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WM 2006 gekauft?
DFB-Anwalt droht "Spiegel" mit Schadenersatzforderungen

DFB-Anwalt Christian Schertz droht "Spiegel" mit Schadenersatzforderungen
FOTO: dapd, dapd
Frankfurt/Main. Christian Schertz, Rechtsvertreter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Zusammenhang mit den Korruptionsvorwürfen bei der Vergabe der WM 2006, droht dem Nachrichten-Magazin "Der Spiegel" mit Schadenersatzforderungen.

"Wir werden Unterlassung fordern, wir werden Gegendarstellung fordern, und sollte dem Deutschen Fußball-Bund durch diese Berichterstattung ein wirtschaftlicher Schaden entstehen, werden wir den Spiegel-Verlag dafür auch haftbar machen", sagte der Rechtsanwalt in der Diskussionsrunde "Sky90".

Er finde in dem "Spiegel"-Bericht keinen Beweis für die vorgebrachten Anschuldigungen gegen das deutsche Bewerbungskomitee. Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, WM-Bewerbungs- und OK-Chef Franz Beckenbauer sowie der sogenannte WM-Koordinator Fedor Radmann hatten die Vorwürfe am Wochenende energisch bestritten.

Fragen und Antworten: War WM 2006 in Deutschland gekauft?

Schertz, Fachanwalt für Medienrecht, führte weiter aus: "Ich werde bei dieser Sachlage, die für mich tatsächlich ungewöhnlich und eindeutig ist, dem Präsidenten und dem DFB empfehlen, selbstverständlich eine Gegendarstellung zu verlangen und insbesondere der Aussage mit aller Härte entgegenzutreten, die WM sei gekauft worden aus einer schwarzen Kasse des DFB."

Schertz: "Wenn man dann aber den Spiegel-Artikel, diesen seitenlangen Text, durcharbeitet, und das ist meine Arbeit als Anwalt, den Sachverhalt zu prüfen, dann ist es ein für mich einmaliger Vorgang, da heißt es auf Seite 17 des Artikels wörtlich: 'Es gibt dafür keinen Beweis.' Das heißt, der Spiegel selber sagt: 'Wir haben nicht irgendeinen Beweis für diese Behauptung'." Er habe noch nie eine Geschichte erlebt, die so groß verkauft worden sei, obwohl dann im Artikel stehe, "für diese Kernbehauptung, die hier die Besonderheit und die Gefährlichkeit ausmacht, haben wir keinen Beweis".

Niersbachs Handschrift nicht überprüft

Zur Zahlung von 6,7 Millionen Euro vom deutschen WM-OK an den Weltverband FIFA sagte Schertz: "Man muss ganz sauber trennen, und das passiert im Moment in der ganzen Aufgeregtheit nicht. Man muss trennen zwischen der Behauptung, das Sommermärchen sei gekauft worden, und der Summe, die hier vom Spiegel festgestellt wurde. Dieser Sachverhalt ist bekannt und wird geprüft, und er wurde in den letzten Wochen auch intern beim DFB geprüft. Wenn die Verantwortlichen im Spätsommer von einem Sachverhalt Kenntnis erhalten, können sie nicht einfach sofort zu den Medien rennen und ständig Wasserstandsmeldungen machen."

Zitate: Reaktionen zu den Korruptionsvorwürfen FOTO: ap, CHR, FO

Die Prüfung sei noch nicht abgeschlossen, man sei jetzt an die Medien gegangen, "weil die Thematik öffentlich geworden ist. Der saubere Weg wäre es gewesen, den Sachverhalt noch abschließend zu prüfen, aber das ist im Augenblick der Zwischenstand", so der Justiziar. Jens Weinreich, Co-Autor des "Spiegel"-Artikels, äußerte auf die Frage, ob die Handschrift von Niersbach als Randnotiz auf einem Schreiben geprüft worden sei: "Das haben wir noch nicht prüfen lassen, nein."

Schily fordert Erklärung von der Fifa

Im Wirbel um eine 2005 durch den DFB an die Fifa erfolgte Zahlung von 6,7 Millionen Euro sieht der damalige Bundesinnenminister Otto Schily den Fußball-Weltverband in Erklärungsnot. Das sei eine Frage, die eigentlich die Fifa betreffe, sagte Schily am Montag im "Morgenmagazin" der ARD. Natürlich gebe es auch für den DFB Grund, das zu überprüfen. "Aber normalerweise, wenn ich an einen Verein etwas zahle, dann gehe ich davon aus, dass das auch bestimmungsgemäß verwendet wird", sagte der SPD-Politiker.

Chronologie der deutschen Bewerbung

Der Deutsche Fußball-Bund hatte Ungereimtheiten um die Zahlung eingeräumt und auf interne sowie externe Untersuchungen verwiesen. Schily sieht den Verband allerdings nicht in der Bringschuld. Beim DFB habe es 2005 in Theo Zwanziger einen Schatzmeister gegeben, "der hat alle Zahlungen höchst penibel geprüft – und das musste ja auch so sein, denn der DFB ist eine gemeinnützige Organisation."

Für den Zuschlag der Weltmeisterschaft 2006 soll nach einem unbestätigten Bericht des "Spiegel" Geld aus einer schwarzen Kasse des Bewerbungskomitees geflossen sein. Auch Schily hatte dem Bewerbungskomitee angehört. Die 6,7-Millionen-Euro-Zahlung hat laut DFB aber in keinem Zusammenhang mit der WM-Vergabe gestanden, den Verdacht des Stimmenkaufs weist der Verband vehement zurück.

(can/sid/dpa)
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