| 18.58 Uhr

Millionenzahlung rund um WM
Schlammschlacht zwischen Beckenbauer und DFB

Der Geldfluss vor der WM 2006
Der Geldfluss vor der WM 2006
Köln/Athen. Die Enthüllungen über Zahlung an Franz Beckenbauer während seiner Amtszeit als Organisationschef der WM 2006 belasten die Beziehungen zwischen dem DFB und seiner wohl berühmtesten Persönlichkeit schwer.

Das kaschierte Millionen-Honorar an Franz Beckenbauer beschwört eine Schlammschlacht zwischen dem tief gefallenen "Kaiser" und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) herauf. Nach der Enthüllung von Zahlungen an den damaligen WM-Chef über insgesamt 5,5 Millionen Euro aus dem DFB-Vertrag mit einem WM-Sponsor (Oddset) ging DFB-Präsident Reinhard Grindel so deutlich wie noch nie seit Beginn der Affäre um ungeklärte Millionen-Schiebereien auf Distanz zur wohl bedeutendsten Figur des deutschen Fußballs.

"Für mich", sagte Grindel auf dem Uefa-Kongress in Athen mit Blick auf Beckenbauers bisher unbekannte Nebeneinnahmen, "ist dieser ärgerliche Vorgang ein neuerlicher Beleg, dass das Organisationskomitee der WM 2006 auf Abschottung gesetzt hat, dass dort keine Transparenz geherrscht hat und die Öffentlichkeit in Teilen auch getäuscht worden ist. Das verurteile ich."

Einmal in Fahrt, wurde Grindel noch deutlicher: "Es war bekannt, dass Franz Beckenbauer im Umfeld der WM 2006 als Werbeträger für Oddset tätig war. Es war uns bis Montagnachmittag nicht bekannt, dass er dafür die beachtliche Summe von 5,5 Millionen aus dem Topf für die Organisation der WM 2006 erhalten hat. Man kann vor diesem Hintergrund sicher nicht davon sprechen, dass seine Tätigkeit im OK ehrenamtlich war." Für ihn sei "völlig unverständlich", warum die Mitglieder des damaligen Organisationskomitees diese These über einen so langen Zeitraum vertreten hätten.

Beckenbauer-Anwälte wehren sich

Beckenbauers Anwälte Werner Leitner und Michael Nesselhauf wiesen die Attacken des DFB-Bosses, die auf die jahrelang stets suggerierte Ehrenamtlichkeit des Weltmeister-Kapitäns und -Teamchefs bei der Ausübung seines OK-Jobs zielten, prompt zurück. "Die Behauptung von DFB-Chef Reinhard Grindel, Beckenbauer habe die Öffentlichkeit getäuscht, trifft nicht zu", hieß es in einer am Mittwoch verbreiteten Erklärung der Hamburger Kanzlei Nesselhauf.

Zur Ehrenrettung ihres berühmten, aber wegen der WM-Affäre ohnehin schon schwer angezählten Mandanten bemühten sich Beckenbauers Rechtsbeistände auch um juristische Haarspalterei: Der WM-Chef Beckenbauer habe unentgeltlich gewirkt, die auch in dieser Funktion vom WM-Sponsor verpflichtete PR-Ikone Beckenbauer hingegen hätte legitimerweise Einnahmen aus werblichen Aktivitäten erzielt, lautete die Lesart von Leitners und Nesselhaufs Erklärung: "Dem DFB ist der gesamte Komplex von Beginn an bekannt. Es gab keine Geheimverträge und keine versteckte Millionen-Zahlung."

Zur tatsächlichen Rechtmäßigkeit der fünfteiligen Zahlung an den heute 71-Jährigen zwischen Anfang 2005 bis Ende 2006 wiesen die beiden Anwälte auf die "ordnungsgemäße und unverzügliche" Versteuerung der betreffenden Einnahmen durch Beckenbauer in seiner Wahlheimat Österreich hin.

Leitner und Nesselhauf ließen allerdings die entscheidende Frage nach der damals defensiven Kommunikation von Beckenbauers bezahlten Werbeaufträgen offen. In der Tat hatte die Öffentlichkeit im Vorfeld des WM-Heimspiels 2006 durch die meisten Darstellungen seiner Aktivitäten beinahe schon glauben müssen, dass Beckenbauer sich aus rein idealistischen Gründen für das Spektakel einsetzte.

Um die Erträge für die WM-Organisatoren "weiter zu steigern", zitierten am Mittwoch sogar die Anwälte selbst aus einer Medienmeldung von 2004, "wird OK-Chef Beckenbauer als sogenannter Testimonial Oddset zur Verfügung stehen". Beckenbauer selbst ließ noch unmittelbar vor WM-Anpfiff im Berliner "Tagesspiegel" eine Schlagzeile mit seiner Klage "Beim Fußball halten zu viele die Hand auf" autorisieren. Mitunter bezeichnete sich der "Kaiser" in Interviews mit Blick auf die sechs nationalen WM-Sponsoren auch als "so etwas wie der siebten Förderer".

Schily widerspricht DFB

Allerdings geriet auch der DFB wegen möglicher Widersprüche in Bedrängnis. Der Verbandsdarstellung, dass der Präsidialausschuss des WM-Organisationskomitees "vertragliche Vereinbarungen zwischen dem DFB und Franz Beckenbauer als Werbeträger" im Juli 2003 "beraten und beschlossen" habe, widersprach der damalige Bundesinnenminister und Ausschuss-Angehörige Otto Schily.

"Nach meiner Erinnerung hat der Aufsichtsrat des OK der Fußball-WM 2006 keine Beschlüsse über Zahlungen an Franz Beckenbauer gefasst", teilte Schily dem SID am Mittwoch schriftlich mit. Der DFB publizierte daraufhin am Mittwochabend die Teilnehmerliste der betreffenden Sitzung, darunter befand sich auch der Name von Otto Schily.

(sid)
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