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DFB-Stürmer will Weg aus der Torkrise finden
Es müllert wieder beim DFB

WM-Qualifikation: Thomas Müller will Tor-Krise in San Marino beenden
Thomas Müller wirkte beim Abschlusstraining fokussiert. FOTO: afp, VIP
Düsseldorf/Rimini. Nach torloser EM läuft es für den Angreifer von Bayern München in der WM-Qualifikation. Auch heute in San Marino? Von Robert Peters

Wer sich die Fußballstatistiken ein wenig zurechtbiegt, der kommt zu diesem Lehrsatz: In jedem zweiten Länderspiel schießt Thomas Müller ein Tor. Folglich ist er am Freitagabend (20.45 Uhr/Live-Ticker) wieder an der Reihe. Dafür sprechen gleich drei Tatsachen: Erstens hat er sich beim 2:0 gegen Nordirland auf eine Vorlage beschränkt, Tore ließ er Julian Draxler und Sami Khedira machen. Zweitens zählt der heutige Gegner San Marino weder zu den Fußball-Weltmächten noch zu den gefürchteten Abwehr-Spezialisten. Und drittens steht Müller in der Startelf. Er darf sich austoben, für das Testspiel am Dienstag in Italien hat ihm Bundestrainer Joachim Löw freigegeben.

Dem geplagten Körper schadet das nicht, obwohl Müller ein paar weitere Tage in der Wohlfühlzone DFB sicher guttun würden. Schließlich erlebt er gerade im Verein, beim FC Bayern, was jeder Torjäger mal durchmacht: eine ausgewachsene Flaute. In der Bundesliga und im DFB-Pokal hat er überhaupt noch nicht getroffen, in der Champions League immerhin zweimal. Ungewöhnlich für ihn. "Meine Krawatte", sagte er nach der Begegnung mit Hoffenheim, in der er nicht mehr als einen Pfostentreffer zu Wege brachte, "ist natürlich groß."

Da kommt die Nationalmannschaft recht. Denn in der WM-Qualifikation müllert es wieder tüchtig. Nach drei Spielen hat der Bayer vier Treffer auf dem Konto. Und auch wenn er glaubhaft versichert, dass es ihm immer vor allem um den Erfolg der Mannschaft geht, gefallen ihm persönliche Erfolgserlebnisse selbstverständlich besonders gut.

Den seltsamen Europameisterschafts-Fluch hat er damit schon einmal gebannt. In Frankreich blieb der Torjäger ohne Treffer, und das passt zu seiner grotesken EM-Bilanz. Der erfolgreichste Stürmer in Löws aktuellem Aufgebot hat noch nie ein EM-Tor geschossen. Das bringt selbst einen zum Nachdenken, dem bislang niemand nachgesagt hat, er komme vor lauter Grübelei nicht in den Schlaf. "Es ist schon komisch", sagte er nach seinen beiden Toren beim 3:0 gegen Tschechien in Hamburg, "wenn WM draufsteht, dann klappt's." Es wäre keine Sensation, wenn diese Serie im beschaulichen Stadion von San Marino anhält. Zusätzlicher Reiz für den Münchner: In der ewigen Rangliste der DFB-Torjäger könnte er mit einem Tor zu Oliver Bierhoff auf Platz zehn aufschließen. Bierhoff liegt bei 37 Treffern, und obwohl er noch ganz gut beieinander ist, wird der DFB-Teammanager vermutlich heute Abend nicht spielen. Sollten Löw über Nacht die Stürmer ausgehen, wäre Bierhoff mit seinen 48 Jahren dennoch eine echte Gefahr für San Marinos Abwehr - jedenfalls nach der fachkundigen Einschätzung von Karl-Heinz Rummenigge. Bayern Münchens Vereinschef ist selbst schon 61, aber er glaubt: "Gegen San Marino würde ich vielleicht auch ein Tor schießen." Dass er weiß, wie es geht, hat er in 95 Länderspielen nachgewiesen. 45 Treffer gelangen ihm.

In der Reisegesellschaft des DFB, die in diesen Tagen im italienischen Rimini residiert, ist einer, der noch besser weiß, wo das gegnerische Tor steht. Miroslav Klose (38) hat nach dem Weltmeistertitel 2014 seine Karriere in der Nationalmannschaft beendet. Mit 71 Toren ist er Deutschlands erfolgreichster Torjäger, noch vor dem legendären Gerd Müller. Der benötigte für seine 68 Treffer allerdings nur 62 Spiele, während Klose 137 Mal für Deutschland antrat. Nun gehört er als fortgeschrittener Praktikant zu Löws Trainerteam. Aufmerksame Begleiter haben ihm bereits den Ehrentitel "Bundesstürmertrainer" (BST) verliehen. Auf jeden Fall kann er Stürmern in ausgiebigen Kamingesprächen die Selbstzweifel nehmen, wenn sie sich mit längeren Phasen der Erfolglosigkeit herumplagen. Die hat er nämlich selbst erlebt. Möglicherweise kommt bei den Gesprächen sogar Müllers Erfolgsrezept vor. "Wenn ich gemerkt habe, dass ich nicht ganz aufmerksam bin, habe ich mich schon oft gebackpfeift", erklärte er im Sommer bei der EM. Bei Länderspielen waren Backpfeifen zuletzt nicht nötig.

Quelle: RP
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