| 08.19 Uhr

WM-Qualifikation in Nordirland
DFB-Team lässt sich nicht auf heißen Tanz ein

Rudy treibt das Team an - Hummels souverän im Zweikampf
Rudy treibt das Team an - Hummels souverän im Zweikampf FOTO: afp
Souverän hat sich die deutsche Nationalmannschaft für die WM in Russland qualifiziert. Auch in Nordirland erlaubte sich das hellwache Team von Joachim Löw keinen Ausrutscher. Die nordirischen Fans beeindruckten trotzdem durch ihre Lautstärke. Von Robert Peters, Belfast

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat sich für die Weltmeisterschaft in Russland im kommenden Jahr qualifiziert. Das ist keine Sensation. Sie hat sich allerdings auf dem Weg zur möglichen Titelverteidigung weit weniger aufhalten lassen als auf dem Weg zur Europameisterschaft 2016. Da verlief die Qualifikation entschieden holpriger. Nun steht schon vor dem letzten Gruppenspiel am Sonntag in Kaiserslautern gegen Aserbaidschan fest, dass die DFB-Auswahl 2018 dabei ist. Den letzten Schritt tat sie mit einem weitgehend souverän herausgespielten 3:1-Erfolg in Belfast gegen Nordirland.

Gefeiert wurden im Windsor Park aber nach dem Abpfiff die Gastgeber, die zwar deutlich unterlegen waren, aber niemals aufgaben. Diese Mentalität bekommen die Menschen auf der Insel mit der Muttermilch.

Ebenso traditionell wie der Kampfgeist ist der Fußballstil der Nordiren. Sie verteidigen gern, und sie lieben geradezu das Konterspiel. Davon kann sie nicht einmal ein klarer Rückstand abbringen. Und den gab es gegen die konzentriert beginnende deutsche Mannschaft. Der zentrale Mittelfeldspieler Sebastian Rudy, den inzwischen niemand mehr ungestraft unterschätzt, traf mit einem krachenden Weitschuss zum 1:0 für den Favoriten. Sandro Wagner, der in der Angriffsmitte hingebungsvoll ackerte, erhöhte früh mit einem Schuss von der Strafraumgrenze auf 2:0.

Fortan bestand die schwierigste Aufgabe für die Deutschen, das Tempo gegen die weiter tapfer in der eigenen Hälfte verharrenden Nordiren einigermaßen hochzuhalten und den Ball in langen Phasen des Ballbesitzes nicht leichtfertig zu verlieren. Das gelang der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw meist sehr ordentlich.

Pressestimmen: "Rudy rummst uns nach Russland." FOTO: dpa, crj fgj

Das Spiel aus der Abwehr um die beiden kühlen Münchner Innenverteidiger Mats Hummels und Jerome Boateng blieb beinahe ohne Aussetzer, ganz selten geriet der Gast ein wenig unter Druck. In der Regel ließen sich die Aufbauspieler nicht beeindrucken – trotz des bemerkenswerten Lärms, den 25.000 Zuschauer machen können, wenn ihre Mannschaft den Ball ins Aus grätscht oder einen Zweikampf gewinnt.

Ehrentreffer wird begeistert gefeiert

Weil Aufgeben im Wortschatz der Nordiren nicht vorkommt, musste der Gast bis zum Schluss hellwach bleiben. Natürlich war die Begegnung längst entschieden, als Joshua Kimmich mit einem Volleyschuss das 3:0 erzielte. Die Begeisterung der Zuschauer für den Ehrentreffer in buchstäblich letzter Minute aber bewies, was dem Favoriten für ein heißer Tanz geblüht hätte, wenn Nordirland durch eine glückliche Fügung in Führung gegangen wäre.

Derartige Unannehmlichkeiten ersparte sich die DFB-Auswahl zur Freude ihres Trainers. "Die Bilanz der Qualifikation ist sehr positiv", sagte Löw, "wir wollten die Gruppe von Anfang an dominieren, das ist uns gelungen. Deshalb bin ich mit der Qualifikation und dem Spiel in Nordirland absolut zufrieden."

Damit beginnt auch die Vorbereitung auf das WM-Turnier. Schon die abschließende Begegnung der Qualifikation gegen Aserbaidschan bietet die erste Gelegenheit, neue Spieler zu testen. "Wir werden durchwechseln", versprach Löw. Die Punkte verschenken will er allerdings nicht. "Wir wollen natürlich den zehnten Sieg im zehnten Spiel", erklärte der Bundestrainer, "dann wäre das die beste WM-Qualifikation." Auch ein Weltmeister hat eben immer noch Ziele.

 
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