| 08.02 Uhr

Nur Gelb nach Schlag gegen Werner
Faktor Mensch bleibt auch beim Videobeweis unberechenbar

Twitter schimpft im Finale auf den Videobeweis
Twitter schimpft im Finale auf den Videobeweis
St. Petersburg/Frankfurt. Der Videobeweis hat sich beim Confed Cup eigentlich bewährt, allerdings gab es im Endspiel eine krasse Fehlentscheidung. Ab der anstehenden Saison wird es die kleine Schiri-Revolution auch in der Bundesliga geben.

Gut möglich, dass Timo Werner vom Videobeweis erst einmal die Nase gestrichen voll hat. Der treffsicherste Confed-Cup-Torschütze fasste sich nach dem Finalsieg der deutschen Mannschaft gegen Chile (1:0) in St. Petersburg immer wieder an die rechte Gesichtshälfte.

"Ich kann nicht richtig schlucken", meinte Werner zerknirscht, "mir tut der Kiefer von dem Schlag immer noch weh." Der Schlag - das war eine rüde Attacke von Gonzalo Jara. In der 63. Minute schlug der Chilene und Ex-Mainzer dem Stürmer von RB Leipzig bei einem Zweikampf den rechten Ellbogen ins Gesicht. Eine klare Rote Karte!

Schiedsrichter Milorad Mazic aus Serbien sah die Szene nicht und entschied auf Einwurf. Doch die Video-Referees Clement Turpin (Frankreich) und Jure Praprotnik (Slowenien) intervenierten heftig. Mazic wurde daraufhin im Spielertunnel vor den Fernsehschirm gebeten, betrachtete sich die Aktion von Jara noch ein paar Mal auf dem Bildschirm - und traf dann trotzdem die falsche Entscheidung.

Jara bekam "Witz-Gelb", wie die "Bild"-Zeitung urteilte. Und der Videobeweis wurde ausgerechnet am letzten Tag seiner internationalen Premiere bei der Mini-WM in Russland ein Stück weit ad absurdum geführt.

Werner rechnete mit Rot

Der Faktor Mensch bleibt die unberechenbare Variable. Das bekam auch Timo Werner zu spüren: "Ich dachte schon, dass der Schiedsrichter die Rote Karte zeigt." Die Video-Bilder können noch so eindeutig sein, sie helfen nicht, wenn sie von den Referees falsch ausgelegt werden.

Obwohl der Videobeweis in den Tagen des Confed Cup für rege Diskussionen sorgte, waren die Regelhüter mit dem Ergebnis der "kleinen Revolution" zufrieden. "Von meiner Seite aus war der Videoschiedsrichter ein großer Erfolg. Wir haben Geschichte geschrieben", hatte Fifa-Präsident Gianni Infantino schon vor dem Endspiel gesagt und betont: "Wir hätten ohne den Videobeweis ein anderes Turnier gehabt. Ein Turnier, das weniger fair gewesen wäre." Allerdings hatte der Schweizer versprochen, dass "große Fehler" nicht mehr passieren würden.

Laut Fifa-Schiedsrichterboss Pierluigi Collina wurden in Russland mit Hilfe des "Adlerauges" sechs "spielentscheidende Szenen" korrigiert.

Schiedsrichter in Deutschland intensiv geschult

Doch es wird davon ausgegangen, dass der Videobeweis ab der kommenden Saison in der Bundesliga deutlich besser funktioniert als beim Confed Cup. "Natürlich, das steht völlig außer Frage", hatte Projektleiter Hellmut Krug jüngst dem SID gesagt - und seine Prophezeiung wie folgt begründet: "Wir haben jetzt ein Jahr sehr intensiv trainiert."

Die Schiedsrichter-Teams in Russland seien dagegen nur an "vielleicht elf Tagen" geschult worden. "Wenn es beim Confed Cup auch ohne diese Ausbildung reibungslos funktioniert hätte, hätten wir uns hinterfragen müssen, ob der Aufwand berechtigt war", sagte DFL-Direktor Ansgar Schwenken dem "kicker". So aber habe sich gezeigt, dass "Übung und Erfahrung" wesentlich seien, meinte Schwenken.

Bei den meisten Fans war der Videobeweis auf positive Resonanz gestoßen. Ende Juni hatte die repräsentative Online-Umfrage von bundesligabarometer.de ergeben, dass 86,9 Prozent der Anhänger den Einsatz der Technik für sinnvoll halten. 76,5 Prozent waren zudem der Auffassung, dass der Fußball durch den Videobeweis fairer wird.

(sid)
 
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