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Spur führt zu Warner
Beckenbauer soll brisantes Schriftstück unterzeichnet haben

DFB: Franz Beckenbauer soll brisantes Schriftstück unterzeichnet haben
Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach. FOTO: dpa, pe_ae hpl gfh nic
Frankfurt/Main. Wie geht es weiter mit dem DFB? Die neuen Führungskräfte versprechen eine konsequente Aufarbeitung aller Vorwürfe - auch der neuen. Diese könnten enorme Sprengkraft haben. Auch Franz Beckenbauer soll sich nicht mehr wegducken können.

Am Tag nach dem Rücktritt von Präsident Wolfgang Niersbach verspricht der Deutsche Fußball-Bund weiter eine konsequente Aufklärung der immer brisanteren Sommermärchen-Affäre. Angesichts neuer - auf mögliche Korruptionsversuche zumindest hindeutenden - Erkenntnisse rückt immer mehr Franz Beckenbauer als WM-Organisationschef 2006 ins Blickfeld.

"Wir haben die Bitte, dass er sich intensiver einbringt in die Aufklärung der Vorgänge", sagte Interims-Präsident Rainer Koch, der gemeinsam mit Ligapräsident Reinhard Rauball vorläufig die DFB-Geschäfte in dessen größter Krise führen wird.

Korruption bei WM-Vergaben FOTO: ap

"Wir wollen uns nicht mehr auf die Frage des Verbleibs der 6,7 Millionen Euro beschränken, wir wollen uns intensiv mit der Frage beschäftigen, was ist bei der Vergabe der WM 2006 passiert?", hatte Koch unmittelbar nach dem Rücktritts Niersbachs gesagt und damit Spekulationen über gravierende Verfehlungen der WM-Macher geschürt.

In diesen Zusammenhang passte ein Bericht der "Süddeutsche Zeitung", laut dem bei den internen Ermittlungen im DFB ein Vertragsentwurf aus dem Jahr 2000 gefunden worden sei, der einem Mitglied der Fifa-Exekutive Vorteile versprochen haben könnte. Wie die "Bild" berichtet, soll Beckenbauer das Dokument unterschrieben haben – vier Tage vor dem Tag der WM-Vergabe am 6. Juli 2000.

Überblick: Die Zuständigkeiten im deutschen OK bei der WM FOTO: dpa

Wie die "SZ" unter Berufung auf einen Insider weiter berichtet, steht der Ex-Spitzenfunktionär Jack Warner in Verdacht möglicher Nutznießer gewesen zu sein. Warner war ehemals Präsident des nord- und zentralamerikanischen und karibischen Fußballverbandes (Concacaf) sowie bis 2011 auch Vizepräsident des Weltverbandes Fifa. Warner war im September lebenslang wegen Korruption gesperrt worden.

"Ich weiß, wer den Vertrag unterschrieben hat", sagte Rainer Koch, der Niersbachs Amtsgeschäfte zusammen mit Liga-Präsident Reinhard Rauball kommissarisch übernommen hat, am Rande einer Veranstaltung des Bayerischen Rundfunks am Dienstag. Er wolle sich aber zunächst mit Rauball abstimmen: "Wir müssen sorgsam damit umgehen."

Das ist Jack Warner FOTO: dpa

Beckenbauer hatte gegenüber den DFB-Ermittlern der Wirtschaftskanzlei Freshfields ausgesagt. In einem Vier-Augen-Gespräch mit Niersbach soll es aber zu Dissonanzen zwischen den jahrzehntelangen Männerfreunden zum Umgang mit der Affäre gekommen sein.

Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestages, hofft nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auf ein Umdenken im Verband. "Der DFB hat jetzt auch eine große Chance", sagte die 62-jährige SPD-Politikerin unserer Redaktion. "So bedauerlich die Gesamtsituation auch ist. Die Tatsache, dass Niersbach den Platz an der Spitze freigemacht hat, bietet dem DFB die Möglichkeit, Transparent alle Ungereimtheiten rund um die Weltmeisterschaft 2006 aufzuklären und auch möglicherweise seine Strukturen in der Organisation zu ändern."

Angesichts der brisanten Lage rückte die Frage nach einem dauerhaften Nachfolger für Niersbach etwas in den Hintergrund. Koch und Rauball sind als Interimspräsidenten natürliche Kandidaten. Doch die Machtfrage im DFB könnte in den kommenden Wochen intensiv disktutiert werden. Auch Schatzmeister Reinhard Grindel werden Ambitionen nachgesagt. Oliver Bierhoff, als Teammanager der Weltmeister-Auswahl dem Profifußball zugewandt, fehlen wohl der unbedingte Wille und auch die Unterstützung der weiterhin mächtigen Amateurbasis.

Etwas überraschend wollen die neuen starken Männer im DFB ihre Aufgabenverteilung nicht unmittelbar in der Verbandszentrale besprechen, sondern hierfür die Nationalmannschaftsreise nach Paris von Donnerstag an nutzen. Rauball übernimmt für Niersbach die Delegationsleitung beim Auftritt des Weltmeisters beim EM-Gastgeber. Koch und Grindel sind in der französischen Hauptstadt ebenfalls vor Ort. Die Aufräumarbeiten in der DFB-Zentrale finden also zumindest in der zweiten Wochenhälfte ohne die neue Führungscrew statt.

(areh/dpa)
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