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WM-Affäre
DFB brüskiert den Bundestag

Porträt: Reinhard Grindel: Der neue DFB-Präsident
Porträt: Reinhard Grindel: Der neue DFB-Präsident FOTO: dpa, fis jhe
Berlin/Düsseldorf. Der Deutsche Fußball-Bund hat seine Teilnahme an einer Sitzung des Sportausschusses zum WM-Skandal 2006 abgesagt. Im Bundestagsgremium sorgt das Fernbleiben der Verbandsspitze für Empörung. Von Gianni Costa, Stefan Klüttermann und Patrick Scherer

Für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) sind die Unregelmäßigkeiten rund um die Vergabe der WM 2006 weitgehend aufgeklärt. Der größte Sportfachverband der Welt verweist dazu gerne auf die Ergebnisse der von ihm in Auftrag gegebenen Ermittlungen der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. Die Führungsspitze des Verbands hat sich selbst für die Transparenz bei der Untersuchung gelobt. Die Juristen kamen zur Feststellung, keine eindeutigen Beweise dafür gefunden zu haben, dass Mitglieder des Weltverbands Fifa bestochen wurden, um das Sommermärchen nach Deutschland zu holen. Doch dann wurde bekannt, dass die externen Prüfer nicht alle ihre Erkenntnisse deutlich hörbar kommuniziert haben. Dazu gehört unter anderem, dass Franz Beckenbauer als damaliger Cheforganisator der WM vom DFB Millionen für Oddset-Werbung erhalten hatte.

Der Sportausschuss des Bundestags hat deswegen für den 14. Dezember in einer regulären Sitzung das Thema noch einmal auf die Tagesordnung gesetzt. Die Politiker wollen ein paar Nachfragen stellen und haben deshalb auch das DFB-Präsidium eingeladen. Dessen Chef Reinhard Grindel gab dem Gremium nun allerdings einen Korb. "Längerfristige terminliche Verpflichtungen", so heißt es in einem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, hätten zur Absage geführt. DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius, der nach eigenem Bekunden im Auftrag von Grindel die Botschaft versendet hat, stellt zudem fest: "Anlässlich dieses Schreibens erlauben wir uns auch die Zuständigkeit des Deutschen Bundestages in dieser Angelegenheit kritisch zu hinterfragen."

Eine erstaunliche Einschätzung. Immerhin war Grindel vor seinem Wechsel an die Verbandsspitze als CDU-Bundestagsabgeordneter bis November 2015 stellvertretender Vorsitzender des Sportausschusses. Auf viele seiner alten Kollegen ist er aber offenbar nicht gut zu sprechen. Jedenfalls klagt Grindel in dem Schreiben an: Aufgrund von "öffentlichen Äußerungen einiger Mitglieder des Sportausschusses vermissen wir darüber hinaus leider eine geeignete Grundlage für ein vertrauensvolles Gespräch mit dem Sportausschuss (...)."

Damit ist im Besonderen der Grünen-Politiker Özcan Mutlu gemeint, mit dem sich Grindel schon seit Jahren auf politischer Ebene beharkt. Eine derartige Vorlage wie die DFB-Absage lässt sich Mutlu, sportpolitischer Sprecher seiner Partei, nicht entgehen: "Es sieht so aus, als wäre dem DFB hier der Kompass abhandengekommen." Eine "skandaldurchsetzte Fußball-WM, die in Deutschland stattgefunden hat, die für Bewerbung und Durchführung massive Unterstützung aus der deutschen Politik erfahren hat, fällt sehr wohl in die Zuständigkeit des Deutschen Bundestags", sagt er.

Dagmar Freitag (SPD), Vorsitzende des Sportausschusses und Adressatin des DFB-Schreibens, weilt nach Auskunft ihres Büros zurzeit in den USA und wollte sich auf Anfrage unserer Redaktion nicht zu dem Vorgang äußern. Eberhard Gienger, sportpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sagt: "Die Aufarbeitung der WM-Vergabe 2006 ist von großem Interesse für den Sportausschuss und für künftige Förderentscheidungen und die Unterstützung von Großsportereignissen in Deutschland." Die bisher aufgedeckten Missstände dürften sich bei keinem Event wiederholen.

Der DFB wollte seine Absage gegenüber unserer Redaktion nicht weiter kommentieren.

Quelle: RP
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