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Grandioser WM-Auftakt gegen Australien
Deutschland setzt spielerisch Maßstäbe

WM 2010, Deutschland - Australien: Einzelkritik
WM 2010, Deutschland - Australien: Einzelkritik FOTO: AP
Düsseldorf (RPO). Die deutsche Nationalmannschaft ist mit furiosem Offensiv-Fußball in die WM gestartet. Sicherlich darf das 4:0 gegen staunende Australier nicht überbewertet werden, doch Joachim Löws Team sorgte beim Premieren-Auftritt in Südafrika zweifelsfrei für den bisherigen spielerischen Höhepunkt des Turniers. Von Denis Canalp

Ein paar Minuten Anlaufzeit brauchte die deutsche Auswahl, doch dann war das DFB-Team nicht mehr zu halten. Nachdem die Australier Tim Cahill und Richard Garcia (4.) kein Kapital aus der anfänglichen Unsicherheit Deutschlands schlagen konnten, drehte der Favorit auf und glänzte durch kluges Aufbauspiel, traumhafte Kombinationen, defensive Ordnung, eine gute Zweikampfführung, schnelles Umschalten, präzise Pässe in die Tiefe und Entschlossenheit im Torabschluss. Ein verheißungsvoller Auftakt, den die Konkurrenz aus dem Ausland sicherlich interessiert zur Kenntnis nimmt und der jungen deutschen Mannschaft zu einer breiten Brust verhilft – soviel ist sicher.

Wie aus einem Guss

Lukas Podolskis Führungstreffer in der achten Minute steht exemplarisch für das Offensiv-Spektakel, das Deutschland der Fußball-Welt an diesem Sonntagabend in Durban bot. Der umsichtige Bastian Schweinsteiger fand Mesut Özil mit einem weiten, öffnenden Pass auf dem rechten Flügel. Der schmächtige Spielmacher verarbeitete das Spielgerät technisch perfekt mit dem linken Fuß, zog mit dem am Fuß regelrecht klebenden Ball in die Mitte und ließ seinen Gegenspieler mit einer Finte geschickt ins Leere laufen, dass man sich kurz an Bayern Münchens niederländischen Superstar Arjen Robben erinnert fühlte. Der Bremer behielt bei höchstem Tempo die Übersicht und schickte Thomas Müller mit einem tödlichen Pass durch die Gasse in Richtung des australischen Tores. Der 20-Jährige entschied sich gegen einen Torschuss aus spitzem Winkel und legte stattdessen überlegt den Ball zurück an das Strafraumeck, von wo aus der heranrauschende Podolski fulminant abzog und Keeper Mark Schwarzer überwand.

Ein Spielzug wie aus dem Lehrbuch. Ein Spielzug, der für den neuen deutschen Stil steht, für den kreative Offensiv-Akteure wie Özil, Müller, Podolski, Schweinsteiger und auch der wiedererstarkte Miroslav Klose bürgen. Die Nationalmannschaft spielt attraktiven, modernen Fußball mit Risiko und versucht, den Gegner durch Ballbesitz zu kontrollieren – ähnlich wie in der abgelaufenen Saison der Double-Sieger aus München, der zugleich mit fünf Spielern das Gerüst der deutschen Startelf stellte.

Die Grundordnung ist nahezu identisch ausgelegt, beide Teams setzen auf eine Doppel-Sechs vor der Viererkette und zwei offensiv ausgerichtet Außenspieler im Mittelfeld, die nach der Balleroberung oft in die Rolle von Flügelstürmern wechseln. Beide Mannschaften operieren mit einem Mittelstürmer, doch während der FC Bayern zumeist Müller, der seine famose Leistung mit dem abgezockten Treffer zum 3:0 krönte, als hängende Spitze einsetzt, mimt Özil im DFB-Trikot eher einen klassischen Spielmacher, der jedoch immer wieder den Angreifer an vorderster Front unterstützt.

Bayern-Block und zwei Fragezeichen

Der Bayern-Block verstärkt durch den wachgeküssten Prinz Poldi, den genialen Özil, eine mit Arne Friedrich und Per Mertesacker solide und erfahren besetzte Innenverteidigung, den aufstrebenden Manuel Neuer im Tor und den fleißigen Mittelfeld-Abräumer Sami Khedira, ist sicherlich keine schlechte Mischung. Zudem hat der Bundestrainer in dem torhungrigen Cacau, dem quirligen Marko Marin sowie Toni Kroos, Piotr Trochowski und Mario Gomez spielstarke Spieler in der Hinterhand, die noch eine wichtige Rolle spielen könnten. Und der überzeugende Auftaktsieg sollte das Team wie schon 2006 (4:2 Costa Rica) beflügeln.

Ein kleines Fragezeichen steht noch hinter den Defensivqualitäten der linken deutschen Seite, die mit Holger Badstuber und Podolski besetzt ist. Ist es im Klub der französiche Freigeist Franck Ribery, dem Youngster Badstuber den Rücken phasenweise gegen zwei Gegenspieler freihalten muss, soll er im Nationalteam Podolskis Schwächen in der Defensivarbeit kaschieren. Gegen überforderte Australier war dies noch eine lösbare Aufgabe, doch hier könnte im Verlauf des Turniers noch das ein oder andere Problem auftreten. In Durban deutete der gelernte Innenverteidger mit der sehenswerten Einleitung des vierten deutschen Treffers durch Cacau sogar sein spielerisches Potenzial an.

Es bleibt lediglich abzuwarten, ob es der DFB-Auswahl gelingt, ihr Spiel auch stärkeren Gegnern so dominant aufzudrücken. Die noch ausstehenden Begegnungen gegen Serbien und Ghana werden darüber Aufschluss geben. Doch bis dahin setzt Deutschland erst einmal Maßstäbe bei dieser WM.

(can)
 
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