gegen Italien gewinnen. Auch wenn das zunächst einmal gar nicht reizvoll klingt - eine Weltmeisterschaft ist doch erst dann spannend, wenn man auf die bestmöglichen Gegner trifft. Mit Italien muss nun einer zu Hause bleiben - sportlich gesehen ein herber Verlust für das Turnier.

  • Ihre Lässigkeit

Man könnte sie ihnen als Arroganz auslegen, aber eigentlich ist es einfach ihre Art zu leben: Kaum ein anderes Team bringt bei aller Verbissenheit eine solche Lässigkeit auf den Platz wie die Italiener. Als Paradebeispiel gilt wohl Mittelfeld-Regisseur Andrea Pirlo (der vor kurzem seine Karriere beendete). Nicht nur, dass er etwa beim EM-Viertelfinale 2012 gegen England einen Elfmeter in die Mitte des Tores chippte und so verwandelte. Legendär ist vor allem seine Aussage in seiner Autobiographie (Titel: "Ich denke, also spiele ich"): "Am Nachmittag des 9. Juli 2006 in Berlin habe ich geschlafen und dann Playstation gespielt. Abends habe ich die Weltmeisterschaft gewonnen."

  • Ihre Leidenschaft

Die Italiener lassen ihren Gefühlen freien Lauf. Sei es, wenn sie sich vom Schiedsrichter benachteiligt fühlen und gestenreich beteuern, gefoult geworden zu sein oder aber - im Gegensatz zur Meinung des Unparteiischen - nicht zur Schwalbe angesetzt zu haben. Und wenn ein gestandener Mann und Profi wie Andrea Barzagli nach dem Ausscheiden aus einem Turnier vor laufenden Kameras anfängt zu weinen, bleibt wohl auch vor den Bildschirmen zu Hause kein Auge trocken. Wir legen uns fest: Ohne Italien wird die WM definitiv emotionsloser.

 
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