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WM-Affäre
Radmann stempelt Forderung des DFB als "völlig absurd" ab

Überblick: Die Zuständigkeiten im deutschen OK bei der WM
Überblick: Die Zuständigkeiten im deutschen OK bei der WM FOTO: dpa
Frankfurt/Main. Über den juristischen Winkelzug des DFB lacht Fedor Radmann nur höhnisch. "Die Forderung von 6,7 Millionen Euro ist völlig absurd, hanebüchen und bar jeder Grundlage", sagte die Schlüsselfigur in der WM-Affäre: "Selbstverständlich habe ich sofort reagiert und eine Zahlung abgelehnt. Es gibt auch null Anlass, etwas von mir zu fordern."

Mit einem "Betreibungsverfahren", zugestellt in Radmanns Schweizer Wohnort Teufen, sichert sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in der WM-Affäre auch in Richtung des engsten Vertrauten Franz Beckenbauers ab. Der Verband hatte mit sogenannten "Güteanträgen" gegen den damaligen OK-Chef Beckenbauer, die Ex-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach und den früheren Generalsekretär Horst R. Schmidt ähnlich gehandelt: So verhindert der DFB eine Verjährung möglicher Ansprüche gegen Macher des Sommermärchens von 2006.

Am 8. Januar erhielt also Radmann sein Schreiben, angepasst an das Rechtssystem der Schweiz. "Nun muss der DFB beweisen, dass er überhaupt eine berechtigte Forderung gegen mich hat", sagte Radmann: "Ich werde ja juristisch beraten. Die lachen noch nicht mal mehr darüber, was die so klugen Herren beim DFB jetzt tun, sondern machen sich darüber nur noch lustig. Das wird vollkommen ins Leere laufen."

Der DFB hat natürlich nicht erwartet, dass Radmann eine Millionensumme überweist und damit eine Schuld eingesteht. Der Verband kommt nur seiner Pflicht nach, mögliche Schadenersatz-Ansprüche auch noch einfordern zu können. "Wir haben die erforderlichen Schritte zur Sicherung möglicher Ansprüche des gemeinnützigen Verbandes fristgerecht eingeleitet", sagte Interimspräsident Rainer Koch am Dienstag.

Es gehe dabei nur "um die Sicherung von Rechtspositionen, konkrete Zahlungsaufforderungen wurden nicht verschickt". Das Verfahren in der Schweiz unterscheide sich zwar in der Ausgestaltung, verfolge aber "dasselbe Ziel". Koch wollte geräuscharm handeln und eine Schlammschlacht vermeiden – aber sie ist schon im Gange.

Die genannten 6,7 Millionen entsprechen exakt der Summe, deren ungeklärter Weg Auslöser der Affäre war. Das WM-Organisationskomitee hat sie 2005 auf ein Konto des Weltverbandes Fifa überwiesen – verschleiert als Beitrag zum Kulturprogramm. Die Unterschrift leisteten Schmidt und Zwanziger. Mutmaßlich sollte das Geld an den früheren adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus weitergeleitet werden.

Radmann (71) war zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits aus dem WM-OK ausgeschieden (Juni 2003). Es kann nun also nur darum gehen, dass Beckenbauer 2002 - angeblich persönlich mit dem inzwischen gesperrten Fifa-Boss Joseph S. Blatter – einen Deal eingefädelt hat: Zunächst sollten 6,7 Millionen Euro an die Fifa überwiesen werden, laut Beckenbauer zur Sicherung eines späteren Zuschusses seitens des Weltverbandes zur WM in Höhe von 170 Millionen Euro. Die Summe soll Dreyfus ihm vorgestreckt haben. Blatter bestreitet den gesamten Vorgang.

Radmann wiederholte im SID-Gespräch seine Ansicht: Nach seinem Kenntnisstand sei im Zuge der WM-Vergabe "niemals bestochen" worden, es sei "nichts Unredliches passiert". Sein einstiger Schwur auf das Leben seiner sechs Kinder jedoch sei "unglücklich" gewesen: "Das würde ich nicht noch einmal sagen."

(seeg/sid)
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