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Confed Cup
Löw ist hin und weg von Torjäger Stindl

Einzelkritik: Stindl und Can die Besten
Einzelkritik: Stindl und Can die Besten FOTO: ap, FP
Kasan. Lars Stindl musste lange auf eine Nominierung für die Nationalmannschaft warten. Jetzt führt der 28-Jährige sogar die Torschützenliste beim Confed Cup an. Bundestrainer Joachim Löw lobt den Gladbacher in den höchsten Tönen.

Lars Stindl stutzte einen kurzen Moment, dann lächelte er. "Nein", antwortete Stindl auf die Frage, ob er sich die Trophäe für den besten Torschützen beim Confed Cup schon angeschaut habe. "Da habe ich noch keinen Blick drauf geworfen", versicherte er glaubhaft.

Das sollte der Kapitän von Borussia Mönchengladbach aber vielleicht nachholen. Nach seinem Treffer zum 1:1 (1:1)-Endstand gegen Turnierfavorit Chile führt Stindl die Torjägerliste der Mini-WM mit zwei Treffern an. Dabei ist der 28-Jährige ein Spätberufener. Immer wieder wurde sein Name gehandelt, wenn in den vergangenen Jahren eine Kader-Nominierung anstand. Immer wieder verzichtete Bundestrainer Joachim Löw auf Stindls Berufung.

Für den Confed Cup änderte Löw seine Meinung und zeigte sich nach Stindls starkem Auftritt gegen den Südamerikameister in der Kasan-Arena begeistert. "Er ist ein sehr raffinierter Spieler mit unglaublicher Spielintelligenz und guter Orientierung im Raum", lobte Löw seinen Einzelkämpfer im Angriff.

Stindl gleicht nach Hector-Vorarbeit gegen Chile aus FOTO: rtr, mb

Stindl überzeugt als falsche Neun

Gegen Chile sei Stindl für das Team "unglaublich wichtig" gewesen. Der Bundestrainer übertrug ihm einen Spezialauftrag, die Rolle von Weltmeister Mario Götze. Stindl agierte vorne als falsche Neun. "Lars ist eigentlich ein Spieler, der aus der Tiefe kommt. Ich habe ihn ganz vorne hingestellt, weil ich wollte, dass er die Bälle gut verarbeitet", erläuterte Löw und urteilte: "Das hat er hervorragend gemacht."

Stindl ging weite Wege, bot seinen Mitspielern immer wieder eine Anspielstation und stand bei der präzisen Hereingabe von Jonas Hector genau richtig (41.). Es habe ganz ordentlich funktioniert, erklärte Stindl bescheiden. Ganz ordentlich? Zwei Spiele, zwei Tore - viel besser konnte es für ihn nicht beginnen in Russland. "Ich bin natürlich glücklich, dass ich mit den Toren der Truppe helfen kann", lautete Stindls Zwischenfazit. "Schon das erste Tor gegen Australien war etwas Besonderes. Auch das Spiel und das Tor freuen mich natürlich", sagte er nach seinem vierten Länderspiel.

Stindl lobt Can und Hector

Und es ist typisch Stindl, dass er den Anteil der Torvorbereiter über den eigenen Beitrag stellte. "Es war ein sehr guter Angriff von der Art und Weise, wie das Tor herausgespielt wurde", schilderte der Schütze. Er lobte die Spielverlagerung des im Mittelfeld losstürmenden Emre Can und dessen "sehr guten tiefen Pass" auf Hector. "Jonas läuft gut durch, spielt ihn quer - und ich muss den Ball nur noch reinschieben."

Ein Lautsprecher ist der verheiratete Familienvater nicht. Auf dem Rasen wird der sonst so zurückhaltende Typ aber zum Einpeitscher. Der Offensivspieler ist getrieben von einem unbändigen Siegeswillen, der Eigenschaft, selbst in aussichtslosen Situationen alles herauszuholen. In Gladbach hat er sich so zum absoluten Führungsspieler entwickelt, in der Nationalmannschaft darf er trotz der namhaften Konkurrenz sogar ein bisschen Richtung WM 2018 in Russland schielen. "Er hat in der Zeit bei uns absolut überzeugt. Er ist ruhig und selbstsicher, zeigt keine Anzeichen von Nervosität, ist eine sehr gute Persönlichkeit und ein sehr guter Spieler", lobte Löw.

Seit der ersten Nominierung bot der Bundestrainer Stindl daher in allen vier Länderspielen immer in der Startformation auf. Zum Auftakt des Confed Cups traf er mit seinem ersten Länderspieltor beim Erfolg gegen Australien (3:2) zur 1:0-Führung. "Ich kann momentan nicht meckern und bin glücklich, dass ich der Truppe helfen kann."

Mit dem Thema Nationalmannschaft hatte Stindl fast schon abgeschlossen, ehe doch noch die ersehnte Einladung kam. "Alles, was nach der Saison für mich dazugekommen ist, ist Bonus für mich. Ich habe mich sehr über die Nominierung gefreut", sagte Stindl.

(areh/sid/dpa)
 
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