| 14.31 Uhr

Confed Cup
Der Gute-Laune-Löw

Confed Cup: Joachim Löw hat seinen Frieden mit dem Turnier gemacht
Bundestrainer Joachim Löw bei der Pressekonferenz vor dem Duell mit Australien. FOTO: dpa, chc hak
Düsseldorf/Sotschi. Deutschland startet heute mit dem Spiel gegen Australien in den Confed Cup. Bundestrainer Joachim Löw ist vor dem Start entspannt – und versprüht viel Optimismus. Von Robert Peters

Diesen Mann kann nichts erschüttern. Bundestrainer Joachim Löw geht nicht erst seit den Tagen vor dem Auftakt in den Confed-Cup als perfekter Dozent für den Volkshochschulkursus "Ganz entspannt im Hier und Jetzt" durch. Er hat die Rolle des Mannes verinnerlicht, der immer ein bisschen über den Dingen schwebt und die Alltagssorgen leise belächelt. Und deshalb bringt ihn natürlich auch die Vorbereitung auf das erste Spiel beim Pokal der Konföderationen nicht um die gesunde Nachtruhe. Selbst wenn seine Elf heute gegen Australien (17 Uhr/ZDF) nach Löws sicher maßgeblicher Einschätzung "die Weltbühne des Fußballs in diesem Sommer" betritt.

Der Bundestrainer hat seinen Frieden gefunden mit dem Turnier, dessen sportlicher Stellenwert zumindest umstritten ist. Löw unterstreicht seine Wertschätzung für die Veranstaltung, in dem er eine als "Perspektivteam" deklarierte Auswahl ins Rennen schickt und seinen Stars einen längeren Urlaub gönnt. Wichtigster Auftrag für die Mischung aus möglichen Nachrückern für die A-Mannschaft und ganz wenigen arrivierten Kräften: "Erfahrungen sammeln." Ganz nebenbei, aber wirklich nur ganz nebenbei sollen auch positive Ergebnisse her. Furchtbar wichtig findet der Bundestrainer die aber nicht. "Über allem steht die Weltmeisterschaft 2018", hat er häufig genug gesagt. Dass "es schon auch wahnsinnig wichtig für die jüngeren Spieler ist, so ein Turnier zu spielen", ist eine sehr pflichtbewusste Ergänzung.

Löws Personalpolitik findet nicht den ungeteilten Beifall der deutschen Öffentlichkeit. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov erklärten 42 Prozent der Befragten, dass sie den Kurs des Bundestrainers auf keinen Fall gut heißen. Doch auch das wird Löw nicht nachhaltig verunsichern. Der oberste Übungsleiter der Nation bleibt locker. Seinen Spielern, die vor knapp zwei Wochen aus dem Urlaub in das letzte Testspiel gegen Dänemark (1:1) kamen, gab er am Samstagnachmittag frei. Und zu viel trainiert haben sie auf keinen Fall.

Die vielgepriesenen Automatismen sollen sich nach übereinstimmender Einschätzung der Akteure dennoch bereits eingestellt haben. Ein taktisches Mittel wurde sogar erfolgreich im WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino (7:0) getestet, das ansonsten wesentlich weniger brauchbare Erkenntnisse lieferte als das vorangegangene Freundschaftsspiel in Dänemark. Gegen San Marino schlug vor allem der rechte Verteidiger Joshua Kimmich eindrucksvolle Serien äußerst präziser Flanken in den Strafraum. Dort steht in Sandro Wagner eine passende Verwertungsstation. "Jetzt kann man wieder mehr mit Flanken agieren", sagt Löw, "das hatten wir vorher nicht immer so. Wir haben vieles über Kombinationen am Boden gemacht."

Was er da so beiläufig daherplaudert, ist eine erstaunliche Trendwende in seinen taktischen Überlegungen. Sogar zu den Zeiten von Miroslav Klose, der ein großer Kopfballspieler war, trug Löws Team die Angriffe ganz selten durch Flanken aus dem Halbfeld vor. Nun hat dieses Spiel wieder Konjunktur. Die allein selig machende Variante bleibt es nicht. Löw erweitert lediglich sein Repertoire, weil auch er erkannt hat, dass mit Kringeldrehen und Ballbesitz zwar Schönheitspreise, aber nicht in jedem Fall die Spiele gewonnen werden. Außerdem hätte der Coach Wagner gleich daheim lassen können, wenn er das Angriffsspiel nicht auf ihn zuschneiden würde.

Schon in Nürnberg nach dem Wettschießen gegen San Marino, zu dem Wagner drei Treffer beisteuerte, ließ Löw demonstrativ offen, ob sich der Hoffenheimer damit auf die Planstelle des Mittelstürmers vom Dienst geschossen hat. "Es kann ja sein, dass wir auch mal auf Konter mit ganz schnellen Leuten setzen müssen", erklärte er vor einer Woche. Zu Kontern kann Wagner allenfalls als Doppelpass-Station beitragen oder indem er im Jargon der Trainer "den Ball vorne festmacht".

Gegen Australien ist Wagner aber sicher die erste Wahl. Er wird einer besonderen Qualität dieses Gegners bestimmt auf Augenhöhe begegnen. Löw urteilt: "Australiens Fußball kommt ein bisschen aus dem Rugby. Sie lieben es, ganz körperbetont zu spielen." Wagner liebt das ebenfalls. Kein Grund zur Sorge also.

Für Löw ohnehin nicht.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Confed Cup: Joachim Löw hat seinen Frieden mit dem Turnier gemacht


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.