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Erste Stellungnahme
Beckenbauer bestreitet Stimmenkauf und räumt Fehler ein

Das ist aus den WM-Helden von 1990 geworden
Das ist aus den WM-Helden von 1990 geworden FOTO: dpa, jhe sk_A hak nic
Köln. Franz Beckenbauer hat sich in der WM-Affäre vor der externen Untersuchungskommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erklärt und eine Manipulation bei der Vergabe der WM 2006 bestritten.

"Es wurden keine Stimmen gekauft, um den Zuschlag für die Fußballweltmeisterschaft 2006 zu bekommen", teilte der 70-Jährige am Montagabend in einer Stellungnahme mit.

Gleichzeitig räumte Beckenbauer ein Fehlverhalten des Organisationskomitees ein. "Um einen Finanzierungszuschuss der Fifa zu erhalten, wurde auf einen Vorschlag seitens der Fifa-Finanzkommission eingegangen, den die Beteiligten aus heutiger Sicht hätten zurückweisen sollen. Für diesen Fehler trage ich als Präsident des damaligen Organisationskomitees die Verantwortung", so Beckenbauer.

Zwar nannte Beckenbauer keine Zahlen, dennoch bestätigte er mit seiner Erklärung Aussagen von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Der 64-Jährige hatte am Donnerstag mit Hinweis auf persönliche Erinnerungen von Beckenbauer an ein Treffen 2002 mit Blatter in der Zentrale der Fifa eine angebliche 6,7-Millionen-Euro-Zahlung des früheren adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus erläutert. Demnach hätte Blatter die Zahlung gegenüber Beckenbauer zur Bedingung für einen spätere 170-Millionen-Euro-Zuschuss der Fifa für die deutschen WM-Macher erklärt, ehe Dreyfus für das WM-OK gegen einen Schuldschein Beckenbauers in Vorleistung gegangen wäre. 2005 sollen die WM-Organisatoren das Geld über den Umweg Fifa als Beitrag zu einem Kulturprogramm an Dreyfus zurückgezahlt haben.

Eine weitere Erklärung will Beckenbauer vorerst nicht abgeben. "Um die weiteren Befragungen nicht zu beeinträchtigen, werde ich mich anders als andere Beteiligte, deren Verhalten ich teilweise als unsäglich empfinde, derzeit nicht weiter äußern. Damit entspreche ich auch einer Bitte der externen Untersuchungskommission", sagte Beckenbauer und kritisierte damit offenkundig den ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, der im Nachrichtenmagazin Spiegel von schwarzen Kassen bei der WM-Bewerbung gesprochen und Niersbach der Lüge bezichtigt hatte.

Beckenbauer hatte die Korruptionsvorwürfe des Spiegel gegen die WM-Macher im Zusammenhang mit dem Zuschlag für Deutschland im Juli 2000 bereits kurz nach ihrer Veröffentlichung zurückgewiesen.

Beckenbauer hat damit sein bisheriges Schweigen in der WM-Affäre gebrochen. Zuvor waren die Stimmen nach rascher Aufklärung beim DFB lauter geworden, um Schaden vom Fußball abzuwenden. Auch der Präsident von Borussia Mönchengladbach, Rolf Königs, äußerte Bedenken.

"Die Dinge müssen sauber aufgeklärt werden und rasch auf den Tisch. Es muss klar Schiff gemacht werden beim DFB. Die Affäre schadet dem Fußball in Deutschland im Allgemeinen", sagte der Mönchengladbacher Sportfunktionär und Unternehmer im Rahmen einer Veranstaltung unserer Redaktion.

(ems/sid)
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