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Deutscher Gegner in der WM-Qualifikation
Wunderkind Ödegaard ist zu schlecht für Norwegen

Ödegaard schreibt Fußball-Geschichte
Ödegaard schreibt Fußball-Geschichte FOTO: ap
Oslo. Um 23.59 Uhr in der Nacht auf Donnerstag hatte Martin Ödegaard traurige Gewissheit. Als das Transferfenster auch auf dem spanischen Fußball-Markt schloss, war für das norwegische Ausnahmetalent klar, dass es mindestens ein weiteres halbes Jahr bei Real Madrid Castilla in der dritten Liga spielen muss. Bis zuletzt hatte er auf eine Ausleihe gehofft, doch am Ende musste der 17-Jährige den nächsten Nackenschlag hinnehmen.

Und davon gab es einige, seit Ödegaard sich im Januar 2015 gegen Bayern München und für Real entschied. Ein einziges Pflichtspiel durfte er für die Königlichen bestreiten – am 23. Mai 2015 wurde er beim 7:3 gegen den FC Getafe für Superstar Cristiano Ronaldo eingewechselt. Seither trainiert er zwar mit Weltmeister Toni Kroos und Co., spielen muss er aber für die zweite Mannschaft. "Das ist keine gute Lösung, da ist das Niveau zu schlecht", sagt die norwegische Trainerlegende Egil "Drillo" Olsen.

Olsen beklagt wie andere Experten den Absturz des Juwels. "Er wurde in den Himmel gehoben, um ihn gab es viel zu viel Gerede. Das hat wohl etwas dazu beigetragen, dass es nicht wie erhofft lief", sagt er über den bei seinem Debüt im August 2014 mit 15 Jahren und 253 Tagen jüngsten norwegischen Nationalspieler der Geschichte. Es sei "völlig richtig", dass Nationalcoach Per-Mathias Högmo im WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland am Sonntag (20.45 Uhr/Live-Ticker) trotz personeller Probleme auf Ödegaard verzichte, "er ist nicht reif genug, nicht gut genug".

Högmo schickte Ödegaard zur U21. Dort solle das Wunderkind "hilfreiche Spielpraxis" bekommen. "Martin ist ein Spieler, an den ich sehr stark glaube", versicherte er. Doch die Zweifler werden zahlreicher. Wie Olsen nennt der frühere Bundesliga-Profi Kjetil Rekdal Ödegaard "nicht erwachsen, nicht stark genug. Er ist ein Riesentalent, aber er muss entwickelt werden, er braucht Zeit". Münchens heutiger Trainer Carlo Ancelotti, in dessen Amtszeit Ödegaard zu Real kam, sieht in dem Transfer im Rückblick "reine PR".

Ödegaard kümmert's wenig. "Viele Leute haben eine Meinung, und ein Teil der Menschen sagt vielleicht Dinge, von denen sie keine Ahnung haben", sagte er in dieser Woche dem "Dagbladet". Er habe keine "Krise" bekommen, weil er bei Real bleiben musste, behauptete er: "Ich trainiere dort mit den besten Spielern der Welt." Und: "Im Januar gibt es ein neues Transferfenster..."

Obwohl Ödegaard nicht nach Frankreich wollte, hätte ihn Madrid am liebsten an Stade Rennes verliehen. Doch der Transfer scheiterte an den Wechselbestimmungen der Fifa. So blieb nur Spanien als Option, doch auch dort fand sich keine Ideallösung. Bis auf Weiteres heißt der triste Alltag Segunda División B, Grupo II. "Ich bin erst 17 und weiß, dass ich noch viele Jahre vor mir habe, in denen ich in der ersten Mannschaft spielen kann", sagte Ödegaard, "ich mache mir da nicht so viel Stress."

Er habe in den vergangenen eineinhalb Jahren trotz allem viel gelernt. "Ich fühle mich als Spieler und Mensch reifer, bin härter geworden, physisch besser", sagte er. Auch sei er "einen Zentimeter oder so" gewachsen. Ob er irgendwann ein wirklich Großer wird, ist allerdings offen.

(sid)
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