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WM-Macher dementiert Schmiergeldzahlungen
Alles nur ein Komplott gegen Niersbach?

WM 2006: Komplott gegen Wolfgang Niersbach?
Fedor Radmann (r.) hat Korruption bei der WM-Vergabe 2006 dementiert. FOTO: dpa, ss
Düsseldorf. Der Korruptionsvorwurf gegen die deutsche Bewerbung um die WM 2006 erhitzt weiter die Gemüter. Der ehemalige WM-Macher Fedor Radmann dementierte Schmiergeldzahlungen vehement. Es gibt mittlerweile Komplott-Vermutungen.

Den Anschuldigungen folgte das vehemente Dementi der "grauen Eminenz" Fedor Radmann: Der ehemalige Vize-Präsident des deutschen Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hat die Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe der WM-Endrunde am 6. Juli 2000 in Zürich vehement bestritten. "Das Bewerbungskomitee hat niemals irgendjemanden bestochen. Ich bin bereit, dies sogar zu beeiden. Wir haben keine Stimmen gekauft", sagte der 71-Jährige bei Sky Sport News HD.

Fifa-Insider Tognoni vermutet Komplott gegen Niersbach

Porträt: Niersbach: Vom Journalisten zum Macher im Fußball FOTO: RPO

Der langjährige Fifa-Mediendirektor und -Insider Guido Tognoni kann sich indes eine mögliche Kampagne gegen DFB-Präsident Wolfgang Niersbach vorstellen. Die Bundestags-Sportausschussvorsitzende Dagmar Freitag vermutet gar einen Komplott.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier rät dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Zuge der Bestechungsvorwürfe zu eigenen Ermittlungen. Er könne nur raten, dass das, was der DFB zum Ausdruck gebracht habe, jetzt schnellstmöglich Untersuchungen einzuleiten, auch passiere. "Das ist im Interesse des Sports, im Interesse des Fußballs, der sich über Ländergrenzen hinweg Anerkennung erarbeitet hat. Aber das ist auch unser gemeinsames Interesse", sagte Steinmeier bei einem Besuch im Iran.

Tognoni äußerte bei Sky Sport News HD, dass ihn vor allem der Zeitpunkt der Veröffentlichung überrasche: "Ist es Zufall oder gibt es eine Person, die Wolfgang Niersbach beschädigen will? Wenn das aber alles stimmen sollte, dann stünde der DFB am Pranger." Auf die Frage, ob Niersbach von dem Geld gewusst habe, antwortete Tognoni: "Wolfgang Niersbach wusste wahrscheinlich von dem Geld - aber ob es eine schwarze Kasse war, das ist die Frage. Wir müssen dem DFB jetzt die Chance geben, das alles aufzuklären."

Chronologie der deutschen Bewerbung

Nur wenn das erfolge, sei Niersbach ein Kandidat für Präsidentenämter. "Die neuen Fifa- und Uefa-Präsidenten müssen jeweils total sauber sein, um gewählt zu werden", betonte er: "Wenn da nur ein geringer Schatten auf der Person zurückbleibt, ist man nicht mehr wählbar. Deshalb hoffe ich, dass Wolfgang Niersbach die ganze Sache und die Zahlung aufklären kann. Ich hoffe, er kann seine Chance wahrnehmen, sich zur Wahl zu stellen."

Freitag schließt derweil eine gezielte Aktion nicht aus. "Möglicherweise gibt es bei der Fifa mittlerweile einige, die noch alte Rechnungen begleichen wollen", so die 62-Jährige im rbb-Inforadio. Uefa-Chef Michel Platini und Fifa-Boss Joseph S. Blatter "sind ja nicht die Einzigen, die im Moment Probleme haben. Der Generalsekretär der Fifa ist suspendiert worden. Einige sind lebenslang gesperrt worden. Da sind ja ganz viele Leute, die ganz viel aus der Vergangenheit wissen, und die sicherlich nicht besonders amüsiert sind über das, was ihnen mittlerweile widerfahren ist, und da kann es schon zu der ein oder anderen Veröffentlichung kommen".

So reagiert das Netz auf die Anschuldigungen gegen den DFB

Der einstige WM-Koordinator Radmann ist ein langjähriger Vertrauter von Franz Beckenbauer (70), damals Chef der deutschen WM-Bewerbung und des OK für die WM 2006. Zusammen mit dem "Kaiser" unternahm der Berchtesgadener im Vorfeld der WM-Vergabe Reisen in zahlreiche Länder der Exekutiv-Vertreter, um auf Stimmenfang für die deutsche WM-Bewerbung zu gehen.

Am Ende setzte sich die Kandidatur des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bei der Abstimmung im Exekutivkomitee des Weltverbandes Fifa am 6. Juli 2000 mit 12:11 Stimmen hauchdünn gegen den letzten verbliebenen Rivalen Südafrika durch.

Der Neuseeländer Charles Dempsey hatte sich am Ende der Stimme enthalten, aber eigentlich Deutschland seine Stimme zugesagt. Bei Stimmengleichheit hätte das Votum des damaligen Fifa-Präsidenten Joseph S. Blatter den Ausschlag gegeben. Der Schweizer hatte keinen Hehl daraus gemacht, die Kandidatur Südafrikas zu unterstützen. Die Kap-Republik wurde dann 2010 WM-Gastgeber.

(seeg/sid)
 
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