| 16.09 Uhr

Affäre um WM 2006
Der DFB stellt eigene Strukturen auf den Prüfstand

Pressestimmen: "Wie bei Al Caopne"
Pressestimmen: "Wie bei Al Caopne" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO
Frankfurt/Main. Lücken im System, verkrustete Strukturen, blinde Loyalität: Die Affäre um die WM 2006 hat gezeigt, dass etwas faul ist im DFB-Staat. Wenn eine kleine Clique an der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ohne interne Widerstände 6,7 Millionen Euro in dubiose Kanäle verschwinden lassen kann, sind Reformen überfällig. Das gibt sogar die DFB-Spitze zu.

"Ich glaube schon, dass als eine Lehre aus diesen Vorgängen in den Bereichen Compliance, Controlling und Transparenz künftig noch genauer hingeschaut werden muss", sagte DFB-Vorstandsmitglied Karl Rothmund.

Der Präsident des Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV) betont aber auch, dass bereits Kontrollorgane existieren. "Es gibt schon eine Revisionstelle, die alle Rechte hat. Es ist insgesamt schon eine Transparenz-Kultur entstanden", sagte Rothmund: "Die DFB-Organisation insgesamt ist voll funktionsfähig, was Mitarbeiter und Qualität angeht."

Ähnlich sieht es die Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk. Die Juristin in Diensten von Transparency International hält nichts von den Rufen aus der Wirtschaft nach einem besseren Compliance-System (Verhaltensmaßregeln und Richtlinien) mit unabhängig agierenden Aufpassern beim DFB.

"Es war nur ein kleiner Kreis von vier, fünf, sechs oder sieben Personen eingeweiht", sagte Schenk dem SID: "Dass da etwas nicht stimmt, hätte auch der beste Compliance-Officer nur im Nachhinein oder durch Zufall gemerkt."

Schenk hat zwar Defizite beim DFB erkannt, hält den Verband aber grundsätzlich nicht für schlecht aufgestellt. "Der DFB wird viele Dinge auf den Prüfstand stellen und ist damit auch gut beraten. Man kann sicher schauen, wo man was und wie besser machen kann", erklärte die 63-Jährige: "So sollte zum Zwecke der Transparenz der Finanzbericht auf der Webseite veröffentlicht werden."

Doch obwohl der DFB Nachholbedarf hat, bricht Schenk eine Lanze für den Verband. "Der DFB hat für seine Größe schon viele Dinge umgesetzt, die andere nicht haben. So gibt es eine Revisionsstelle und es gibt eine Wirtschaftsprüfung", sagte die Frankfurterin: "Man kann sicher nicht sagen, dass da alles völlig unzureichend ist."

So sieht es auch Hans-Ludwig Meyer, der seit 2013 die Revisionsstelle leitet. Undurchsichtige Zahlungsvorgänge sind seiner Meinung nach nicht mehr möglich. "Jede Investition, jede Überweisung über 500.000 Euro läuft über die Revisionsstelle", sagte Meyer den "Kieler Nachrichten".

Nach Ansicht von Schenk muss ohnehin in erster Linie ein Umdenken einsetzen. "Es braucht eine Kultur, in der solche Dinge angesprochen werden. 2005 war das Whistleblowing ja noch kein Thema", sagte die frühere Leichtathletin: "Zudem muss jedes Compliance-Programm erst erarbeitet und umgesetzt werden. Das braucht Zeit."

Laut Schenk "hinkt der Sport der Wirtschaft zehn Jahre hinterher". Die Juristin kann deshalb der Affäre um die 6,7 Millionen Euro, die angeblich an den Weltverband Fifa gegangen sein sollen, deren Verwendungszweck aber weiter völlig offen ist, auch etwas Positives abgewinnen.

"Das Ganze wird dem Thema einen Schub geben", sagte Schenk: "Alle sollten kapiert haben, was die Stunde geschlagen hat. Das ist für das Thema erfreulich – auch wenn es für den DFB unerfreulich ist."

(sid)
 
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