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Löw sieht Steigerungsbedarf
"In Russland warten ganz andere Kaliber"

Pressestimmen: "Weltmeister mit zwei Gesichtern"
Pressestimmen: "Weltmeister mit zwei Gesichtern" FOTO: dpa, jhe
Die deutsche Nationalmannschaft spielt zwar ergebnistechnisch eine perfekte WM-Qualifikation. Doch nicht nur Joachim Löw weiß, dass das Team sich bei der Endrunde noch steigern muss - zumal sogar Aserbaidschan Deutschland Probleme bereitete. Von Robert Peters, Kaiserslautern

Am Ende schwappte dann auch die Begeisterungswelle über die Ränge des Stadions in Kaiserslautern. 37.000 Zuschauer feierten eine nach allen Regeln der Fußball-Arithmetik perfekte WM-Qualifikation. Auch zum Abschluss der Gruppenspiele gab es einen deutschen Sieg. Das 5:1 gegen alles in allem überforderte Gäste aus Aserbaidschan ist der zehnte Erfolg in der zehnten Partie.

Das gefiel Bundestrainer Joachim Löw natürlich. "Das war von Anfang an unser Ziel, wir wollten die Qualifikation dominieren", sagte er. Von der Überlegenheit seiner Mannschaft lässt er sich den Blick auf die Wirklichkeit einer WM-Endrunde allerdings nicht verstellen. "Bei allem Respekt vor unseren Gruppengegnern Aserbaidschan, Norwegen, Nordirland, Tschechien und San Marino - in Russland warten nächstes Jahr andere Kaliber", erklärte Löw, "da werden wir uns steigern müssen."

Einzelkritik: Leno patzt, Goretzka zaubert FOTO: ap, PRO

Niemand wird da widersprechen. Selbst Aserbaidschan brachte es fertig, der freilich ziemlich neu zusammengestellten deutschen Mannschaft eine Halbzeit lang Probleme zu bereiten. Die zweite Garde der deutschen Innenverteidiger - namentlich Niklas Süle, Skhodran Mustafi, Antonio Rüdiger und Matthias Ginter - offenbarte Schwierigkeiten im Aufbauspiel gegen attackierende Gegner. Alle vier durften sich bereits in der ersten Hälfte dem Publikum vorstellen, denn Süle und Mustafi verletzten sich früh und wurden gegen Rüdiger und Ginter ausgewechselt.

Erste Halbzeit grenzt an Peinlichkeit

Das gesamte deutsche Spiel kam nicht ins Laufen, solange Aserbaidschan die Kraft hatte, in den Zweikämpfen und Laufduellen mitzuhalten. "Wir waren vielleicht auch ein bisschen unkonzentriert", räumte Mittelstürmer Sandro Wagner ein. Deutlicher Beleg: Auch nach dem frühen 1:0 durch Leon Goretzkas Hackentreffer leistete sich die Abwehr viele Ungenauigkeiten und teilweise derbe Patzer in den Zweikämpfen. Rüdiger gestattete Ramil Sheydaev den Ausgleich, weil er sich auf dem vielzitierten Bierdeckel austanzen ließ. Und Torwart Bernd Leno ließ dem Ball am ebenso oft zitierten kurzen Pfosten passieren - ein Hauch von Peinlichkeit.

"Umso schöner, dass wir es danach besser gemacht haben", sagte Wagner. Er ging mit gutem Beispiel voran. Während bei Aserbaidschan nach der Pause die Kräfte schwanden, brachte er die deutsche Mannschaft mit einem Kopfball wieder in Führung. Die Gäste kamen nicht mehr in die Zweikämpfe, die DFB-Auswahl verschärfte das Tempo, und die Treffer fielen zwangsläufig. Rüdiger wetzte die kleine Scharte vom Gegentor mit einem Kopfball aus, der zum 3:1 führte. Goretzka unterstrich seine bemerkenswerte Form mit seinem zweiten Tor auf Vorarbeit von Leroy Sané. Und Emre Can wuchtete den Ball mit einem kernigen Weitschuss zum Endstand in die Maschen. "Die zweite Halbzeit war gut", stellte Löw knapp fest.

Für ihn hat längst die Vorbereitung auf die WM-Endrunde begonnen. Das Spiel gegen Aserbaidschan war bereits der erste Testlauf, in dem sich einige aus der zweiten Reihe zeigen sollten. Goretzka, der vielleicht schon gar nicht mehr in der zweiten Reihe steht, nutzte diese Chance mit dem größten Nachdruck.

Bereits in den Testspielen im Herbst und Frühjahr warten härtere Aufgaben als die gegen Aserbaidschan. Im November geht es nach England und in Köln wahrscheinlich gegen Frankreich, im März gibt es Freundschaftsspiele gegen Spanien und Brasilien. "Da werden wir ganz anders gefordert", sagte Löw. Ihm geht es darum, bis zum WM-Turnier die Konzentration hochzuhalten, "die übermenschliche Motivation zu erhalten", wie er das nennt. "Ganz klar, wir müssen hart arbeiten und uns als Mannschaft weiterentwickeln", erklärte der Bundestrainer. So richtig streng mochte er nach dieser dann doch gelungenen Qualifikation aber nicht schauen. Noch nicht.

 
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