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Als Nummer eins zur WM
Rene Adler kriegt die Flatter

Adlers Patzer gegen Hamburg
Adlers Patzer gegen Hamburg FOTO: ddp
Leverkusen (RP). Bundestrainer Löw hat sich im Blick auf die Fußball-Weltmeisterschaft früh auf den Leverkusener Rene Adler als Torhüter Nummer eins festgelegt. Die Fehler des 25-Jährigen durchkreuzen nun diese Pläne. Von Stefan Klüttermann

Jupp Heynckes versuchte, der Situation mit lockerem Witz zu begegnen, als bei vielen in Fußball-Deutschland bereits hörbar die Alarmglocken schrillten. Auf den groben Patzer von Nationaltorhüter René Adler im Spiel gegen den Hamburger SV angesprochen, sagte Bayer Leverkusens Trainer: "Der René wird ab sofort einen Englisch-Kurs belegen und Sami Hyypiä noch besser Deutsch lernen, damit die Abstimmung besser klappt." Die Zahl der Lacher blieb überschaubar.

Seit Bundestrainer Joachim Löw Bayers Nummer eins Anfang des Monats auch zur Nummer eins im DFB-Tor ernannt hat, häufen sich die Fehler in Adlers Spiel, scheint die Übermotivation sein ständiger Begleiter auf dem Rasen. Beim Länderspiel gegen Argentinien zog sein fehlgeschlagener Ausflug bis an die Mittellinie den Siegtreffer der Gauchos nach sich, vor einer Woche in Nürnberg sah er beim dritten Gegentor unglücklich aus.

Jetzt, gegen Hamburg, misslang eine Faustabwehr am Elfmeterpunkt derart, dass Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer sagte, in einer Schülermannschaft lege man dem Torhüter nach so einem Fehler den Wechsel der Sportart nahe. Hat also ausgerechnet Deutschland, das Land der Dichter, Denker und Weltklassetorhüter, vor der WM ein Torwartproblem? Adler stellte sich nach dem HSV-Spiel und gab zu: "Das sieht blöd aus." Er mache seinem Team ein Kompliment, dass es ihn momentan mit durchschleppe.

Eigentlich wollte Löw mit einer frühzeitigen Festlegung auf einen Stammkeeper einen Diskussionsherd in der Vorbereitung auf das Turnier in Südafrika ausschalten. Er wollte es anders machen als 2006, als Jürgen Klinsmann sich erst kurz vor der WM für Jens Lehmann und gegen Oliver Kahn entschied und das Thema im Vorfeld wochenlang die Schlagzeilen beherrscht hatte.

Adlers Fehler durchkreuzen nun diese Pläne – und mehr noch rufen sie seine Kontrahenten Manuel Neuer und Tim Wiese sowie deren Fürsprecher in Schalke, Bremen und beim Verband auf den Plan. So erklärte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer via TV: "In der Diskussion um Manuel Neuer sage ich das Gleiche wie seit zwei Jahren: Er hat einfach überragende Voraussetzungen. Aber das heißt nicht, dass René Adler schlecht ist. Manuel ist für mich der Torhüter der Zukunft, wann immer die Zukunft kommt."

Bremens Manager Klaus Allofs hatte unlängst bereits beteuert, er werte die Entscheidung pro Adler nicht als Freifahrtschein. Bis zum Sommer könne schließlich noch viel geschehen.

Im Dreikampf ums DFB-Tor sprechen vor allem Nervenstärke und die Ruhe in 1:1-Situationen für den Leverkusener Keeper. Insofern verwundert es viele Betrachter, wenn der 25-jährige gebürtige Leipziger nun mit riskanten Ausflügen aus seinem Tor seinen Kredit bei den DFB-Verantwortlichen unnötig aufs Spiel setzt.

Adler gilt als Musterprofi, fokussiert auf seine tägliche Trainingsarbeit, ehrgeizig und mit klaren Zielen. Er weiß, dass 2010 das Jahr werden kann, in dem er sich der Welt präsentiert – mit Bayer 04 in der Champions League und mit Deutschland bei der WM. Doch dieses Wissen scheint momentan eher Bürde als Antrieb.

Jupp Heynckes befand neulich, es mache Adler doch sympathisch, wenn er sich nach Fehlern hinstelle und diese öffentlich zugebe. Beide hätten wohl nichts dagegen, wenn Sympathiewerte bald wieder einzig auf der Leistung beruhten.

Quelle: RP
 
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