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Affäre um WM 2006
Niersbach soll Schmiergeld-Liste im Büro ausgehangen haben

WM 2006: Wolfgang Niersbach soll Schmiergeld-Liste gehabt haben
Der DFB sieht sich erneut massiven Anschuldigungen gegenüber. FOTO: dpa, fve hak nic
Frankfurt/Main. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat möglicherweise jahrelang Dokumente unter Verschluss gehalten, die Hinweise auf dubiose Geschäfte bei der Vergabe der WM 2006 nach Deutschland beinhalten.

Das belegen nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR die bisherigen internen Ermittlungen durch die Kanzlei Freshfields, die derzeit im Auftrag des DFB die WM-Affäre untersucht. Demnach sprach der ehemalige DFB-Vize-Generalsekretär Stefan Hans von einem "Hochreck" der Verschleierung.

Die dubiose Zahlung von 6,7 Millionen Euro habe in der Buchhaltung "schlüssig ausgesehen". Den Unterlagen habe man "nicht ansehen" können, dass damit eine offenbar illegale Zahlung verdeckt werden sollte. Nur ein kleiner Kreis einiger Mitglieder des früheren WM-Organisationskomitees (OK) soll den wahren Zweck der Zahlung gekannt haben.

Der DFB hat Hans Ende November wegen der Affäre gekündigt, dieser wehrt sich vor dem Arbeitsgericht. Der langjährige DFB-Mitarbeiter war im Archiv des Verbandes auf ein brisantes Dokument gestoßen. Hans wird vorgeworfen, nicht umgehend seine Vorgesetzten über den Fund des Papiers, das Zusagen an den früheren Fifa-Vize Jack Warner enthält, informiert zu haben. Hans bestreitet dies.

Der Freshfields-Abschlussbericht wird voraussichtlich Ende Februar vorliegen. Nach Angaben von SZ, NDR und WDR liegen der Kanzlei neue Dokumente vor, denen zufolge die Vergabe des Turniers 2006 nach Deutschland von Bestechungsversuchen begleitet gewesen sein könnte. Das gelte etwa für eine Afrika-Hilfe in Höhe von sieben Millionen Euro, die der Fußball-Weltverband Fifa vom deutschen OK gefordert hatte. Von Freshfields beim DFB gefundene Unterlagen werfen demnach die Frage auf, ob diese Millionen-Hilfe ein Ausgleich dafür sein sollte, dass Südafrika die Abstimmung über die WM 2006 gegen Deutschland verloren hatte und erst 2010 zum Zuge kam.

Hans sagte laut den Medien als Zeuge bei Freshfields aus, mit dem Geld hätten in Afrika Bolzplätze gebaut werden sollen. Aber dies habe "wohl nicht sieben Millionen Euro gekostet". Er wisse nicht, ob das deutsche OK oder "Dritte" den Millionenbetrag gezahlt hätten.

Die Freshfields-Ermittlungen setzen den Recherchen zufolge auch Niersbach immer stärker unter Druck, der trotz seines Rücktritts als DFB-Chef noch immer in den Exekutivkomitees der Fifa und des europäischen Verbands Uefa sitzt. So soll in Niersbachs Vorzimmer beim DFB jahrelang eine Liste abgeheftet gewesen sein, die verschiedene Schmiergeldzahlungen des früheren Fifa-Marketingpartners ISL dokumentiert. In dieser Liste taucht dem Bericht zufolge eine ISL-Zahlung von 250.000 Dollar auf, die einen Tag vor der WM-Vergabe im Jahr 2000 an einen unbekannten Empfänger geflossen sein soll. Schon Niersbachs Vorgänger Theo Zwanziger hatte mehrfach von einem "Schmiergeldteppich" in den Akten der 2001 in Konkurs gegangenen ISL berichtet.

(seeg/sid/dpa)
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