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DFB-Krisengipfel
Heute geht es zum Niersbachs Zukunft

Fotos: Niersbach sieht Spiel in Mainz mit Freundin Marion
Fotos: Niersbach sieht Spiel in Mainz mit Freundin Marion FOTO: dpa, fve kno
Frankfurt/Main. Befreiungsschlag oder Offenbarungseid: Der angezählte Präsident Wolfgang Niersbach muss beim Krisengipfel des taumelnden Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Montag endlich entscheidende Fortschritte bei der Aufklärung der Affäre um die WM 2006 präsentieren und seine "Unschuld" beweisen. Scheitert Niersbach (erneut) bei diesem Unterfangen, ist der 64-Jährige wohl kaum mehr zu halten.

Wenn sich das DFB-Präsidium um 14.30 Uhr in der Frankfurter Verbandszentrale zu seiner außerordentlichen Sitzung trifft und zwei Stunden später die 16 Präsidenten der Landesverbände dazustoßen, sollte Niersbach Antworten auf die zahlreichen ungeklärten Fragen parat haben, wenn er seinen Posten behalten will.

Wie groß der Druck auf den Präsidenten ist, zeigt nicht nur der Auftritt von Aktivisten, die am Samstag mit Niersbach-Masken beim Sportpresseball falsche Geldscheine warfen. Politiker und DFB-Vorstandsmitglieder rufen immer lauter nach Aufklärung, Nachfolge-Szenarien (Rainer Koch, Reinhard Rauball) werden bereits durchgespielt.

Doch noch genießt Niersbach (trotz der Ermittlungen der Steuerbehörden) großen Rückhalt – vor allem im Profibereich (Klaus Allofs, Hans-Joachim Watzke, Harald Strutz). Dennoch muss Niersbach endlich die drängendsten Fragen beantworten.

Warum lässt Schlüsselfigur Franz Beckenbauer seinen langjährigen Freund Niersbach im Regen stehen und verweigert die Aufklärung des Skandals?

Zahlreiche DFB-Landesfürsten forderten zuletzt erfolglos klare Worte von WM-Organisationsboss Beckenbauer, der sich offenbar nicht "opfern" und die Verantwortung auf sich nehmen will.

Seit wann weiß Niersbach von der dubiosen Zahlung der 6,7 Millionen Euro, die angeblich an den Weltverband FIFA gegangen sein soll, deren Verwendungszweck aber weiter völlig offen ist?

Der DFB-Boss beharrte bisher darauf, erst seit dem zurückliegenden Sommer davon zu wissen. Dagegen suggeriert das Nachrichtenmagazin Der Spiegel durch ein veröffentlichtes Dokument, dass Niersbach schon seit November 2004 von dem Millionen-Darlehen des früheren adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus und dessen geplanter Rückzahlung wusste.

Wurde Niersbach von seinem Vorgänger Theo Zwanziger und dem früheren Generalsekretär Horst R. Schmidt aufs Glatteis geführt?

Diesen Schluss lassen Medienberichte zu, wonach Zwanziger und Schmidt den damals neu im Amt befindlichen Generalsekretär Niersbach im Oktober 2007 die längst fertiggestellte Steuererklärung von 2006 - inklusive der 6,7 Millionen Euro – unterschreiben ließen.

Eben jene Steuererklärung war der Grund für die Razzia am vergangenen Dienstag beim DFB sowie bei Zwanziger, Schmidt und Niersbach. Die Summe der hinterzogenen Steuern könnte sich laut Spiegel auf 2,6 Millionen Euro belaufen.

Ob die alles entscheidende Frage ohne das Zutun Beckenbauers und anderer Beteiligter jemals geklärt werden kann, scheint unwahrscheinlich, dennoch wird sie am Montag Thema sein: Wohin gingen die 6,7 Millionen Euro am Ende und war das Sommermärchen vielleicht doch gekauft?

Sollte das Geld – wie von vielen Seiten angedeutet und vermutet – zum Stimmenkauf nach Asien geflossen sein, wäre der Ruf des DFB schwer beschädigt. Von möglichen Regressforderungen anderer WM-Bewerber ganz abgesehen, wäre die fast schon beschlossene EM-Endrunde 2024 in Deutschland ernsthaft in Gefahr.

Trotz der belastenden Situation und anderer Baustellen (mögliche Ermittlungen gegen Niersbach durch die Fifa-Ethikkommission, Einrichtung einer solchen beim DFB, Fragen nach den Rollen von Zwanziger, Günter Netzer und dem damaligen Innenminister Otto Schily, bedrohte Gemeinnützigkeit des DFB, Strukturreform des Verbands) scheint Niersbach von einem Verbleib im Amt auszugehen.

Der Präsident will zum Länderspiel des Weltmeisters gegen Frankreich am Freitag (21 Uhr/Live-Ticker) nach Paris reisen. Das berichtete die ARD nach einem Gespräch mit Niersbach, der das Bundesliga-Spiel des FSV Mainz 05 gegen den VfL Wolfsburg (2:0) verfolgt hatte. Er sei nicht abgetaucht und verspüre großen Rückhalt, sagte Niersbach laut der ARD.

(sid)
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