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Großer Auftritt nach Kunstpause
Überragender Goretzka schießt sich zur WM

Einzelkritik: Goretzka überragt, Werner und ter Stegen stark
Einzelkritik: Goretzka überragt, Werner und ter Stegen stark FOTO: rtr
Leon Goretzka ist der große Gewinner beim Confed Cup. Mit Teamkollege Timo Werner liefert er sich ein Duell um die Auszeichnung für den besten Torjäger.

Der Anruf bei seinem Vater musste warten. Frisch geduscht beantwortete Leon Goretzka mit einer schwarzen Kulturtasche unter dem Arm immer wieder die Fragen zu seinem überragenden Auftritt im Confed-Cup-Halbfinale gegen Mexiko. Um die zahlreichen Glückwünsche von Familie und Freunden für seinen Doppelpack innerhalb von 109 Sekunden anzunehmen, blieb erst einmal keine Zeit. "Ich habe den Flugmodus noch an", antwortete der Nationalspieler schlagfertig auf die Frage, wie viele Nachrichten er schon erhalten habe.

Als Goretzka sein Handy nach Mitternacht endlich anschalten konnte, dürfte es immer wieder gebrummt haben. Zuvor hatte der 22-Jährige mit seiner Leistung beim 4:1 (2:0)-Erfolg in Sotschi gegen den Gold-Cup-Sieger Mitspieler und Verantwortliche begeistert. "Überragend", sagte Innenverteidiger Antonio Rüdiger, "er hat einen sehr, sehr großen Anteil am Erfolg", erklärte Teammanager Oliver Bierhoff.

Pressestimmen: "Souverän wie die Weltmeister" FOTO: afp

Goretzka stellte wie schon beim Turnierauftakt gegen Australien (3:2), als er an allen drei Toren beteiligt war, seine Klasse eindrucksvoll unter Beweis. Immer wieder stieß er aus dem defensiven Mittelfeld in die gefährlichen Räume vor, war für die Mexikaner kaum zu kontrollieren. Mit seiner Spielintelligenz und seinen Wegen helfe er der Mannschaft unglaublich, lobte Bierhoff, "nicht nur, weil er die Tore macht, sondern weil er einfach spielerische, technische Qualität hat und sehr viel läuft".

Der Schalker ist der große Gewinner im Perspektivteam von Bundestrainer Joachim Löw. "Das sind natürlich alles schöne Erlebnisse, die man hier mitnimmt und in den Momenten nicht so wirklich wahrnimmt. Aber über allem stand, dass wir ins Finale eingezogen sind", sagte Goretzka, der in der Stunde des Sieges an seine Anfänge dachte. "Es ist bei vielen Söhnen so, dass man schon früher mit dem Vater gekickt hat. Er hat mich zum Training gefahren", sagte er, ehe ihm einfiel, dass auch die Frau Mama mal am Steuer saß. "Sie wird sicher auch noch ein Telefonat abbekommen. Aber ich behaupte mal, dass mein Vater von der Taktik etwas mehr versteht."

Ob es bei den Gesprächen auch um die Auszeichnung für den besten Torschützen ging, ist nicht bekannt. Mit Teamkollege Timo Werner führt Goretzka die Torjägerliste mit drei Treffern an. "Tendenziell ist er eher der Kandidat für ein viertes Tor im letzten Spiel", sagte Goretzka, für den der goldene Schuh nicht so wichtig ist. "Ich weiß nicht, wie die 'Kanone' aussieht. Ich hatte auch nie eine - außer vielleicht in der Jugend." Auch Werner wollte von einem Wettschießen im Finale gegen Chile am Sonntag (20.00 Uhr MESZ/ZDF) in St. Petersburg nichts wissen. "Das ist uns beiden relativ egal, solange wir als Turniersieger hier wegfahren", sagte er.

Goretzka trifft innerhalb von 109 Sekunden doppelt FOTO: ap, FP

Das ist auch Goretzkas großes Ziel. Danach muss er eine wichtige Entscheidung über seine Zukunft treffen. Bleibt er noch ein Jahr ein Königsblauer - oder wechselt er schon im Juli zum deutschen Meister Bayern München? Nach Ansicht von Bierhoff kann Goretzka nichts falsch machen. "Ob er jetzt oder nächstes Jahr geht, wird am Ende seiner Karriere nicht so viel ändern", sagte Bierhoff.

Joachim Löw glaubt, dass sich Goretzka angesichts seiner Flexibilität auch in München durchsetzen wird. "Er kann im Mittelfeld auf verschiedenen Positionen spielen, diese Klasse hat er einfach", sagte der Bundestrainer.

(sid)
 
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