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Argentinien droht WM zu verpassen
Messi beruhigt: "Wir haben es noch selbst in der Hand"

Brasilien fegt Argentinien aus dem Stadion
Brasilien fegt Argentinien aus dem Stadion FOTO: dpa, brv ive ms
Buenos Aires . Ein Sieg gegen Kolumbien, und Argentinien wäre im Kampf um die WM-Tickets wieder mitten drin. Aber wehe, wenn Messi und seine Untertanen erneut verlieren.

In besseren Tagen wären Lionel Messi und Co. bei diesem Sturzregen erst gar nicht auf den Platz gegangen. Doch die Zeiten sind stürmisch. Und so streifte sich der eine oder andere aus Argentiniens Seleccion beim Wolkenbruch zur Trainingseinheit am Sonntag missmutig die Kapuze über. Denn Schön-Wetter-Fußball reicht dem Vize-Weltmeister in der südamerikanischen WM-Qualifikation längst nicht mehr.

Das 0:3 am vergangenen Donnerstag in Brasilien, das vierte Eliminatorias-Spiel ohne Sieg in Folge, hat die bittere Erkenntnis gebracht: Erstmals seit 1970 könnte die Biancoceleste eine Endrunde verpassen. Und deshalb gestand Messi vor dem Duell am Dienstag daheim gegen Kolumbien: "Wir haben eine Null-Fehler-Toleranz."

Sieben Chancen, für die vier Direkttickets oder Platz fünf als Umweg über die Play-offs zu punkten, bleiben noch. Von Brasilien (24 Punkte) bis hinab zu Peru (14), die beide in Lima aufeinandertreffen, träumen aber acht (!) Teams ernsthaft von Russland. Neben der Selecao liegt jedoch nur der Tabellenzweite Uruguay (23), der am Dienstag zu Copa-America-Sieger Chile (5./17) reist, in der Komfortzone. Die Zittergruppe beginnt schon ab Rang drei mit Kolumbien (18).

Da Argentinien die Cafeteros mit einem Dreier sogar überholen würden, beruhigt Messi: "Wir haben es noch selbst in der Hand." Seine Vorgabe: Erst Punkte holen, Ruhe bekommen, dann klappt es auch mit dem Schönspielen.

Doch auch am Rio de la Plata ist alle Theorie grau, wenn zwischen Wollen und Können Welten liegen. "Ich habe immer noch nicht verstanden, wie er verteidigt, wie er den Ball zurückerobert, wie er angreift und wie er zum Torabschluss kommt", kritisierte Trainer-Koryphäe Cesar Luis Menotti, der Argentinien 1978 zum ersten von zwei WM-Titeln führte. In der Schusslinie steht der konfus wirkende Coach Edgardo Bauza (58) nach nur einem Sieg in fünf Spielen.

Die Kampagnen #Andatebauza (Hau ab, Bauza) und #Quesevayantodos (Alle sollen verschwinden) gewinnen im Internet an Zugkraft. Ein Anti-Klima im Spielort San Juan wird befürchtet. "Wir müssen enger zusammenstehen als jemals zuvor", bat deshalb Messi von den Fans und fordert angesichts der schnellen Pfiffe beim 0:1 Mitte Oktober gegen Paraguay "ein bisschen mehr Geduld."

Neymar brilliert

Damit Argentinien mehr von Messi profitiert, braucht Messi mehr Feinabstimmung mit den Kollegen um ihn herum. Dagegen hat sich Brasilien von der Neymar-Abhängigkeit befreit. Zum Wohl der Selecao, zur Erleichterung für den kongenialen Messi-Partner beim FC Barcelona - abzulesen an Zahlen.

Denn der 24-Jahre brilliert unter Tite. Mit vier Toren neben seinen fünf Vorlagen unter dem neuen Trainer kommt Neymar auf 50 Treffer in 74 Länderspielen. Eine Tormarke, die Messi erst mit 28 Jahren, der Portugiese Cristiano Ronaldo gar erst als 29-Jähriger erreicht hat. Die beiden waren im Alter von Neymar aber immerhin schon Weltfußballer.

Davon ist Arturo Vidal ein gutes Stück entfernt. Und dennoch sorgt sich sein Arbeitgeber Bayern München um den Mittelfeldspieler, der trotz seiner verletzungsbedingten Auswechslung bei der Nullnummer in Kolumbien gegen Uruguay auflaufen soll. Dagegen ist der ebenfalls angeschlagene Leverkusener Charles Aránguiz für das Prestigeduell gesperrt.

(old/sid)
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