| 07.08 Uhr

1:1 gegen Chile beim Confed Cup
Deutschland dank Stindl auf Halbfinal-Kurs

Stindl gleicht nach Hector-Vorarbeit gegen Chile aus
Stindl gleicht nach Hector-Vorarbeit gegen Chile aus FOTO: rtr, mb
Kasan. Mit etwas Glück und großem Kampfgeist hat der Nachwuchs der deutschen Weltmeister die Feuerprobe gegen heißblütige Chilenen bestanden. Das junge Perspektivteam von Bundestrainer Joachim Löw stieß mit einem 1:1 (1:1) gegen den Südamerikameister die Tür zum Confed-Cup-Halbfinale auf.

Voller Stolz klatschte Joachim Löw mit seinen abgekämpften Spielern ab, immer wieder applaudierte der Bundestrainer dem Nachwuchs der Weltmeister nach der Feuerprobe von Kasan. Mit etwas Glück und großer Leidenschaft hat das deutsche Perspektivteam den heißblütigen Chilenen widerstanden – nach einem 1:1 gegen den technisch und körperlich überlegenen Südamerikameister steht die Tür zum Confed-Cup-Halbfinale weit offen.

"Ich bin sehr zufrieden mit meinen Jungs, das war ein Spiel auf höchstem Niveau mit wahnsinnigem Anspruch. Sie haben das alle klasse gemacht – mit so wenig Erfahrung, so wenigen Länderspielen", sagte Löw der ARD. Seine junge Mannschaft nahm "die Erkenntnis mit, auch gegen große Gegner bestehen zu können", wie Torschütze Lars Stindl betonte. So sah das auch Kapitän Julian Draxler: "Wir wussten, dass Chile bärenstark ist. Das haben sie auch unter Beweis gestellt. Aber wir müssen uns vor niemandem verstecken!"

Einzelkritik: Stindl und Can die Besten FOTO: ap, FP

Vargas scheitert an der Latte

Für den Einzug ins Halbfinale der "Mini-WM" in Russland reicht ein Punkt im letzten Gruppenspiel gegen den Afrikameister Kamerun am Sonntag in Sotschi (17 Uhr/ZDF). Das klingt machbar. Allerdings war gegen Chile laut Stindl "das eine oder andere Quäntchen Glück" notwendig, beispielsweise beim krachenden Lattenschuss des früheren Hoffenheimers Eduardo Vargas (20.). Es wäre nach dem "dummen Gegentor" (Draxler), dem ein böser Fehlpass von Shkodran Mustafi vorausging, das 0:2 und wohl die Entscheidung gewesen.

Stindl (41.) erzielte für die deutsche Mannschaft so den Ausgleich in einer Phase, in der die Chilenen ihren anfangs eisernen Klammergriff lockerten. Der von Bayern München umworbene Arsenal-Stürmer Alexis Sánchez (6.) hatte den Weltranglistenvierten nach dem Patzer seines Vereinskollegen Mustafi in Führung geschossen. Am frühen Abend hatten sich Australien und Kamerun in der deutschen Gruppe B 1:1 getrennt.

Löw rotierte Bernd Leno aus dem Tor, was angekündigt und keine Reaktion auf dessen Patzer gegen Australien (3:2) war. Zudem rückten Matthias Ginter, Niklas Süle und Emre Can in die Mannschaft, in der Spitze spielte Stindl alleine – ohne "Brecher" Sandro Wagner.

Oliver Bierhoff erwartete eine "Probe, eine richtig heiße Kiste", und die wurde es. Chile, dessen Abwehr mehr als doppelt so viele Länderspiele absolviert hat wie die gesamte deutsche Startelf, wolle sein "Leben auf dem Platz lassen", hatte Bayern-Star Arturo Vidal vor Spielbeginn getwittert.

Auf den Rängen schmetterten die im Verhältnis von 20:1 überlegenen Fans ihre Nationalhymne mit Inbrunst, auf dem Platz gingen die Spieler kompromisslos drauf. Die deutsche Mannschaft war beeindruckt. Der nervöse Mustafi vertändelte den Ball an Vidal, der Sánchez einsetzte: Innenpfosten, 0:1. Marc-André ter Stegen im deutschen Tor war ohne Chance – und Löws Forderung, "in den 90 Minuten nie zu schlafen", vergebens.

Sanchez trifft gegen Deutschland mit der Pike FOTO: rtr, mb

Die DFB-Elf versuchte es mit Kombinationsspiel, war aber zu häufig unsicher. Erste Chancen (Draxler/8., Stindl/15.) waren Schüsse von außerhalb des Strafraums. Auf der Gegenseite ließ Vargas die Querlatte erbeben.

Köln-Gladbacher Co-Produktion bringt den Ausgleich

Doch das 0:2 fiel nicht – das war die Nachlässigkeit der Chilenen. Draxler und der gegen Australien herausragende Leon Goretzka konnten freier kombinieren, was Can für einen Pass auf den links durchstartenden Jonas Hector nutzte. Dessen Flanke drückte Stindl über die Linie.

Die deutsche Mannschaft verteidigte bissig. Die Anspiele auf die Außenpositionen blieben jedoch unpräzise, Chile bekam dadurch den Ball häufig serviert. Großer Druck war dennoch außer bei einem Sánchez-Freistoß auf das Tornetz (48.) nicht mehr zu spüren.

Die Chilenen ließen die Deutschen kommen und setzten nach Ballgewinn auf Überfall-Fußball. Vidal war Ausgangs- und oft Endpunkt eines jeden Angriffs. Viele davon gab es nicht mehr, wie auch auf der anderen Seite: Der gute Stindl prüfte mit einem Schuss noch den sicheren Torhüter Johnny Herrera (73.).

(sid)
 
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