| 22.42 Uhr

2:1 in Tschechien
DFB-Elf behält dank Hummels weiße Weste

Einzelkritik: Mats Hummels und Mesut Özil die besten Deutschen
Einzelkritik: Mats Hummels und Mesut Özil die besten Deutschen FOTO: rtr, RC
Weltmeister Deutschland bleibt weiter klar auf WM-Kurs. In Tschechien siegte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw dank eines späten Treffers von Mats Hummels trotz streckenweise schwacher Leistung 2:1 (1:0). Es war der siebte Sieg im siebten Qualifikationsspiel. Von Bernd Jolitz, Prag

Der amtierende Fußball-Weltmeister wird mit großer Sicherheit auch bei der nächsten WM-Endrunde dabei sein. Es fehlt rechnerisch zwar noch ein kleiner Schritt, doch nach dem 2:1-Sieg bei der Tschechischen Republik sind die Zweifel nur noch theoretischer Natur. Timo Werner und Mats Hummels trafen für das Team von Bundestrainer Joachim. Am Montag (20.45 Uhr/Live-Ticker) geht es gegen Norwegen in Stuttgart weiter.

Wie sehr die Stimmung in Tschechien unter den mäßigen Vorstellungen der Nationalmannschaft gelitten hat, zeigte sich in den Stunden vor dem Anpfiff mehr als deutlich. Dialog an der Hotelrezeption: "Wie komme ich mit der Bahn zum Stadion?" – "Welches Stadion" – "Die Eden Aréna." – "Ach, ist da heute ein Spiel?" Etwas später Dialog an der Haltestelle: "Hält hier die Linie 6 zur Eden Aréna?" – "Oh, spielt Slavia heute?"

Reaktionen: "Wir können nicht zufrieden sein"

Es ging an den meisten Pragern also nahezu gänzlich vorbei, dass die Auswahl ihres Landes um ihre beinahe schon letzte Chance auf die Qualifikation zur Weltmeisterschaft kämpfte, und das merkte man dann auch in der schmucken modernen Arena. Zwar brüllten die beiden Stadionsprecher nach Kräften, so dass man sie vermutlich noch am jenseitigen Ufer der Moldau bestens hörte, die Ränge jedoch waren beileibe nicht voll. Dabei hatte doch der sintflutartige Regen, der die tschechische Hauptstadt zwei Tage lang heimgesucht und phasenweise selbst die Touristenströme auf der Karlsbrücke zum Versiegen gebracht hatte, knapp zwei Stunden vor dem Spiel so plötzlich aufgehört, wie er begonnen hatte. Der Rasen blieb somit zwar tief, aber wundersamerweise doch bespielbar.

Draxler nur auf der Bank

Tschechien - Deutschland: die Bilder des Spiels FOTO: rtr, RC

Löw hatte im Vorfeld bereits angekündigt, die Tschechen "mit unserer offensiven Kraft beschäftigen" zu wollen. Das drückte er dann auch in der Startaufstellung aus, denn er nominierte Toni Kroos als einzigen Sechser, stellte den Leverkusener Julian Brandt neben Thomas Müller und Mesut Özil in eine offensive Dreier-Mittelfeldreihe und vertraute auf eine Doppelspitze mit dem Gladbacher Kapitän Lars Stindl neben Werner. Leidtragender war Julian Draxler, der bis zur 68. Minute auf der Bank Platz nehmen musste - womöglich ein Vorgeschmack auf das, was ihm nach der spektakulären Verpflichtung des Brasilianers Neymar auch bei seinem Klub Paris St. Germain droht.

Die Risikobereitschaft des Bundestrainers zahlte sich nach nicht einmal vier Minuten aus. Nach einem kurzen Sprint spielte Özil Werner perfekt frei, und der Leipziger erzielte mühelos das 0:1. Sollten die Tschechen überhaupt so etwas wie ein Konzept gehabt haben, so war es jetzt bereits zum Teufel. Doch ganz so einfach, wie es angesichts einiger starker technischer Momente Özils und Kroos‘ rekordverdächtiger Anzahl von Ballkontakten zunächst anmutete, wurde die Sache dann doch nicht. Weil die Gastgeber ihr Kämpferherz entdeckten, damit sogar ihr Publikum weckten und die deutsche Abwehr um Mats Hummels und den zweiten Gladbacher Matthias Ginter einige Male ans Arbeiten brachten.

Unter diesem Eindruck stellte Löw nach einer Stunde lieber auf eine Dreierkette um, brachte Antonio Rüdiger für den unauffälligen Brandt. Doch seine etwas nachlässig gewordene Defensive weckte er damit nicht. Eine Viertelstunde vor dem Ende ließ sie Vladimir Darida von Hertha BSC ungehindert zum Schuss kommen, und der nutzte dies zum verdienten Ausgleich. Ironie des sportlichen Schicksals, dass in Hummels ausgerechnet ein Abwehrspieler doch noch für den Sieg sorgte – neben Özil freilich der Beste auf dem Platz.

Die Rekordspieler FOTO: AP

"Wir haben eindeutig zu viele Fehler gemacht. Wir haben den Tschechen im Spielaufbau oft den Ball serviert und uns das Leben schwer gemacht und viel zu viele Bälle hergeschenkt", sagte Thomas Müller, der erstmals als Kapitän auflief, am RTL-Mikrofon.

(jol)
 
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