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Affäre um WM 2006
Beckenbauers Vertrauter weist Vorwürfe zurück

WM 2006: Fedor Radmann nimmt Franz Beckenbauer in Schutz
Franz Beckenbauer (l.) und Fedor Radmann. FOTO: dpa, du_awi nic
Frankfurt/Düsseldorf. Fedor Radmann gehört nicht zu den berühmtesten Figuren in der Affäre um die Vergabe der WM 2006 an Deutschland. Vielleicht aber ist er eine der wichtigsten. Er war und ist einer der engsten Vertrauten von Franz Beckenbauer, der Bewerbungs- und Organisationskomitee für die WM führte. Radmann ist ein bedeutender Kaufmann im Sportrechtehandel gewesen. Und er war Mitglied des WM-Organisationskomitees. Von Robert Peters

Ein paar Tage nach seinem großen Freund Franz Beckenbauer hat er sich nun mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit gewagt. Anders als der Kaiser, der sich mit einer dürren schriftlichen Mitteilung an sein Volk wandte, ließ sich Radmann zu einem Gespräch mit der Wochenzeitung "Die Zeit" überreden. Mit einer bemerkenswerten Formulierung versucht er dort, alle Vorwürfe der Korruption und schwarzer Kassen zurückzuweisen. Er sagte dem Blatt: "Ich könnte beim Leben meiner sechs Kinder beschwören, dass ich felsenfest davon überzeugt bin, dass nicht ein Mensch von uns bestochen wurde." Das ist ein Satz, der es vermutlich in jede Jahreschronik schaffen wird.

Genauer betrachtet: Fedor Radmann "könnte beschwören". Er beschwört es also nicht. Da hilft auch der Verstärker "beim Leben meiner sechs Kinder" nicht. Sie hört sich lediglich an wie ein Zitat aus einem der schönen Mafiafilme aus den späten 70er Jahren. Und nun kommt's. Er "könnte beschwören, dass ich felsenfest davon überzeugt bin". So ganz traut er der eigenen Wahrnehmung also doch nicht über den Weg. Wenn er beschwören könnte, dass er felsenfest überzeugt ist, wie felsenfest ist dann die Überzeugung?

Mit großer Sicherheit darf man davon ausgehen, dass der fragliche Satz nicht nur von Radmann, sondern auch von dessen Beratern oder Anwälten - wahrscheinlich von beiden - ausgiebig begutachtet worden ist, bevor er zum Abdruck freigegeben wurde. Das sagt dann allerdings über den Aufklärungswert ebenfalls allerhand. Im besten Fall, dass nun auch die Leser oder die Redakteure der "Zeit" beschwören könnten, wie felsenfest Fedor Radmann davon überzeugt ist, niemand sei bestochen worden.

Über den Bekenntnisstand des Kaisers gerät Radmann nicht hinaus, er kommt nicht einmal in die Nähe. Über die ominösen 6,7 Millionen Euro sagte der Berater Beckenbauers: "Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was mit den 6,7 Millionen Euro passiert sein könnte." Beckenbauer hatte immerhin angedeutet, sie seien als Vorleistung auf einen Fifa-WM-Vorschuss in Höhe von 170 Millionen Euro gezahlt worden, weil der Weltverband das so gewollt hatte. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet unterdessen unter Berufung auf "Insider" davon, mit dem Geld könnte eine schwarze Kasse der Fifa gefüllt worden sein. Zu welchem Zweck, konnte auch sie nicht enthüllen.

Radmann beschäftigt sich derweil weniger mit möglichen Taten als vielmehr mit den Folgen. Was an Diskussionen um schwarze Kassen und mögliche Ungereimtheiten im Vergabeverfahren passiert sei, "ist nicht nur ärgerlich, sondern eine Schande. Der deutsche Fußball verliert an Image in einem Ausmaß, das man sich gar nicht vorstellen kann". Wahrscheinlich könnte Radmann beschwören, dass er davon felsenfest überzeugt ist.

Quelle: RP
 
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